Schulweg-AppDen Schulweg sicher, nachhaltig und gesund gestalten: Die FernUniversität in Hagen hat in Kooperation mit der Stadt Venedig eine App entwickelt, mit der Grundschülerinnen und Grundschüler ihren Schulweg umgestalten können. Mit Hilfe der App dokumentieren Mädchen und Jungen ihren Schulweg. Sie identifizieren gefährliche und schöne Wegpunkte und entwerfen in Form eines digitalen Comics eine Vision für einen besseren Schulweg. „An mehreren Schulen in Mestre, dem Festland von Venedig, kam die App zum Einsatz und trug dazu bei, dass Schülerinnen und Schüler ihr Mobilitätsverhalten reflektierten und neue Verantwortung für ihren Schulweg übernahmen“, sagt Projektleiter Dr. Till Schümmer von der FernUniversität.

Der Informatiker ist Akademischer Rat im Lehrgebiet Kooperative Systeme (Prof. Dr. Jörg M. Haake), das für drei Jahre als Partner am europäischen Projekt PUMAS (Planning Sustainable Regional-Urban Mobility in the Alpine Space) beteiligt war. Das Forschungsprojekt an der Schnittstelle zwischen Informatik und Stadtplanung hatte das Ziel, nachhaltige Mobilitätslösungen für den Alpenraum zu entwickeln. Zum Beispiel ging es in Turin um Güterlieferungen im historischen Stadtkern, in München wurde ein kombinierter Rad- und ÖV-Routenplaner entwickelt und in Venedig standen mit Beteiligung der FernUniversität sichere und gesundheitsförderliche Schulwege auf dem Stundenplan.

Von den Erfahrungen in Venedig können nicht nur die Stadtplanerinnen und Stadtplaner vor Ort profitieren. Für PUMAS wurde eine Community für den Wissensaustausch über nachhaltige Mobilitätslösungen geschaffen. Die FernUniversität entwickelte die Kooperations-Infrastruktur und identifizierte Barrieren und Motivatoren zum Wissensaustausch in der öffentlichen Verwaltung. „In der täglichen Praxis behindern Freigabe- und Abstimmungsprozesse den Wissensaustausch“, fasst Schümmer zusammen. Seien diese Barrieren aber erstmal überwunden, zahle sich der Austausch aus. „Die Rückmeldung der Städte zeigen: Die entstandenen neuen Kontakte sind wahnsinnig wertvoll.“

Als Basistechnologie kam das System PATONGO (Patterns and Tools for Non Governmental Organizations) zum Einsatz. Dieses wurde zwischen 2009 und 2012 vom Lehrgebiet Kooperative Systeme entwickelt und seitdem in unterschiedlichen Organisationen eingesetzt: zum Beispiel unter dem Namen „geistreich.de“ als kirchliches Kommunikationsportal der Evangelischen Kirche in Deutschland oder im bundesweiten Projekt „Campus vor Ort“. Das Internetportal PATONGO kann flexibel an die Bedürfnisse der Organisationen angepasst werden. Es zeichnet sich einerseits durch Arbeitsräume für Beteiligungsprozesse aus, in denen gemeinsam Konzepte erarbeitet werden. Andererseits erleichtert eine semantische Komponente das Finden inhaltlich passender Projekte und Kooperationspartner. 

„Wir wollen PATONGO weiter für den Markt öffnen“, blickt Till Schümmer in die Zukunft. Im Frühjahr 2013 erfolgte bereits die Ausgründung der Firma PATONGO UG (haftungsbeschränkt). Auch eine Verbreitung der App zur Umgestaltung des Schulwegs ist denkbar. Verkehrsplanerinnen im Wiener Umland haben bereits Interesse an der Arbeit mit der App in österreichischen Schulen bekundet. Auch an deutschen Schulen wäre ein Einsatz in Mobilitätswochen denkbar. 

In Venedig hat der Einsatz der App zur Umgestaltung der Schulumgebungen beigetragen: Die Zugänge zu den Schulen wurden in einem ersten Schritt farbenfroh gestaltet. „Es hat darüber hinaus einen signifikanten Wechsel zum Fahrrad- und Fußverkehr gegeben“, sagt Schümmer. „Das Bewusstsein ist dort geschaffen, jetzt muss sich die Beteiligungskultur für das Thema Schulweg nachhaltig etablieren.“
Quelle: Text: Susanne Bossemeyer Dez. 7.2 – Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit FernUniversität in Hagen/Bilder: Pixabay