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Mehrere hundert Münchner SchulanfängerInnen fieberten ihrem ersten Schultag am heutigen 13. September 2016 mit Spannung entgegen. Ihren morgendlichen Schulweg werden sie von heute an mit dem „Bus mit Füßen“ zurücklegen. Die Umweltorganisation Green City organisiert die Schulwegbegleitung im Auftrag des Kreisverwaltungsreferats der Landeshauptstadt München. Durch das Projekt kommen die Kinder sicher zur Schule, starten den Tag mit einem Plus an Bewegung und helfen vom ersten Schultag an das Klima zu schützen.

München - Die Grundidee des „Bus mit Füßen“ ist kinderleicht: Eine Gruppe von bis zu acht Erst- und Zweitklässlern geht, in Begleitung eines Erwachsenen, jeden Morgen zu Fuß zur Schule. Der „Bus mit Füßen“ funktioniert dabei wie ein echter Bus – nur ohne Motor. Entlang einer festgelegten Route, der „Buslinie“, steigen die Kinder an der verabredeten „Haltestelle“ ein. Der begleitende Elternteil sorgt dafür, dass der Bus mit Füßen sicher und pünktlich ans Ziel kommt.

Im Schuljahr 2016/ 2017 nehmen mit gut 47 Münchner Schulen noch einmal mehr als im Vorjahr an dem Projekt teil. Julia Hoffmann, Projektleiterin bei Green City e.V. erklärt die Vorteile: „Die vielen hundert ErstklässlerInnen, die ab sofort mit dem ‚Bus mit Füßen‘ zur Schule gehen, lernen, sich eigenständig im Straßenverkehr zu orientieren. Sie kommen nicht nur sicher und umweltschonend, sondern auch konzentriert in die Schule – dafür sorgen die morgendliche Bewegung und der Austausch untereinander. Das bestätigen uns Lehrer und Eltern regelmäßig.“

Einen schönen Nebeneffekt bietet der „Bus mit Füßen“ zudem: Die Eltern wechseln sich mit der Begleitung ab und haben so mehr Zeit am Morgen. Interessierte Eltern, die ihre Kinder für einen bestehenden „Bus mit Füßen“ anmelden möchten oder eigenständig eine Schulwegbegleitung organisieren wollen, finden unter www.greencity.de/bus-mit-fuessen weitere Informationen.
Quelle: Text und Biild: Greencity München/Einl.bild: Pixabay

FamilieLesen Sie dazu: Wie nachhaltig ist eigentlich Ihre Familie? 

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Das kostenlose Kulturfestival Breminale lädt von 13. bis 17. Juli zum Flanieren, Tanzen, Lauschen, Schnacken und Genießen bei guter Laune und verzauberten Deichwiesen ein. In vier großen Zirkuszelten und weiteren Manegen bespielen mehr als 100 Künstler den Osterdeich. Auf der Altmannshöhe und 800 Metern entlang der Weser bietet die Breminale nicht nur Musik, Tanz, Lesung und Theater, sondern auch eine Verköstigung, die keine Wünsche offen lässt.

BreminaleBremen - Auch in diesem Jahr gibt es wieder über 20 Bio-Essensstände, interessante Talkrunden, zum Beispiel zu neuen Trends wie die vegane Ernährung, ein buntes Kinderprogramm, das Bio-Deichbankett, das Informationsmobil und ein Infozelt mit vielfältigen Angebot zu den Themen gesunde Ernährung und biologische Landwirtschaft.

Eröffnung ist am Mittwoch, 13. Juli, um 19 Uhr im Rahmen einer Talkrunde über die ökologische und ökonomische Bedeutung des Projekts "BioStadt Bremen". "BioStadt Bremen – Nie mehr 2. Liga" lautet der etwas provokante Titel der Talkrunde in der Nähe des Weserstadions.

In der Hansestadt gibt es 23 zertifizierte Biobetriebe in Landwirtschaft und Gartenbau. Mit über 15 Prozent Öko-Anbaufläche liegt Bremen im bundesweiten Vergleich weit vorne. Deutschlandweit durchschnittlich werden 6,5 Prozent (BÖLW) der landwirtschaftlichen Nutzfläche ökologisch bewirtschaftet.

Genussvielfalt im BioErleben-Dorf
"Das kulinarische Angebot im BioErleben-Dorf wird auch in diesem Jahr vielfältig und attraktiv sein", so Eduard Hüsers, Organisator des BioErleben-Dorfes vom ProZept e.V. So können sich die Besucher des Ökodorfes zum Beispiel auf vegetarische Köstlichkeiten aus einer großen Gemüsepfanne und Flammkuchen freuen. Im BioErleben-Dorf ist für jeden Geschmack etwas dabei: Bewährte Angebote wie zum Beispiel das Bioeis vom Biohof Kaemena aus dem Blockland, frische Erdbeer-Mixgetränke von Renning Söffker aus Martfeld, die Gemüsepfanne von der "frischekiste" aus Syke, die Bremer Biobratwurst von Andreas Raab werden ergänzt durch Gemüsespezialitäten, Antipasti Angebote, Bioweine, biofairen Kaffee und leckeren Kuchen heimischer Biobäckereien. Ergänzt wird das kulinarische Bio-Angebot im BioErleben-Dorf wieder durch ein attraktives Kinderprogramm und mit einem Info-Point für interessierte Breminale-Besucherinnen und -Besucher. Dort beantworten kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom BioErleben-Team alle Fragen rund um das Thema "Bio" und bieten Kostproben namhafter Unternehmen der Naturkostbranche an. Das Bio-Infomobil für Verbraucherinnen und Verbraucher steht direkt am Weser- Fußweg, dem wichtigsten Zugangsweg zur Breminale.

Talkbühne mit spannenden Themen und Deichbankett
Auf der Talkbühne im BioErleben-Dorf diskutieren Prominente und Expertinnen und Expeten in vier Gesprächsrunden verschiedene Aspekte und Themen rund um das Projekt "BioStadt Bremen".

DeichbankettEin Highlight von BioErleben wird wieder das Bio-Deichbankett am Sonntag, 17. Juli, von 11 bis 18 Uhr, auf dem gesperrten Osterdeich sein. Diesmal wird das 3-Gänge-Menü vom Kukoon-Kollektiv aus der Neustadt geliefert. "Wir wollen wieder ein leckeres Menü mit besten Bio-Zutaten aus der Region anbieten, so Monika Baalmann, Organisatorin des Bio-Deichbanketts vom Verein SozialÖkologie. Über 200 Personen können auch in diesem Jahr an einer langen Tafel mit festlich gedeckten Tischen gemeinsam mit Freunden und Bekannten tafeln. Anmeldungen für das Bio-Bankett nimmt der Verein SozialÖkologie (Tel. 0421-3499077) und ProZept entgegen. Während der BioErleben Tage können Vorbestellungen am Informationsmobil aufgegeben werden. Das komplette Bio-Dorf hat an diesem Sonntag ab 11 Uhr geöffnet.
Quelle: Text: PM Breminale/Bilder: Sternkultur UG

Übrigens: Neben dem Breminale Programmheft gibt es die Breminale-App, sie dient als praktischer Programmführer, mit dem die Besucher sich ihren eigenen, individuellen Timetable zusammenstellen können.

Die Öffnungszeiten bzw. Programmzeiten sind:

Mittwoch, 13.07. 18.00 Uhr bis 00.00 Uhr
Donnerstag, 14.07. 10.00 Uhr bis 00.00 Uhr
Freitag, 15.07. 10.00 Uhr bis 01.00 Uhr
Samstag, 16.07. 10.00 Uhr bis 01.00 Uhr
Sonntag, 17.07. 10.00 Uhr bis 00.00 Uhr

Eindrücke von 2015 im Video:

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Sonnenblumen auf dem Sonnenacker

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Es dauert nicht mehr lange und landauf landab wird wieder in die Gummistiefel geschlüpft und kräftig in die Hände gespuckt. Bewaffnet mit einem Eimer voller Setzlinge und allerlei Gartengerät versuchen viele Bürger, dem Boden allerlei Grünzeug zu entlocken. Die Zeiten, in denen nur dem Bauer oder dem Gärtner der „grünen Daumen“ attestiert wurde, sind vorbei.
Der Trend, von selbst gezüchtetem Gemüse oder auch Blumen, ist ungebrochen und muss als Baustein eines neuen Lebensgefühls, nämlich „nachhaltig leben“,  verstanden werden.

Jede Parzelle wir mit einem Namensschild versehen. Schnecken haben keine Zutritt. Diese ignorien manchmal das VerbotJede Parzelle wir mit einem Namensschild versehen. Schnecken haben keinen Zutritt. Diese ignorieren manchmal das VerbotMitte April, wenn es vom Wetter passt, wird es spannend. Dann bekommt jeder Gartenfreund einen 100 Meter langer Bifang (altdt. Ackerbeet, Anm. d. Red.) oder Kartoffeldamm zugewiesen. „Das Einschlagen der Hölzer, auf dem die jeweiligen Namen stehen, ist fast schon ein wenig feierlich“, erzählt Adriane Schua. Sie ist erste Vorsitzende und Pressesprecherin der Solidargemeinschaft Oberland e.V. Rund um die Landeshauptstadt München gibt es das Netzwerk UNSER LAND von zehn Gemeinschaften und fast alle bieten auf sogenannten „Sonnenäckern“ Parzellen zum Verpachten an. Schua und ihr Team besuchen im Vorfeld die Landwirte und stellen ihr Projekt vor. „Inzwischen ist es so, dass die Bauern auf uns zukommen. Kommt es zu einer Zusammenarbeit, verpachten die Bauern Ackerfläche an uns und wir verpachten an Interessenten weiter.“

Erfolgsmodell "essbare Stadt"
Anders in vielen deutschen Städten. Dort stellt die Stadtverwaltung öffentliche Flächen kostenlos zur Verfügung. Unter der Anleitung von Gärtnern und Stadtplanern bauen Bürger Gemüse an. Die Idee der „essbaren Stadt“ hat ihren Ursprung in Andernach. Die Stadt am Rhein hat 2010 wahre Begeisterungsstürme im In- und Ausland erfahren. Inzwischen tragen die „grüne“ Bezeichnung Städte wie Mainz, Heidelberg, Regensburg, Wiener-Neustadt, Linz, Graz, Luzern und im Norden Englands, Todmorden.
Das Konzept, dass jeder Einwohner pflanzen und auch ernten darf, fast schon „ernten muss“, hat funktioniert und neben der sinnvollen Begrünung des urbanen Raums noch zwei weitere Punkte erfüllt: einerseits die Verbesserung des sozialen Miteinanders innerhalb der Stadtgrenzen, andererseits wurde der Nachhaltigkeitsgedanke auf eindrucksvolle Weise belebt.

Wohnraum wird in den Städten immer knapper und kostspieliger. Ein eigener Garten ist für viele Menschen nicht mehr erschwinglich. Eine freie, erdige Fläche, in der man sein eigenes Gemüse anbauen kann, ist deshalb sehr willkommen.

Ernte des eigenen SalatesErnte des eigenen SalatesAus eben diesem Grund nutzen auch viele Menschen um den „Speckgürtel München“ gerne das Angebot von UNSER LAND. Adriane Schua: „Wohnraum wird immer teurer. Bei uns zahlen die Leute 50 Euro von Mitte April bis Herbst.“ Als Hobbygärtner würden sich junge Leute, die noch keine Kinder haben, Senioren, und natürlich Familien betätigen. Bevor jedoch die neuen „Sonnenäckerer“ loslegen können, müssen sie mit dem Verein eine Nutzungsvereinbarung unterschreiben. Darin ist unter anderem geregelt, dass die Bewirtschaftung der Äcker nach den Grundsätzen der ordnungsgemäßen Landwirtschaft ausgeführt werden muss. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Fläche (sowohl der Bifang als auch der Weg dazu) von Unkraut (Disteln, Ampfer etc.) durch Hacken frei gehalten wird. Die Verwendung von mineralischen Düngern und chemischen Pflanzenschutzmitteln ist untersagt.

Reichliche ErnteReichlich Ernte sorgt für große FreudeSind die Punkte alle geklärt, dann steht der Ernte von Blumen, Kürbis, Brokkoli, Erbsen, Artischocken und vielem mehr nichts mehr im Wege. Pflanzenprofi Schua weiß, dass die Anpflanzung von Tomaten nicht so leicht ist. Die würden lieber eine warme Hauswand bevorzugen. Ein guter Pflanztipp für alle Ackerbesitzer: „Kartoffeln und Zwiebeln, da hat man das ganze Jahr etwas davon.“

Selbst pflanzen - ein Bewusstseinsprojekt
In diesem Jahr feiert die Solidargemeinschaft ein kleines Jubiläum: Seit zehn Jahren bietet sie Äcker zur Selbstbepflanzung an. „Die Entwicklung geht in eine schöne Richtung“, sagt die erste Vorsitzende stolz. „Trotzdem erstaunt mich immer wieder, dass viele Leute unser Projekt überhaupt nicht kennen. Wir müssen viel Aufklärungsarbeit betreiben.“
Eine Arbeit, die sich sicherlich lohnt. Gerade bei Kindern sei es immer wieder toll mit anzusehen, wie diese reagieren, wenn sie fasziniert erkennen, dass aus einem Samen, der in die Erde gesteckt wird, etwas Grünes wächst. Schua: „Es ist auch ein Bewusstseinsprojekt. Viele merken, dass Erdbeeren nicht das ganze Jahr wachsen.“ Auch die Einstellung zum Wetter ändere sich: „Während andere Menschen jammern, wenn aus den Wolken Tropfen fallen, freuen sich unsere Pächter über Regen.“

Florian Simon Eiler

Mehr Infos über Sonnenäcker gibt es hier.
Fotos: Solidargemeinschaft Unser Land e.V.  Beitragsbild und Bild unten pixabay

Vielleicht auchguerilla Spaten interessant: Ernten dringend erlaubt. Wie in der Stadt Andernach Bürger ihr Gemüse selbst anbauen
Schwindelfreie Radieschen - das Zero Acreage Farming

Eine Hand auf der Wiese

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München - In der Essbaren Stadt von Green City e.V. steht die Erntezeit bevor. Münchner BürgerInnen, die in den vergangenen Monaten eine Patenschaft für eines der 120 Beete im Rosengarten übernommen haben, ernten nun Gemüse, Kräuter und Beeren. Aufgrund der ungebrochenen Nachfrage fordert die Umweltorganisation, das erfolgreiche Konzept der Essbaren Stadt auf weitere Grünanlagen und -flächen in München zu übertragen.

Essbare StadtAllerlei SetzlingeNur Bio hat eine Chance
Zucchini und Tomaten sind schon reif, die Kürbisse benötigen jedoch noch einige sonnige Sommertage. In der Essbaren Stadt ernten die BeetpatInnen im August die Früchte ihrer Arbeit. Seit 2014 betreut die Umweltorganisation Green City e.V. das Projekt im Münchner Rosengarten und steuert die Vergabe von zwei Quadratmeter großen Parzellen.
Projektleiterin Irene Nitsch unterstützt gemeinsam mit dem ehrenamtlichen Beirat der Essbaren Stadt die Bürger/Innen vom Frühjahr bis Herbst beim Vorziehen der Pflanzen, Anlegen der Beete und der Aussaat der Gründüngung. Die Fläche stellt die Stadt München kostenfrei zur Verfügung.

Die Essbare Stadt setzt ausschließlich auf Bio-Anbau. Statt Hybridsetzlinge werden nur samenfeste Sorten gepflanzt. Auch Mineraldünger und Pestizide sind tabu. Wer sich an diese drei Grundregeln hält, kann in der essbaren Stadt nach eigenen Wünschen anbauen und ernten.

essbare StadtJede Beetparzelle ist beschriftetDie essbare Stadt
Das Konzept der Essbaren Stadt stammt ursprünglich aus der englischen Stadt Todmorden und wurde seitdem in Städten wie Kassel und Andernach in unterschiedlichen Formen übernommen.
Gemein haben die Essbaren Städte das Bekenntnis der Kommunen, alle Möglichkeiten der Lebensmittelerzeugung in der Stadt zu nutzen, die Selbstversorgung der Bewohner/Innen zu fördern und einen Beitrag zur Umweltbildung zu leisten.
In München ist die Essbare Stadt bisher in Form eines Gemeinschaftsgartens im öffentlichen Rosengarten angelegt. Im Fokus steht das Miteinander der BeetpatInnen.

Durch die geteilte Lust am Gärtnern kommen die MünchnerInnen schnell ins Gespräch und tauschen Pflanztipps aus. Die Tatsache, dass es in der Essbaren Stadt keine Zäune zwischen einzelnen Parzellen gibt, baut weitere Hürden ab. Gemeinsam gestalten die BeetpatInnen ihre eigene Stadt, lernen den Anbau lokaler und saisonaler Lebensmittel kennen und verfolgen das Wachstum ihrer Setzlinge aus nächster Nähe.

essbare StadtSonnenblumen wollen hoch hinausErfolg für die Beetpatenschaften
Dieses Konzept geht auf. Die Nachfrage nach Beetparzellen ist so groß, dass für die Saison 2017 fast alle Beetpatenschaften vergeben sind. Neuinteressierte können sich auf der Warteliste der Umweltorganisation eintragen lassen.

Aufgrund dieses Booms fordert Silvia Gonzalez, Leiterin Stadtgestaltung bei Green City e.V. eine stadtweite Ausweitung des Konzepts: „In dicht bebauten und stark versiegelten Städten wie München sehnen sich viele BürgerInnen, Gemüse für den Eigenbedarf selbst anbauen zu können.
Die Essbare Stadt ermöglicht umweltschonende Freizeitangebote im Wohngebiet und fördert die Selbstversorgung der MünchnerInnen. Wir wünschen uns, dass dieses Konzept zukünftig in weiteren öffentlichen Grünanlagen der Landeshauptstadt München angewendet wird.“

Quelle: Text und Bilder: Green City/Einl.bild: Pixabay

 

Sonnenacker
Gartenlos ernten ist auch hier bei UNSER LAND möglich, lesen Sie mehr dazu!

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Wirtschaftswachstum ist die gängige Maßeinheit für jede erfolgreiche Industrienation. Das beständige Streben nach mehr Wachstum bestimmt hierzulande unser Arbeitsleben. Mehr Umsatz, mehr Kunden, mehr Produkte. Effizienter, schneller, kostensparender. Nur so, so wird uns zumindest vorgegaukelt, können wir unseren Wohlstand erhalten und vielleicht sogar noch mehr „besitzen“. Jahrzehntelang wurde im Schatten dieser Formel „in die Hände gespuckt“. Doch immer häufiger wird dieses Gebaren hinterfragt: Ist das Streben nach kontinuierlichem Wachstum in einer begrenzten Welt, die unter Vermüllung und Ausbeutung ächzt, überhaupt noch legitim? Antworten suchen nicht nur große Akteure auf der Weltbühne, sondern auch Menschen, die einfach nur bewusster leben wollen. Konkretes Beispiel: Die Veranstaltung „Anders wachsen – Alternativen für das Oberland“ in der Kreisstadt Miesbach, südlich von München.

anders wachsenAndere Wirtschaftsmodelle funktionieren
Sie zeigt konkret, dass das Thema bereits Menschen intensiv zum Handeln angeregt hat. Sie sind beispielsweise in Solidargemeinschaften, in neuen Wirtschaftsmodellen und Repair – Cafés engagiert. Der Andrang um die Stände im Waitzingerkeller ist groß und zahlreiche Messebesucher sind fasziniert davon, dass man Arbeitskraft auch tauschen kann: „Biete Computerhilfe gegen Blumengießen“, so der Slogan von Tauschzeit Holzkirchen. Eine „Win-win-Situation“. Einfach und effektiv.

Dass es bereits andere Wirtschaftssysteme gibt als unser jetziges, davon berichtet Nina Treu in einem der vielen Vorträge. Sie ist Mitbegründerin des Konzeptwerks Neue Ökonomie und war Programmkoordinatorin der 4. Internationalen Degrowth-Konferenz*, 2014 in Leipzig. „Die Idee einer anderen Wirtschaftsform ist keine Utopie, sie funktioniert schon.“ Der richtige Weg dafür laufe unter anderem über Umverteilung, Energieeffizenz, Suffizienz und einer regionalen Förderung. Als Negativbeispiel erwähnt die studierte Politikwissenschaftlerin die EU und ihre hoch subventionierte Fischereiflotte: „Sie fischen vor der Afrikanischen Küste mit ihren hochmodernen Schiffen alles leer und der Fischer vor Ort kann nichts mehr fangen.“ Auch ein Grund dafür, dass immer mehr Menschen ihr Zuhause verlassen und nach Europa aufbrechen würden.

Upcycling Kunst setzt visuelle Zeichen

Upgrade_Kaffeekapsel zu unzähligen Sternen verarbeitetUpgrade_Kaffeekapsel zu unzähligen Sternen verarbeitet Titel: "Sonnenenergie" Bild unten rechts: "Zerreißprobe" Teppich, der in die Schneefräse kamEntspannung von dieser Wirtschaftstheorie und ihren praktischen Ansätzen bietet für die Messebesucher eine gleichzeitig stattfindende Upcycling-Ausstellung.
Die Künstlerin Tutti Gogolin aus Bayrischzell hat aus benutzten Kaffeekapseln Blumen gestaltet und sie auf einer Bildfläche angebracht. Nicht Recycling, sondern Upcycling, also den Dingen mehr Wert geben, ist das Credo der Kunstobjekte. „Comedia dell arte“ lautet der Titel von Klaus Gogolins Werk. Der Ehemann von Tutti hat ein Stück Metall bunt bemalt und einen Teppich, „der in die Schneefräse kam“, in ein Bild eingearbeitet.
„Dinge, die wir nicht mehr sehen“, umschreibt Lisa Mayerhofer ihr Material. Getreidesamen, Heftklammern und alte Holzplanken, die die Künstlerin in den Bergen findet, werden in Collagen oder Plastiken „verwandelt“. Ebenfalls ein „Sammler und Künstler“ ist Jürgen Thamm. Er findet in den Weissach-Auen Müll und Naturmaterialien, wie zum Beispiel Wurzeln oder gewaschenes Holz. Aus diesen Werkstoffen entstehen Plastiken wie „die Liebenden“ oder „der Gekreuzigte“.

Kunstwerke wie die Diskussion unter den anwesenden Experten zeigen unisono, dass dasTeppich der in die Schneefräse kam jetzige System auf Profit und reines Wachstum ausgerichtet ist. Die Folge: der Mensch und die Natur werden ausgebeutet. Die Beschleunigung und die globale Ungerechtigkeit nehmen ständig zu.

Jedes Kind weiß, dass man nicht endloses wachsen kann. Was ist, wenn der Punkt erreicht ist, an dem kein „schneller, weiter, höher“ mehr funktioniert? Die Veranstaltung zeigt: Während große Konzerne unsere Politiker und deren Entscheidungen in Richtung Profitmaximierung diktieren, finden Bürger nachhaltige Antworten.

Unter dem Begriff “Degrowth” (Anm. d. Red. „Postwachstum”, „Wachstumswende” oder “Entwachstum”)

Florian Simon Eiler

Einleitungs- und Beitragsbild   pixabay, sonstige Bilder   ichtragenatur.de

Zum selben Thema: Gartenlos ernten,  Das Schrauben - Cafe: Bürger haben den Wegwerfwahn immer mehr satt und „In einer endlichen Welt kann man nicht unendlich wachsen“

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Ganz Österreich benutzt den Euro. Ganz Österreich? Nein, ein kleines Dorf in Vorarlberg leistet erbitterten Widerstand gegen die Währung der europäischen Gemeinschaft und hat ihr eigenes Geld erfunden. Der Ort heißt Langenegg, hat 1.100 Einwohner und liegt etwa zehn Kilometer westlich vom Bodensee.
2010 beschlossen die Gemeindevertreter im Rathaus einstimmig ein aufsehenerregendes Projekt. Eine teilweise finanzielle Unabhängigkeit mit einer eigenen Währung. Wenig später stapelten sich die ersten Bögen mit dem Langenegger Papiergeld in der ortsansässigen Raiffeisenbank.
Immer mehr Gemeinden machen ihre eigene WährungIn Langenegg gibt es "Talente"-Scheine
Talente nennt man die Rebellen-Währung
Die „Talente“-Scheine, so heißt die „Rebellen-Währung“, bedruckt mit Motiven aus dem Dorf, wechseln seitdem rege den Geldbeutel der Einheimischen. Cola und Chips beim Lebensmittelladen – bezahlt wird mit „Talenten“. In der Käserei, im Café, beim Schreiner, in der Kfz-Werkstatt, überall ist das bunte, finanzkräftige Papier gerne gesehen. Selbst für Strähnenmachen beim Friseur bezahlt der Langenegger mit „seinem“ Geld.
 
Im Geldinstitut werden monatlich jeweils 25 bis 300 Euro von Kundenkonten in das Regionalgeld umgetauscht. Auf über 10.000 Euro ist die monatliche Umtauschsumme inzwischen angewachsen. „Die Leute sollen nachdenken, wo sie ihre Euros hinrollen lassen", so Bürgermeister Georg Moosbrugger in einem Interview mit der Taz. Es gehe bei den „Talenten“ vor allem um Bewusstseinsarbeit. Übrigens, alle Währungstauscher erhalten bei jedem Einkauf einen fünfprozentigen Rabatt, den die Gemeinde aus ihrem Steuersäckel finanziert. Langenegg hat sich still und heimlich zur nachhaltigen Region mit Vorbildfunktion entwickelt. Die Kaufkraft wird im Ort gebündelt. Beispiel: Bevor Hausfrau M. ins Lebensmittelgeschäft geht, holt sie sich ihre Talent-Scheine am Bank-Schalter. Am Ende des Abends bringt der Lebensmittelhändler die Tageseinnahmen auf die Bank. Ein Geben und Nehmen. Hausfrau M., das Geschäft und die Bank. Klingt ganz einfach. Ist es auch.
 
Regionalität wird gefördert
Ganze Busladungen mit Politikern kommen in die Gemeinde und wollen lernen. Entscheidend ist das Wollen jedes einzelnen Bürgers ohne parteipolitische Interessen. In Langenegg gibt es keinen Fraktionszwang. Jeder profitiert hier vom Anderen. Im Gemeindesupermarkt "Adeg" arbeiten neun Leute, davon drei Azubis. Die Leute kaufen im Ort und fahren nicht weiter in benachbarte Gemeinden. Die Bank hat drei Mitarbeiter. Nach Schätzungen des Bürgermeisters hat der regionale Wirtschaftskreislauf in den vergangenen Jahren 150 Jobs geschaffen.
Nachhaltigkeit ist den Gemeindeverantwortlichen wichtig. Sie machen öffentliche Verkehrsmittel mit Rabatten attraktiver. Natürlich lassen jetzt mehr Bürger ihr Auto zu Hause stehen. Ergebnis: Weniger Verkehr innerorts.
Bei Architekturentscheidungen fließen nicht nur die ästhetischen Gesichtspunkte in eine Bewertung ein sondern auch eine energiesparende Passivbauweise sowie die Verwendung von Rohstoffen, allen voran Holz, aus der Umgebung.
Dass man sich in Vorarlberg inzwischen „Talente“ dazuverdient, ist normal. Eine Stunde Babysitten oder Rasenmähen sind 100 Talente, was etwa 8,70 Euro entspricht und auch in entsprechende Waren und Dienstleistungen getauscht werden kann.
130 Betriebe und 600 Familien machen inzwischen mit. Nutzen die Regio-Währung. Tendenz weiter steigend. Auch aus dem Umland wollen viele das neue Geld.
Langenegg ist mutig vorausgegangen.
 

Bilder: pixabay,   big merci

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Kaffeekapselwerbung kann tatsächlich gefährlich sein. Vielleicht bringt auch das kleine Filmchen Mr. Georg Clooney ein wenig zum Nachdenken. Einerseits engagiert sich der Hollywood-Start für Umweltschutz und unseren Planeten Erde. Andererseits ist er nach wie vor gerne bereit für einen Kaffeekapselgiganten als Werbefigur zur Verfügung zu stehen.

 

 

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