Im Rahmen einer Umfrage haben Wissenschaftler des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V.  Berlinerinnen und Berliner zur Akzeptanz von urbaner Landwirtschaft befragt. Die ersten Ergebnisse der Studie wurden jetzt vorgestellt: Als bevorzugte Produktionsform erfahren Dachgärten die größte Zustimmung, da so ungenutzte Flächen sinnvoll für die Lebensmittelproduktion eingesetzt werden können. Die Mehrzahl der Befragten wäre auch bereit, mehr Geld für in der Nachbarschaft erzeugte Lebensmittel auszugeben, wenn damit ökologische und soziale Ziele verbunden sind, beispielsweise Bildungsaspekte.     

Die Berliner wünschen sich mehr „Grün“ auf ihren Dächern: Unter www.zfarm.de wurden bisher ungenutzte und potentiell geeignete Dachflächen verzeichnet.Die Berliner wünschen sich mehr „Grün“ auf ihren Dächern: Unter www.zfarm.de wurden bisher ungenutzte und potentiell geeignete Dachflächen verzeichnet.Die Forscher gehen noch einen Schritt weiter und zeigen unter www.zfarm.de auf einer interaktiven Karte, welche Berliner Dächer sich für eine „Begrünung“ eignen. Derzeit sind über 7000 Dachflächen, also insgesamt rund 5 Mio. Quadratmeter, als potentiell nutzbare und derzeit brachliegende Areale erfasst.   

 

 


Erfolg der Gemeinschaftgärten

Neue Geschäftsideen im Bereich der landwirtschaftlichen und gärtnerischen Produktion etablieren sich in den Großstädten. Grüne Orte der Begegnung und der Auseinandersetzung mit der Natur, der Ökologie und der Nahrungsmittelproduktion werden für immer mehr Menschen attraktiv. Während Anbauflächen für Nahrungsmittel mit der einsetzenden Industrialisierung fast gänzlich aus dem Stadtbild verschwanden, ist derzeit eine verstärkte Rückkehr der Produktion in die Städte zu verzeichnen: Neben traditionellen Formen, z. B. den rund 73.000 Schrebergärten in der Stadt Berlin, sind in den letzten Jahren mehr als 100 Gemeinschaftsgärten sowie Initiativen wie das „Himmelbeet“, der „Prinzessinnengarten“, oder der „Allmende Kontor“ auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof entstanden. Die Gründe für den Erfolg liegen insbesondere in der steigenden Nachfrage der Verbraucher nach Transparenz und Nähe zur Lebensmittelproduktion

 Um herauszufinden, welche Präferenzen die Bevölkerung mit der Nutzung städtischer Flächen und die verschiedenen Typen und Produkte urbaner Landwirtschaft verbindet, haben Forscherinnen und Forscher des ZALF im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt „Nachhaltiges Landmanagement – Wissenschaftliches Begleitvorhaben Innovative Systemlösungen“ Einwohner Berlins zu ihren Einstellungen, Ansprüchen und Erwartungen befragt.

Die Städter wollen mehr soziale und ökologische Anbauflächen in ihrer Nähe
Die Ergebnisse bestätigen die Trendaussagen der Forscher: Dachgärten und Dachfarmen erfahren mit rund 80 Prozent eine besonders hohe Zustimmung, ebenso wie Projekte auf städtischen Brachflächen oder am Stadtrand (60 Prozent). Wichtig ist den Befragten außerdem, dass weniger intensive Produktionssysteme, zum Einsatz kommen (50 Prozent). Gemeint sind hier Anbau in Erde (gegenüber erdlosen Verfahren) und ressourcenschonender bzw. biologischer Anbau. Über die Hälfte gab außerdem an, dass sie gartenbauliche Produkte aus urbaner Landwirtschaft kaufen würde, wohingegen Tierhaltung und tierische Produkte überwiegend abgelehnt wurden (70 Prozent).
Die höchste Akzeptanz besteht für Geschäftsmodelle, die kommerzielle Ziele mit einer ökologischen Ausrichtung und sozialen Zielen, z. B. Bildungsaspekten, kombinieren.

Dies ist weltweit die erste Studie, die das Thema der „urban agriculture businesses“ aus der Perspektive potentieller Konsumenten untersucht. Die Ergebnisse sind relevant für alle, die derartige Projekte in Zukunft planen, umsetzen, wissenschaftlich untersuchen oder politisch unterstützen wollen.

Text: Hendrik Schneider Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V. , Einleitungsbild und Foto unten: Pixabay

GemüseVielleicht auch interessant:
Schwindelfreie Radieschen - das Zero Acreage Farming und gartenlos ernten