Göttinger Agrarökonomen untersuchen Nachhaltigkeitsaspekte in Industrie- und Schwellenländern

Göttingen - Der Begriff „Nachhaltigkeit" wird meist als ein Drei-Säulen-Modell beschrieben, in dem ökonomische, ökologische und soziale Interessen gleichberechtigt berücksichtigt werden müssen. Es existiert jedoch keine allgemeingültige Definition. Wenige Studien haben sich bisher mit dem länderübergreifenden Verbraucherverständnis für Nachhaltigkeit auseinandergesetzt. Deshalb haben Wissenschaftler vom Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Universität Göttingen untersucht, ob und wie sich die Erwartungen der Verbraucher in Bezug auf Nachhaltigkeit zwischen Industrie- und Schwellenländern unterscheiden. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Journal of Global Marketing erschienen.

Die Datenerhebung erfolgte per Online-Umfrage durch ein Marktforschungsinstitut in den USA, Deutschland und der Schweiz, sowie in Brasilien, China und Indien. Je Land wurden etwa 300 Probanden zu ihrer Erwartungshaltung in Bezug auf Nachhaltigkeit befragt. „Die Stichprobe umfasst vor allem in den Schwellenländern höher gebildete und gut verdienende Bewohner größerer Städte und trifft damit die wahrscheinlichsten Konsumenten von nachhaltigen Produkten", sagt Birgit Gassler, Erstautorin von der Abteilung Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte der Universität Göttingen. Die Verbraucher sollten die Aspekte wirtschaftliche Stabilität, wirtschaftliches Wachstum, eigene Gesundheit, persönlicher Wohlstand, Lebensmittelsicherheit, Tierwohl, soziale Sicherheit, soziale Gerechtigkeit sowie Umwelt- und Ressourcenschutz nach ihrer Wichtigkeit bewerten.

WachstumWachstum um jeden Preis ist für Deutsche und Schweizer nicht erstrebens-wert. Foto: Pixabay„Alle Nachhaltigkeitsaspekte werden als eher wichtig eingeschätzt. Persönliche Gesundheit wurde in Deutschland, der Schweiz, den USA, Brasilien und Indien als wichtigster Aspekt bewertet", so Mitautorin Dr. Marie von Meyer-Höfer von der Abteilung Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte der Universität Göttingen. In China steht Lebensmittelsicherheit an erster Stelle, in den übrigen Ländern an zweiter. Am vergleichsweise unwichtigsten wurde Tierwohl eingestuft. Nur in Deutschland und der Schweiz steht dieser ethische Nachhaltigkeitsaspekt nicht an letzter Stelle. „Den Deutschen und Schweizern scheinen wirtschaftliches Wachstum und persönlicher Wohlstand vergleichsweise weniger wichtig zu sein, sie stehen dort an letzter Stelle", so Dr. Meyer-Höfer.

Während die Ergebnisse zeigen, dass sich die Erwartungen an Nachhaltigkeit zwischen Deutschland und der Schweiz ähneln, zeigen sich zum Teil erhebliche Unterschiede zwischen den weiteren untersuchten Ländern. Allerdings sind wirtschaftliches Wachstum und wirtschaftliche Stabilität in allen Ländern eng miteinander verbunden. „Interessant ist auch, dass in den meisten Ländern Umwelt- und ethische Aspekte als gemeinsame Faktoren wahrgenommen werden und nicht so getrennt, wie sie oft vermarktet werden", so Birgit Gassler.

Laut der Studie ist eine den jeweiligen kulturellen Erwartungen angepasste Kommunikation von Nachhaltigkeit nötig, um den unterschiedlichen Konsumentenbedürfnissen weltweit gerecht zu werden. „Während nachhaltigere Produkte bisher vor allem mit dem Fokus auf einzelne Nachhaltigkeitsaspekte wie deren Umweltfreundlichkeit oder fairen Handelsbeziehungen beworben wurden, sollte künftig auf die übergeordneten Zusammenhänge von Nachhaltigkeit eingegangen werden", resümieren die Autoren.
Quelle: Text: Pressestelle Universität Göttingen/Bilder: Pixabay

Originalveröffentlichung:
Birgit Gassler, Marie von Meyer-Höfer & Achim Spiller (2016): Exploring Consum-ers’ Expectations of Sustainability in Mature and Emerging Markets, Journal of Global Marketing, DOI: 10.1080/08911762.2015.1133869
Internet:  www.uni-goettingen.de

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