Der Markt für fleischfreie Schnitzel, Burger und Co. boomt. Die Qualität ist jedoch dürftig, wie ÖKO-TEST in seinem neuesten Heft zeigt. So enthalten etliche Produkte hohe Mineralölrückstände, Gentechnikspuren, sind überwürzt, unter anderem mit zu viel Salz. Letztlich können die Tester nur ein Produkt wirklich empfehlen.

Freunde einer fleischlosen Ernährung, die im Laden nach vegetarischen oder veganen Fertigprodukten suchen, finden im Regal von Edeka, REWE, Discountern und Co. ein großes Angebot von sogenannten Fleischersatzprodukten: Produkte, die rein äußerlich panierten Schnitzeln zum Verwechseln ähnlich sehen, Aufschnitt, der im Kühlregal gleich neben herkömmlichen Wurstwaren liegt und kaum einen Unterschied erkennen lässt, braun gebratene Hackbällchen, die auf den ersten Blick Fleisch vermuten lassen, jedoch aus Soja oder Weizen gefertigt sind.

Die Produktbezeichnungen tun ein Übriges: vegetarische Fleischwurst, vegetarischer Schinkenspicker, vegetarische Minifrikadellen. Wer vor allem auf den zweiten Begriff achtet und Hinweise wie "fleischfrei" oder "auf Basis von Soja" übersieht, könnte zum vermeintlich falschen Produkt greifen.

Fakt ist, derzeit herrscht in Sachen Kennzeichnung laut ÖKO-TEST noch Regellosigkeit. Gesetzliche Vorgaben fehlen und tatsächlich haben Hersteller offensichtlich wenig Interesse daran, dass ihr Produkt mit der Fleischzubereitung verwechselt werden könnte und deklarieren eindeutig: Zu einer besseren Erkennung tragen außerdem eine grüne Packungsgestaltung bei sowie einschlägige Siegel, etwa des Vegetarierbundes Deutschland (VEBU) oder die Veganblume.

Testergebnis: Gestestet wurden 22 fleischfreie Produkte auf Schadstoffe, Fett, Salz und Geschmack. Nur ein einziges Produkt bekam von den Testern die Note "gut". Knapp die Hälfte wurde mit "mangelhaft" oder "ungenügend" bewertet.

Ein Grund ist die überraschend hohe Belastung mit gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH). Nicht auszuschließen ist laut Tester in diesem Fall, dass es sich dabei auch um die chemisch ähnlichen POSH-Verbindungen handelt, die sich ebenfalls lösen und übergehen können. Sie könnten aus den Kunststoffverpackungen stammen, in die viele Produkte eingeschweißt sind. MOSH können sich im Körper anreichern und haben in Tierversuchen zu Organschäden geführt.

Hoch belastete Bratwürste
Mineralöl satt steckt in den Würstchen von Tofutown und Taifun. So enthält die Viana Veggie fresh Bratwurst mild so viel von den Substanzen, dass schon ein 100-Gramm-Würstchen genügt, um die geschätzte Tagesaufnahme von Erwachsenen um das Doppelte auszuschöpfen. Die Taifun Veggie-Bratwurst ist nur wenig besser.

Überwürzt
Vier Bio-Produkte und fast alle konventionellen Produkte wurden mit Aromen oder konzentrierten, glutamathaltigen Zusätzen wie Hefeextrakt oder Würze auf fleischähnlich getrimmt. Glutamat kann bei empfindlichen Personen jedoch Kopfschmerzen und Hitzeempfindungen auslösen. Andere Produkte enthalten nur geschmacksintensive Gemüsesorten, jede Menge Gewürze und Kräuter oder Zutaten mit natürlichem Glutamat, etwa Steinpilzpulver.

Gentechnikspuren
In den Produkten von Lidl und Real wurden zwei gentechnisch veränderte Sojasorten nachgewiesen. Angesichts der von den Anbietern angegebenen Herkünften überrascht das wenig. Nord- und Südamerika sind Kornkammern für Gen-Soja. Verunreinigungen der GVO-frei angebauten Soja lassen sich somit - trotz strengster Kontrollen - kaum vermeiden. Der Gentechniknachweis in der Bio-Bratwurst von Taifun ist da schon ungewöhnlicher, wobei rund zehn Prozent der von Taifun verarbeiteten Soja aus Kanada stammen.

Zu viel Salz
Zwölf Produkte enthalten mehr als zwei Gramm Salz pro 100 Gramm. Kombiniert mit einer salzhaltigen Beilage oder mit Brot ist schnell mehr als die Hälfte des Tagesrichtwerts von sechs Gramm erreicht. Zu viel Salz erhöht jedoch das Risiko für Bluthochdruck. Experten raten daher dringend zu einer Senkung der Salzaufnahme.

Überflüssige Vitamin- und Mineralstoffzusätze
Einzig den Zusatz von Vitamin B12 in den Like Meat Döner Chunks fanden die Tester akzeptabel, da dieses Vitamin bei Veganern zu kurz kommt. Eisen wurde dagegen strenger bewertet, da laut medizinischen Untersuchungen eine unkontrollierte Aufnahme mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergehen kann.

Fettgehalt
Weniger fetthaltig als Fleisch? Nicht immer. Insbesondere die Schnitzel haben gegenüber den Fleischzubereitungen kaum Vorteile, sie sind ähnlich fett.
Quelle: Text + Cover: ÖKO-TEST, lin/Bilder: Pixabay

CoverWeitere Ergebnisse zu Testkriterien und Produktauswahl finden Sie hier.

Fazit: Ein ernüchterndes Ergebnis für all jene, die entweder ganz oder nur hin und wieder auf Fleisch verzichten. Supermärkte und Discounter unternehmen derzeit große Anstrengungen unternehmen, ihre Veggie-Sortimente auszubauen. Es ist nur zu hoffen, dass sie in Bezug auf die Testergebnisse ihr Augenmerk auf die Inhaltsstoffe legen.

Laut ÖKO-TEST-Redaktion hat Rewe (Penny) heute prompt auf den Test  reagiert: Der sehr stark erhöhte Mineralölgehalt (MOSH), den ÖKO-TEST im Naturgut Bio-Veggie-Schnitzel festgestellt hat, entspreche nicht den Rewe-Vorstellungen von Qualität. Deshalb werde der Anbieter das Produkt, das im Test mit mangelhaft abgeschnitten hatte, aus dem Regal nehmen - zumindest "bis zur eindeutigen Klärung des Sachverhalts".

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