Die Brooklyn Grange Farm ist zunächst einmal etwas für leidenschaftliche Höhenluftschnupperer. Kann man sich zusätzlich noch für verrückte „grüne“ Ideen begeistern, so werden die Hände automatisch von einer Spitzhacke oder einem Rechen angezogen. Und wer noch etwas Muckis zum Vorweisen hat, der greift einem fast Dutzend fest angestellter Gärtner hoch über den Dächern des Stadtteils Queens unter die Arme.

green cityMan forscht intensiv an einer sinnvollen Bepflanzung in Großstädten. Zero Acreage Farming ist ein Beispiel davonHochhausbepflanzung am East River
Die New Yorker Farm existiert seit 2010 Jahren. Richtig ab ging es in der Gegend um den East River schon ein Jahr später. Bürgermeister Michael Bloomberg hatte die Stadtverwaltung höflich darauf hingewiesen, den Pionierdrang von kreativen Start-Ups in der Gegend mit 650.000 Dollar zu fördern.
Damit die Pflanzen auf dem Hochhaus-Dach wachsen können, wurde ein mehrschichtiger Spezialboden verlegt: Eine Matte verhindert, dass die Wurzeln den Beton der Decke langfristig schädigen. Filz sorgt für den nötigen Feuchtigkeitsspeicher, Drainage-Matten und schließlich Erde bieten perfekten Halt für die Bohnen, Karotten und den Kohlrabi.
Die 4000 Quadratmeter große Gärtnerei hat nach eigenen Angaben seit ihrem Bestehen hunderttausende Pflanzen angebaut. Vor allem Tomaten (40 Sorten), Salate, Kräuter, Bohnen, Karotten und anderes Gemüse. Grundsätzlich wird auf den Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden verzichtet. Wer von der ganzen Gartenschufterei ins Schwitzen kommt, blickt nur einmal rüber auf das Empire State Building, und sofort ist der schmerzende Rücken vergessen.
Man sollte bei diesem Job nicht nur selbst schwindelfrei sein. Es ist auch den Bienen und den freilaufenden Hühnern auf der Brooklyn Grange Farm zu wünschen.
Amerika zeigt sich hier von seiner grünsten Seite. Mutiger Erfinderreichtum, der sich der Nachhaltigkeit verschrieben hat.
 
In Deutschland forscht man intensiv an Gärten in luftiger Höhe
Auch in Deutschland weiß man von derartigen erfolgreichen Ideen.
Im Projekt "ZFarm“ arbeiten Forscher aus drei wissenschaftlichen Einrichtungen gemeinsam mit Praxispartnern am sogenannten Zero Acreage Farming, an der städtischen Landwirtschaft der Zukunft. Vor einem Jahr wurde unter anderem der Praxisleitfaden für Dachgewächshäuser vorgestellt.
GemüseFrisches Gemüse gibt es vom "Hochausgarten Brooklyn Grange Farm"Das Frauenhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik in Oberhausen erforscht, wie sich Gemüse in Gewächshäusern auf Dächern züchten lässt.
Bei der Forschung merkte man sehr schnell, dass sich viele Themen der Gebäudetechnik verknüpfen lassen. Beispielsweise kann Abwärme von Immobilien wunderbar für die Gärtnerei benutzt werden oder die Erfindung von neuen Kreisläufen, in denen Brauchwasser durch spezielle Filtersysteme läuft und wieder neu verwendet werden kann.
Nach Ansicht des Instituts fehlen in Deutschland für diesen nachhaltigen Trend noch mutige Investoren. „Es gibt Interessenten, doch bisher hat sich noch niemand getraut, in eine Demonstration des Gesamtsystems zu investieren“, sagte Volkmar Keuter, Leiter des Frauenhofer „in-Haus“-Zentrums in Duisburg der Süddeutschen Zeitung.
Während hierzulande noch geforscht und diskutiert wird, ist auf der Brooklyn Grange Farm ganzjährig Hochbetrieb. Jeden Dienstag und Donnerstag gibt es im Erdgeschoss des Gebäudes einen Gemüsemarkt, zusätzlich werden Märkte und Restaurants der Gegend beliefert.
 Ganz offensichtlich haben die New Yorker ihr Grünes aus luftiger Stadthöhe lieb gewonnen.
 
Fotos:pixabay
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