Vom Aufstrich über Keks und Kosmetik bis zum Waschmittel - Palmöl steckt in unzähligen Produkten. Die Herkunft des beliebten Rohstoffes ist oft mehr als zweifelhaft. Wer Palmöl verarbeitet, sollte genau hinschauen, wo es herkommt.

Deutschland ist Spitzenreiter beim Palmölverbrauch
Palmöl ist der industrielle Traumrohstoff: Geschmacksneutral, hitzestabil, leicht zu verarbeiten und dazu noch günstig. Auch in immer mehr Palmölplantagen: Grün, aber nicht gut für die Umwelt. Foto: WWFBioprodukten steckt dieses Superöl. Deutschland gehört mit jährlich rund 1,3 Millionen Tonnen Palmöl weltweit zu den Spitzenverbrauchern. Der Bioanteil von Palmöl lag 2015 erst bei rund einem Prozent. Das meiste Palmöl stammt aus Indonesien, wo dafür rücksichtlos Regenwälder abgeholzt werden und Torfmoore buchstäblich aus der Landschaft verschwinden. Nicht nur, aber vor allem wegen Palmöl ging dort seit 1990 eine Waldfläche fast so groß wie Deutschland verloren. Aber auch die örtliche Bevölkerung leidet massiv unter unserem unersättlichen Hunger nach Palmöl. Die Journalistin Kathrin Hartmann beschreibt in ihrem Buch "aus kontrolliertem Raubbau", dass zumindest in Indonesien Landraub und Vertreibung der örtlichen Kleinbauernfamilien nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist.

RSPO - Ein nachhaltiges Siegel ohne bleibenden Wert
Umweltorganisationen fordern daher, das wertvolle Pflanzenfett wenigstens nicht als "Biosprit" in unseren Autos zu verheizen. Allein 42 Prozent des kostbaren Rohstoffes fließen in Deutschland nach der Studie "Auf der Ölspur – Berechnungen zu einer palmölfreien Welt" der Umweltorganisation WWF in Biokraftstoffe (weltweit 5 Prozent). Etwa 40 Prozent landen bei uns in Lebens- und Futtermitteln (weltweit 68 Prozent).

Verbrauch von Palmölen für einzelne Konsumgüter in Deutschland. Grafik: WWFVerbrauch von Palmölen für einzelne Konsumgüter in Deutschland. Grafik: WWFVerarbeitende Betriebe sollten genau darauf achten, wo ihre Rohstoffe herkommen. Nicht bewährt hat sich laut Greenpeace-Recherchen der Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO), ein internationales Bündnis von Palmölproduzenten, Industrieunternehmen und einigen Verbänden. Dieser Runde Tisch hat sich selbst verpflichtet, für einen nachhaltigen Palmölanbau zu sorgen und diesen zertifizieren zu lassen. "Zwölf Jahre nach Gründung des RSPO werden immer noch Regenwälder für Palmöl zerstört. Und das ist nur eins der ökologischen und sozialen Probleme, die weiterhin mit dem Palmölanbau in Verbindung stehen. Die Kriterien für das Siegel sind zu schwach. Und selbst gegen die schwachen Standards verstoßen RSPO-Mitglieder regelmäßig", beklagt Gesche Jürgens, Waldexpertin von Greenpeace.

Boykott nicht nachhaltig
Dennoch sprechen sich Greenpeace und WWF gegen einen totalen Boykott aus. Denn die Ölpalme ist mit durchschnittlich 3,3 Tonnen Öl pro Hektar im Vergleich zu allen anderen Ölfrüchten die ertragreichste und damit sparsamste, was den Flächenverbrauch betrifft. "Würde man den "Business as usual"-Pfaden folgen und Palmöl durch einen Mix aus Raps-, Sonnenblumen- und Sojaöl ersetzen, so würden wir in Deutschland das Fünffache an Fläche benötigen", ist in der aktuellen WWF-Studie zu lesen.

Besonders ein unkritischer Austausch von Palmöl durch Kokos- oder Sojaöle löse die Probleme nicht, sondern verlagere und verschlimmere sie nur. Wenn Unternehmen sich entscheiden, Palmöl durch anderes Pflanzenöl zu ersetzen, sind heimische Pflanzenöle die beste Wahl. Die brauchen zwar mehr Fläche, zerstören aber im Vergleich zum Anbau im Regenwald deutlich weniger Biodiversität und sind sozialverträglicher. Für ökologisch orientierte Verarbeiterinnen und Verarbeiter kann es daher eine Lösung sein, Palmöl durch regionale Öle zu ersetzen. Noch ist die Biobranche auf der Suche nach den besten Rohstoffen.

Biofaires Palmöl durch eigene Lieferantenketten
Beispielsweise hat der Naturkoststeller Rapunzel zahlreiche Produkte im Sortiment, in denen sich der Rohstoff nicht einfach ersetzen lässt. Allerdings Globale Ölerträge der Pflanzen im Vergleich Ölerträge in Tonnen pro Hektar (t/ha). Grafik: WWFkauft der bayrische Bioverarbeiter sein Pflanzenfett nicht anonym auf dem Weltmarkt, sondern nimmt die Beschaffung lieber selbst in die Hand. "Beim Einkauf von Palmöl spielen für uns ökologische, aber auch soziale Kriterien eine wesentliche Rolle. Daher beziehen wir nur fair gehandeltes Bio-Palmöl von unseren Hand in Hand-Partnern. Dieses Fairtradeprogramm haben wir bereits 1992 entwickelt", erklärt Eva Kiene von Rapunzel. Das Palmöl des Naturkostherstellers stammt nicht aus Indonesien, sondern aus Ghana und Südamerika. Die Palmen wachsen auf bereits lange landwirtschaftlich genutzten Flächen; es muss also kein Wald dafür weichen. "Wir kennen unsere Lieferanten und sind auch immer wieder vor Ort. Durch diesen direkten Kontakt können wir die lückenlose Transparenz bis zum Ursprung sicherstellen", betont Kommunikationswirtin Kiene.

Mehr faires Palmöl braucht das Land
Auch der international agierende Ökoanbauverband Naturland arbeitet derzeit an eigenen Zertifizierungen. "Da der Bedarf an Palmöl zunimmt und uns die bestehenden Zertifizierungen wie RSPO nicht weit genug gehen, führt Naturland zurzeit Gespräche mit Palmölproduzenten aus Ecuador. Ziel hierbei ist es, Palmölproduzenten "Naturland Fair" zu zertifizieren", erklärt Ralf Alsfeld von Naturland.

Fazit: Palmöl ist ein besonders sensibler Rohstoff. Verarbeitungsbetriebe sollten abwägen, wie viel und wofür sie unbedingt Palmöl benötigen, sowie ihre Lieferantinnen und Lieferanten kennen und prüfen. Höchste Transparenz und Rückverfolgbarkeit sind gefragt. Heimische Öle können punktuell eine Alternative sein. Einfache Lösungen gibt es in beim Palmöl leider nicht.

Text: ökolandbau.de, Textbilder: WWF , Einleitungs- und Beitragsbild und Foto unten: pixabay