Mit Biokohle zu einer nachhaltigen Landwirtschaft“ – das ist das Motto eines internationalen Symposiums, das vom Donnerstag, 28., bis Freitag, 29. Mai 2015, in Potsdam stattfindet. Seit ungefähr zehn Jahren wird Biokohle weltweit als das neue "Grün" gehandelt und intensiv beforscht. Biokohle soll verarmte Böden fruchtbar machen, Kohlenstoff sequestrieren und umweltrelevante Emissionen aus der Landwirtschaft reduzieren. Was ist dran am „Wundermittel“ Biokohle? Diese Frage wird in Potsdam von Wissenschaftlern aus 29 Ländern anhand aktueller Forschungsergebnisse intensiv diskutiert.         

 An Pflanzenkohle – auch Biokohle genannt - werden weltweit große Erwartungen geknüpft: Sie soll als Bodenhilfsstoff verarmte Böden fruchtbar machen, den in pflanzlicher Biomasse gebundenen Kohlenstoff dauerhaft im Boden festlegen und umweltrelevante Emissionen aus der Landwirtschaft reduzieren.
Biokohle LandwirtDie Beweggründe, sich mit der Verkohlung pflanzlicher Ausgangsstoffe und ihrer Nutzung in der Landwirtschaft zu befassen, sind jedoch weltweit unterschiedlich. Während in Europa intensiv über die mögliche Bedeutung von Biokohle zur Minderung von klimarelevanten Gasen diskutiert wird, stehen in anderen Regionen die bodenverbessernden Eigenschaften von Biokohle im Fokus, etwa um der zunehmenden Versalzung arider Gebiete vorzubeugen. Auch die Verwertungsmöglichkeit von Reststoffen aus der Agrarindustrie durch Verkohlung hat den Boom der Biokohle beflügelt.

In Asien beispielsweise wird die Verbrennung von Reststoffen aus der Ölpalmindustrie zunehmend verboten, sodass alternative Verwendungsmöglichkeiten gesucht werden.
Auch das ATB forscht seit sechs Jahren an der thermochemischen Konversion von Biomasse zu Biokohle, sowohl um Reststoffe aus der Landwirtschaft sinnvoll zu verwerten als auch um Prozesse im Boden gezielt zu steuern, Ertragspotenziale auszunutzen und Emissionen in die Umwelt deutlich zu reduzieren. Ergebnisse aus zwei großen Forschungsverbünden des ATB werden im Rahmen des Symposiums vorgestellt und diskutiert.


"Es zeichnet sich ab, dass Ertragseffekte der Biokohle in gemäßigten Breiten nicht in gleichem Maße festzustellen sind, wie in den Tropen", sagt ATB-Wissenschaftlerin Dr. Anja Sänger. Sie koordiniert das von der Leibniz-Gemeinschaft geförderte Verbundprojekt "Biochar in Agriulture - Perspectives for Germany and Malaysia". Gemeinsam mit deutschen und  malaysischen Partnern untersuchen die ATB-Forscher im Labor und im Feld die Wirkungen unterschiedlicher Biokohlen in gemäßigten Breiten und in den Tropen, um die relative Vorzüglichkeit von Biokohle ausloten zu können.  
Als Rohstoffe für die Herstellung der Biokohlen eignen sich insbesondere Biomassen, die in der Landwirtschaft als Reststoffe anfallen. Im gerade abgeschlossenen Projekt APECS (Anaerobe Konversion von Biomassen zu hochwertigen Energieträgern und Kohlenstoffsenken) wurden am ATB verschiedene Verfahren der Verkohlung von Gärresten aus der Biogasproduktion untersucht. Die Einsetzbarkeit und Wirkungen der verschiedenen Biokohlen im Agrarökosystem ist Gegenstand aktueller Untersuchungen.


Die Produktion von Biokohle kann mit dem Verfahren der Pyrolyse (unter Luftabschluss bei Temperaturen zwischen 350° und 1000 °C) bzw. durch hydrothermale Carbonisierung (HTC) erfolgen (Zugabe von Wasser, bei Drücken von ca. 20 bar und Temperaturen von etwa 200°C). Dank ihrer großen Oberfläche bindet Biokohle gut Mineralstoffe und Wasser. Pflanzenkohle ist in einigen Ländern (u.a. Österreich, Schweiz, nicht in Deutschland) in der Landwirtschaft als Bodenhilfsstoff und Trägerstoff für Düngemittel zugelassen.
„Wir wissen bisher nicht genug über die Wechselwirkungen von Biokohle mit dem Agrarökosystem, um abschließend über die Sinnhaftigkeit des Einsatzes von Biokohlen in der Landwirtschaft urteilen zu können. Das Symposium bringt die weltweit wichtigsten Arbeitsgruppen zu dem Thema zusammen. Wir gehen davon aus, in dieser Frage sicher ein Stück weiter kommen“, meint Dr. Andreas Meyer-Aurich, Initiator und Organisator des Symposiums.

Foto: Pixabay   Quelle: Dipl.-Ing. agr. Helene Foltan Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim e.V.