Berlin - Umwelt- und Verbraucherverbände sowie über 5.000 Getränkehändler, Brauereien, Mineralbrunnen und Fruchtsaftabfüller antworten mit Informationskampagne auf Angriff der Einwegindustrie auf das weltweit größte Mehrwegsystem - Klare Kennzeichnungsregelung und Lenkungsabgabe sollen Trend zu Einweg stoppen

Mehrwegflaschen schonen natürliche Ressourcen, vermeiden Verpackungsmüll und tragen zum Klima- und Umweltschutz bei. Deutschland verfügt über das größte und vielfältigste Mehrwegsystem der Welt. Das sind die Kernbotschaften der heute in Berlin vorgestellten Kampagne "Mehrweg ist Klimaschutz". Gemeinsam mit mehr als 5.000 teilnehmenden Partnern informiert die aus der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und mehrwegorientierten Verbänden der Getränkewirtschaft bestehende "Mehrweg-Allianz" im bereits neunten Jahr Verbraucherinnen und Verbraucher über die umweltschonenden Eigenschaften von Mehrwegflaschen. Ziel der Initiative, die auch vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) unterstützt wird, ist es, Kundinnen und Kunden zu einem umweltbewussten Kauf von Mehrwegflaschen und zum Verzicht auf umweltschädliche Getränkedosen und Einweg-Plastikflaschen zu bewegen.

Das Getränke-Mehrwegsystem gerät durch den Vormarsch unökologischer Einwegflaschen immer weiter unter Druck - nicht zuletzt wegen des jüngsten Generalangriffs von Coca-Cola. Die Mehrweg-Allianz setzt sich seit vielen Jahren für den Erhalt des umweltfreundlichen Verpackungssystems ein. Das diesjährige Kampagnenmotiv zeigt ein Kindergesicht mit Weltkarte, um dafür zu sensibilisieren, dass auch nachfolgende Generationen eine lebenswerte Umwelt haben sollen.
Mehrwegflaschen sind umweltfreundlich."Die Umweltminister Gabriel, Röttgen, Altmaier und nun Barbara Hendricks haben jeweils eine schnelle Einweg-/Mehrweg-Kennzeichnungsregelung angekündigt, aber nicht geliefert. Bis heute warten wir auf einen verabschiedungsfähigen Verordnungsentwurf. Wie soll eine glaubwürdige Klimaschutzpolitik Fahrt aufnehmen, wenn nicht einmal eine klare Kennzeichnung durchgesetzt wird? Die aktuelle Kriegserklärung von Coca-Cola an das Mehrwegsystem macht deutlich, dass die Politik endlich handeln muss. Wir brauchen zusätzlich eine Lenkungsabgabe in Höhe von 20 Cent auf alle Einweggetränke so wie sie bereits seit 2004 zusätzlich zum Einwegpfand auf Alkopops erhoben wird", kritisiert der DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch und verweist auf die jährlichen Einsparmöglichkeiten von über einer Million Tonnen CO2 durch die Nutzung von Mehrweg im Vergleich zur ausschließlichen Nutzung von Einweg.

Günther Guder, der Geschäftsführende Vorstand des Bundesverbandes des Deutschen Getränkefachgroßhandels e.V. fordert die Politik auf, Konsumenten durch eine Kennzeichnungsvorschrift auf dem Produkt bei der klimafreundlichen Kaufentscheidung zu unterstützen, weil immer noch rund die Hälfte aller Verbraucher Mehrweg- nicht von Einwegverpackungen unterschieden kann. Er betont: "Regionale Wirtschaftskreisläufe verursachen weniger Transporte und damit weniger CO2-Emissionen. Der bewusste Griff zur Mehrwegflasche unterstützt nachhaltige kleine und mittelständige Betriebe und sichert bundesweit 170.000 Arbeitsplätze."

Der Geschäftsführer des Verbandes Private Brauereien Deutschland e.V., Roland Demleitner, erklärt: "Durch eine Lenkungsabgabe würden Getränke in unökologischen Einweg-Getränkeverpackungen teurer, und die Verbraucher würden auf das Angebot in Mehrweg ausweichen. Dadurch würden vor allem regionale Produkte und die sie anbietenden kleinen und mittleren Getränkehersteller gefördert, die Arbeits- und Ausbildungsplätze in der Region schaffen und erhalten."

Der frühere Umweltstaatssekretär und Geschäftsführer der Stiftung Initiative Mehrweg, Clemens Stroetmann, ergänzt: "Abfallvermeidung ist nach der Neufassung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes keine unverbindliche Wunschvorstellung, sondern Gesetzesbefehl. Seine Befolgung in der Getränkewirtschaft setzt funktionierende Mehrwegsysteme voraus. Mit bis zu 50 Wiederbefüllungen und einem anschließenden hochwertigen Recycling sind Glas-Mehrwegflaschen seit vielen Jahrzehnten ein Synonym für umweltfreundliche Verpackungslösungen." Stroetmann tritt dem Argument der Einweglobby entgegen, der Verbraucher selbst habe seine Wahl für Einweg schon getroffen. "Das ist ein Märchen", sagt Stroetmann. In den meisten Fällen habe der Verbraucher gar keine Wahl mehr zur Entscheidung, weil nur Einweg angeboten werde. Er fordert deshalb vor allem den Handel auf, diese Wahlfreiheit des Verbrauchers wiederherzustellen.
Dass immer noch einzelne Produktsegmente von der Einwegpfandpflicht ausgenommen sind, kritisiert Sepp Gail, Vorsitzender des Verbandes des Deutschen Getränke-Einzelhandels. "Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist noch immer nicht nachvollziehbar, ob sie Mehrweg oder Einweg kaufen. Warum muss für eine Plastikflasche mit Brause Pfand bezahlt werden und für dieselbe Flasche mit Saft nicht?" Ausnahmeregelungen wie die für Säfte und Nektare müssten gestrichen werden, da sie nicht mehr begründbar seien und Getränke in Einwegverpackungen besser stellen.
Quelle: Text: DUH/Bilder: Pixabay