NACH OBEN

  

Marktplatz mittelgroße Stadt

Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv

Waldkirch im Breisgau und Leutkirch im Allgäu als Modellgemeinden: Ein neues, an der Universität Freiburg koordiniertes Verbundprojekt will am Beispiel der baden-württembergischen Kreisstädte in den kommenden drei Jahren Möglichkeiten für die Integration von Ernährungssystemen in die nachhaltige kommunale Entwicklung erforschen und anstoßen. Dafür erhalten die Partner eine Förderung von circa 1,1 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. An dem Vorhaben beteiligen sich an der Universität Freiburg die Professur für Environmental Governance von Heiner Schanz, die Professur für Sustainability Governance von Michael Pregernig und die Professur für Forst- und Umweltpolitik von Daniela Kleinschmit.

Gemüse auf dem Wochenmarkt   Foto: Thomas KunzGemüse auf dem Wochenmarkt Foto: Thomas Kunz1,1 Millionen Euro für ein neues Projekt, das die Koordination von Ernährungssystemen in deutschen Städten erforschen will
Nachhaltigkeit spielt eine zentrale Rolle in den Leitbildern vieler deutscher Städte und Gemeinden. Konkrete Bemühungen konzentrieren sich bislang hauptsächlich auf Energie und Verkehr. Schätzungen zufolge verursacht die Ernährung jedoch etwa ein Drittel des ökologischen Fußabdrucks – mehr als die beiden anderen Bereiche zusammen. Für kleinere Städte, die in Deutschland die Lebensrealität von etwa 70 Prozent der Bevölkerung prägen, ist die Einbindung des Ernährungssystems in die Stadtentwicklung ein weitgehend unerschlossenes Thema.
Die Forscherinnen und Forscher wollen deshalb zunächst eine Bestandsaufnahme der kommunalen Ernährungssysteme und Lebensmittelflüsse in den beiden Modellstädten vornehmen. Anhand von Maßnahmen, die die Gemeinden unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger initiieren, sollen die Wirkungen von Ernährungssystem-Strategien verglichen und Lernprozesse zwischen Waldkirch und Leutkirch angestoßen werden. Beispiele hierfür, wie sie in anderen Kontexten erfolgreich angewendet wurden, können saisonale „Genuss-Festivals“, Patenschaften von Schulen mit lokalen Produzenten und Verarbeitern oder die Einrichtung kommunaler Ernährungsräte sein.

Nahrungsversorgung in Durschnittsstädten mit dem Raster der Nachhaltigkeit durchleuchten
„Ernährung ist ein Teil unseres alltäglichen Lebens. Gleichzeitig weist sie vielfältige Beziehungen zu anderen Themen auf, etwa Quartiersentwicklung, Gesundheit, Tourismus, Umwelt und Verkehr. Entsprechend groß scheint das kommunalpolitische Potenzial“, sagt Schanz, der das Projekt koordiniert. Die Umsetzung sei jedoch komplex, und die Frage, ob mit einer Maßnahme tatsächlich ein Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit geleistet werde, sei oft unsicher: Woher bezieht eine Stadt ihre Nahrungsmittel? Sind lokal produzierte Produkte automatisch nachhaltiger? Stehen die Ziele der ganzjährigen Versorgungssicherheit einerseits und der Nachhaltigkeit in global vernetzten Produktionsketten andererseits in Konkurrenz zueinander, oder können sie gleichzeitig erreicht werden? Diese und weitere Fragen möchte das Projekt in und mit den beiden Gemeinden ansprechen. „Die Vielfalt an interessierten Akteurinnen und Akteuren wird in den Kommunen zwangsläufig zu Abwägungsprozessen und letztendlich auch Kompromissen führen“, sagt Pregernig.

Ziel der Beteiligten ist es deshalb, die Eingebundenheit der lokalen Ernährungssysteme in die größeren Zusammenhänge der Lebensmittelmärkte zu analysieren und  so die möglichen Ansatzpunkte für kommunalpolitisches Handeln zu identifizieren.
Neben den beiden Städten beteiligen sich die Universität Kassel, die Zeppelin Universität Friedrichshafen, das Forschungsinstitut für Biologischen Landbau in Frick/Schweiz und das Forschungs- und Beratungsnetzwerk „NAHhaft – zukunftsfähige Ernährungsstrategien in Städten“ in Berlin an dem Vorhaben.

Text: Rudolf-Werner Dreier Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau , Bilder:pixabay

Andernach - essbare StadtVielleicht auch interessant: Ernten dringend erlaubt. Wie in der Stadt Andernach Bürger ihr Gemüse selbst anbauen


Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv

Wie wird der Ausbau erneuerbarer Energien zum Gewinn für Bürger und Gemeinde? „Die Beantwortung dieser Frage liegt bei den Kommunen, sagt Dr. Till Ansmann vom Berliner  inter 3 Institut. „Bisher fehlten geeignete Instrumente, um beim Bau von Anlagen verschiedene Umsetzungsvarianten in Bezug auf ihren Beitrag zum Gemeinwohl vergleichen zu können. Dies leistet das Wohlstandsradar.“ Gemeinden können damit mögliche Wohlstandseffekte verschiedener Investoren- und Betreibermodelle bei EE-Projekten vergleichen und so die Energiewende bürgernah und mit Mehrwert für die Region vorantreiben. Das jetzt veröffentlichte Online-Tutorial zeigt Schritt für Schritt, wie das Wohlstandsradar angewendet wird.         

Bild zu: Wohlstandseffekte von EE-Projekten bewerten: Online-Tutorial Wohlstandsradar gestartetBild zu: Wohlstandseffekte von EE-Projekten bewerten: Online-Tutorial Wohlstandsradar gestartet

Praktische Unterstützung für Gemeinden bei der Energiewende
Wohlstandsradar und Online-Tutorial wurden vom inter 3 Institut für Ressourcenmanagement im Projekt "W³–Regionale Energieflächenpolitik" entwickelt. Gesamtziel des Projekts war es, Kommunen dabei zu unterstützen, die Energiewende bürgernah voranzutreiben und die Ansiedlung von EE-Anlagen transparenter verhandeln und gemeinwohlorientiert steuern zu können.

E-Learning unterstützt Wissenstransfer in die kommunale Praxis
Das interaktive Tutorial wurde von inter 3 im Rahmen des Wissenstransfers der Projektergebnisse erarbeitet und mit dem E-Learning-Dienstleister lern.link umgesetzt. Es führt am Beispiel einer geplanten Photovoltaik-Freiflächenanlage in der fiktiven Gemeinde Mittelfels in rund 15 Minuten durch die praktische Anwendung des Wohlstandsradars. Ergänzt wird die Lernumgebung durch ein Workbook und ein Quiz. Interessierte Nutzer können zu jedem Schritt die benötigten Arbeitsunterlagen herunterladen.

Die didaktische Aufbereitung unterstützt Anwender darin, das nötige Methoden- und Prozesswissen Schritt für Schritt kennen und nutzen zu lernen. Damit wird das Bewertungsverfahren auch für Gemeinden einsetzbar, die keine zusätzlichen Beratungsleistungen einkaufen können. „In komplexen Anwendungsfällen empfehlen wir einer Gemeinde aber doch, sich durch einen mit dem Verfahren vertrauten erfahrenen Moderator bzw. eine Moderatorin begleiten zu lassen“, hebt Dr. Till Ansmann hervor. „Ohnehin ist eine neutrale Prozessbegleitung immer gut, um verschiedene Interessengruppen an einen Tisch und in einen gemeinsamen Dialog zu bringen.“

Die Energiewende umwelt- und gesellschaftsverträglich gestalten
Im W³-Projekt wurden vier Instrumente für eine regionale Energieflächenpolitik entwickelt und erprobt, mit deren Hilfe Kommunen die Energiewende vor Ort umwelt- und gesellschaftsverträglich gestalten können:
(1) Das Energieflächenrating hilft geeignete Flächen für EE-Projekte zu identifizieren. (2) Die GIS-gestützte Energieinformation setzt das Rating in einem automatisierten Berechnungsmodell um. (3) Das Wohlstandsradar zeigt die je nach Art der Umsetzung möglichen Wohlstandseffekte von EE-Projekten für die Region auf. (4) Mit dem Akzeptanz-Radar können Kommunen frühzeitig Einwände erkennen und so Konflikte vermeiden.

Zum Team gehörten unter der Leitung des inter 3 Instituts die Landkreise Tirschenreuth und Wittenberg sowie die Stadt Uebigau-Wahrenbrück als Praxispartner und die TU Berlin,  BTU  Cottbus-Senftenberg sowie Hochschule Anhalt als Forschungspartner. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Programm "Umwelt- und gesellschaftsverträgliche Transformation des Energiesystems" mit knapp 1,3 Millionen Euro gefördert.

inter 3 Institut für Ressourcenmanagement
Das Berliner Forschungs- und Beratungsinstitut inter 3 kombiniert seine wissenschaftlich-fachlichen Kompetenzen in den Bereichen Ressourcen- und Innovationsmanagement, Infrastruktur- und Regionalentwicklung sowie Energie- und Wasserwirtschaft mit speziellen Erfahrungen in der wissenschaftsnahen Öffentlichkeitsarbeit und Ergebniskommunikation. Als Servicepartner unterstützt das Institut Ministerien, Forschungseinrichtungen und Unternehmen darin, Forschungsergebnisse zielgruppengerecht und anwendungsorientiert aufzubereiten und verständlich, informativ und überzeugend zu kommunizieren.    

Weitere Informationen:
http://www.w3-energieflächenpolitik.de/pdf/W3_Online-Tutorial-Wohlstandsradar.ht... Hier können Sie das Online-Tutorial zum Wohlstandsradar starten. http://www.inter3.de/de/leistungen/wissensintegration.html Hier finden Sie nähere Informationen zum Thema Wissenstransfer. http://www.inter3.de/de/projekte/details/article/wachstum-widerstand-wohlstand-a... Hier finden Sie weitere Informationen zum Projekt W³ -Regionale Energieflächenpolitik

Text: Helke Wendt-Schwarzburg Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit inter 3 Institut für Ressourcenmanagement, Einleitungs- und Beitragsbild pixabay     

WindkraftVielleicht auch interessant: 2015 war Rekordjahr für Erneuerbare Energien, Stromerzeugung und Stromexport

Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv

Paderborn - 24.000 Einrichtungen der Caritas gibt es in Deutschland, viele davon betreiben Großküchen. Doch obwohl sich der größte private Arbeitgeber der Republik der „Bewahrung der Schöpfung“ verpflichtet fühlt, spielen Umwelt- und Nachhaltigkeitsfragen im Großküchen-Alltag eine eher untergeordnete Rolle. Das soll sich nun ändern – und auch über die Caritas hinaus Signalwirkung entfalten. Mit über 310.000 Euro und ihrem Expertenwissen unterstützt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) ein Projekt der IN VIA Akademie/Meinwerk-Institut gGmbH (Paderborn), mit dem die Belegschaft von Großküchen für eine ressourcenschonende, energieeffiziente und an der Region orientierte Praxis qualifiziert werden soll. „Hier entsteht ein regionaler Kreislauf, der nachhaltigen Konsum fördert. Erzeuger und Großverbraucher entwickeln gemeinsam und innovativ nachhaltige Beschaffungs- und Absatzwege und etablieren sie dauerhaft“, lobte heute DBU-Kuratoriumsmitglied Cajus Caesar, MdB, den Ansatz.

Großküchen "wichtige Zielgruppe für die Energiewende"
Gemeinsam für gesundes EssenSchnupperten gemeinsam Küchenluft (v.r.): DBU-Kurator Cajus Caesar, MdB, Hauswirtschaftsleiterin Hildegard Lessmann und DBU-Generalsekretär Dr. Heinrich Bottermann. © Alexander Trobisch Gemeinsam mit DBU-Generalsekretär Dr. Heinrich Bottermann und DBU-Abteilungsleiter Dr. Ulrich Witte ließ sich Caesar heute Einzelheiten des Projektes vor Ort erläutern. Dabei wies Dr. Birgit Marx, Geschäftsführerin der IN VIA Akademie, darauf hin, dass Großküchen in caritativen Einrichtungen bisher kaum ökologisch ausgerichtet seien. Marx: „Doch gerade sie sind ein wichtiger Konsumfaktor für eine Region und eine wichtige Zielgruppe für die Energiewende. Großküchen können durch Ökologisierung ihrer Beschaffung und des Konsums einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz leisten.“ Im ersten Schritt sehe das Projekt eine Ist-Analyse in fünf kooperierenden Modelleinrichtungenvor, die eine eigene Großküche mit je bis zu 120 Gästen und täglich bis zu vier Mahlzeiten führten. Dabei gehe es sowohl um die hauswirtschaftliche Konzeption mit Beschaffung, Warenkorb, Verarbeitung, Lagerhaltung, Kostenkalkulation u. a. wie um den aktuellen Geräteeinsatz insbesondere unter Energieeffizienzgesichtspunkten.


Regionale Lebensmittelkreisläufe stärken
Aufbauend auf der Analyse sollen Qualifizierungsmaßnahmen für Fach- und Führungskräfte sowie Multiplikatoren in Hauswirtschaft und Haustechnikentwickelt und in sechs Langzeitkursen an der IN VIA Akademie umgesetzt werden. Das Durchführen der Bedarfsanalysen und die Konzeption der Weiterbildungen sollen fachlich von der Hochschule Fulda, Fachbereich Oecotrophologie begleitet werden. Die Teilnehmer sollen ein Projekt für die eigene Einrichtung entwickeln, mit Kollegen umsetzen, dokumentieren und so eine tatsächliche Verbesserung sowie einen hausinternen Veränderungsprozess in Gang setzen. Gegenstand der Qualifizierung für hauswirtschaftliche Kräfte seien Themen wie regional und saisonal orientierter Einkauf, Speisepläne zum Vermeiden von Lebensmittelabfällen, ökologisch orientierte Lagerhaltung und Abfallvermeidungsstrategien. In der Qualifizierung wie in den Umsetzungsprojekten werde angestrebt, regionale Lebensmittelkreisläufe zu stärken. Das Weiterbilden für Mitarbeiter der Haustechnik greife u. a. als Themen das Ermitteln aktueller Energiebedarfe in der Großküche, das Identifizieren von Energieeinsparpotenzialen, Kosten- und Rentabilitätsrechnung beim Austausch von Altküchengeräten sowie das Einführen neuer Energiekonzepte in der Großküche auf.

Modellküchen mit bundesweitem Vorbildcharakter
Neben den Qualifizierungsansätzen sollen berufsspezifische Ansätze etwa für Köche und Diätassistenten für den ökologischen Betrieb von Großküchen in 17 bestehende Fortbildungsmaßnahmen der IN VIA Akademie integriert werden. Zentraler Lernort für praktische hauswirtschaftliche Übungen und die Demonstration energieeffizienter Haustechnik soll die Lehrküche der IN VIA Akademie sein, die nach 25 Jahren so mit energieeffizienten Geräten modernisiert wird, dass sie bundesweiten Vorbildcharakter als Modellküche bekommt. Der Umbau der Lehrküche und ihre Funktion sollen in einem Lehrfilm dokumentiert werden. Auf der interaktiven Website des Projekts werden ab Juli die Projektschritte und die teilnehmenden Einrichtungen und Verbände präsentiert, so dass Interessierte bundesweit den Projektfortschritt verfolgen können.

"Personal nachhaltig qualifizieren und langfristig dem privaten Konsum nachhaltigen Stempel aufdrücken"
DBU-Generalsekretär Bottermann erinnerte in diesem Zusammenhang an das DBU-geförderte Projekt „Zukunft einkaufen“, mit dem die christlichen Kirchen als zweitgrößter Arbeitgeber Deutschlands mit ihren Gemeinden, Bildungshäusern, Verwaltungen, diakonischen und caritativen Einrichtungen für Energie, Büro, Großhaushalt, Transport und Verkehr sowie Gebäudetechnik Standards hätten setzen können – auch ökologische und soziale. Um die vielfach noch schlummernde Nachfragemacht für nachhaltige Produkte und Dienstleistungen zu wecken und die Beschaffung in Kirchen nachhaltiger zu machen, hatte die DBU das ökumenische Projekt gestartet, das jetzt auch als Impulsgeber für das neue Projekt diente. Bottermann: „Mit Projekten wie diesen wollen wir Personal nachhaltig qualifizieren und langfristig dem privaten Konsum einen nachhaltigen Stempel aufdrücken. Das IN VIA-Projekt baut auf bisherigen Erfahrungen und Ergebnissen auf und überträgt sie auf die professionelle Hauswirtschaft in Großhaushalten der Caritas. Deshalb leistet es einen wichtigen Beitrag zur Schöpfungsverantwortung durch bewussten Konsum und Verbrauch.“

Quelle: DBU

Mehr zum Thema Regionalität

Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv

Wer Wochenmärkte mag, sollte mal eine Food Assembly besuchen oder gleich selbst organisieren. Bei dieser neuen Vermarktungsform treffen sich Erzeugerinnen und Erzeuger mit ihrer Kundschaft in kleiner Runde. Neben frischen regionalen Bioprodukten gibt es Zeit für Fragen und Gespräche rund um den Ökolandbau.

Konzept Selfmade-Markt
Keine Zeit, zu weite Wege zum Wochenmarkt oder die gewünschte Kartoffelsorte nicht gefunden? Mit den Food Assemblies lösen sich solche Probleme in Luft auf. Dahinter steckt die Idee eines Netzwerks, das nachhaltige Einkaufs- und Esskultur fördern soll. "Assembly" meint im Deutschen "Versammlung" oder "Zusammenfügen". Und tatsächlich bringt das soziale Start-up seit 2014 Verbraucherinnen und Verbraucher mit Erzeugerinnen und Erzeugern hierzulande auf eine innovative Art zusammen.

Buntes Markttreiben bei der Food Assembly Schönherrfabrik Chemnitz zum Erntedankfest 2015. Foto: Food AssemblyBuntes Markttreiben bei der Food Assembly Schönherrfabrik Chemnitz zum Erntedankfest 2015. Foto: Food AssemblyGastgeberin oder Gastgeber gesucht
Nach folgendem Grundprinzip funktioniert die Direktvermarktung: Wie bei einer Tupperparty stellt eine Gastgeberin oder ein Gastgeber zunächst einen Raum zur Verfügung, in dem der Wochenmarkt stattfindet. Dies kann ein Privatraum sein – oder aber ein öffentlicher Raum wie die Assembly in der Volkshochschule von Frankfurt (Oder).
Anschließend sucht der Gastgebende interessierte Lebensmittelbetriebe aus der Region. Diese müssen sich von der in Berlin ansässigen Food Assembly-Zentrale überprüfen lassen. Sind die Produktionsprozesse transparent? Werden die Kriterien zu Nachhaltigkeit und artgerechter Haltung eingehalten? Nun kann der Gastgebende seine Assembly online registrieren und die Öffnungszeiten seines Marktes festlegen.

Online bestellen, selbst abholen
Jetzt sind die Käuferinnen und Käufer am Zuge. Per Internet bestellen und bezahlen sie die Ware, die sie dann am Abholtag in der Assembly mitnehmen. Extrakosten entstehen für sie nicht. Freilich betreibt das Netzwerk die Assemblies nicht gratis: 16,7 Prozent des Umsatzes geben die Bäuerinnen und Bauern sowie Lebensmittel-Handwerkerinnen und -Handwerker weiter. Die eine Hälfte davon behalten die ehrenamtlichen Gastgebenden, die andere geht an das Unternehmen Food Assembly.

Mittlerweile verkaufen schon rund 200 Anbieterinnen und Anbieter ihre Ware in Food Assemblies. Darunter befinden sich viele kleinere Verarbeiterinnen oder Verarbeiter, die sich durch Nischenprodukte vom Lebensmittelmarkt abheben. Dazu gehören die Berliner Tofutussis, die Schafscheune Hofkäserei Vietschow aus Mecklenburg und die erzgebirgische Firma Pfefferminzl mit Kräutertees.

Grüne Produktpalette
"Aktuell haben wir circa 30 Prozent aktive biologisch zertifizierte Betriebe in unserem Netzwerk, weitere befinden sich in der Umstellung. Die Zertifizierungen reichen  vom EU-Biosiegel über Demeter, Bioland, Gäa e.V. und Ökologischer Landbau e.V.", berichtet Marla Kayacik vom deutschen Team. Das Produzenten-Netzwerk soll weiter ausgebaut werden, auch durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit bei Bioverbänden. Mit Food Assembly erhalten jedoch auch kleine handwerkliche Betriebe, die aus verschiedenen Gründen keine Zertifizierung haben und trotzdem verantwortungs- und umweltbewusst arbeiten, eine Plattform. Über die Homepage und den direkten Kontakt in der jeweiligen Assembly wird Transparenz geschaffen. Wer ausschließlich Bioprodukte sucht, dem empfiehlt Kayacik, den Produktkatalog einer Food Assembly nach "Bio" zu filtern. Dann werden nur Produkte von zertifizierten Betrieben aufgeführt.

Assembly-Gastgeberin Yvonne (vorne links) erklärt einer Kundin in Kleinmachnow, wie die Wochenmärkte funktionieren. Foto: Food AssemblyAssembly-Gastgeberin Yvonne (vorne links) erklärt einer Kundin in Kleinmachnow, wie die Wochenmärkte funktionieren. Foto: Food AssemblyVom Konzept überzeugt
Die im Netzwerk registrierten Landwirtinnen und Landwirte betreiben in der Regel eigene Hofläden und erschließen sich mit der Lieferung an eine Assembly neue Kundenkreise. So auch die Geschwister Brinkmann vom Biohof Brinkmann im westfälischen Lage. Seit einem Jahr beliefern sie die Gütersloher Assembly Meierhof Kattenstroth mit ihren Produkten. Im Juni ging eine weitere Gütersloher Assembly an den Start, bei der die Brinkmanns ebenfalls verkaufen.

Der Assembly-Gedanke gefällt den Brinkmanns so gut, dass sie in ihrem Heimatort im April eine eigene Food Assembly eröffnet haben. "Dieser Vermarktungsansatz ist von der Sache her genial. Er funktioniert jedoch nur gut, wenn das Netzwerk zum Selbstläufer wird. Dann ist die Auswahl der Waren groß und attraktiv für die Kundschaft – und für uns Produzenten stimmt der Umsatz", meint Assembly-Gastgeberin Wiebke Brinkmann-Roitsch.

Saisonal und regional
Die Vorteile dieser jungen Form der Direktvermarktung liegen auf der Hand: Das Angebot ist regional, saisonal, gentechnikfrei und ökologisch, das Konzept nachhaltig. Spanische Paprika und Zucchinis im Winter – all das gibt es nicht zu kaufen. Da nur das geliefert wird, was bestellt ist, bleibt keine Ware übrig. Somit können keine Lebensmittel verderben, Transportkosten bleiben überschaubar. Und die Anbieterinnen und Anbieter sind bei der Verteilung der Lebensmittel persönlich anwesend. "Produktversprechungen auf der Packung sind für mich bloß Werbung. Ich will einem Erzeuger in die Augen sehen können", sagt Anke Kleymann, die aus diesem Grund Stammkundin in der Food Assembly von Brinkmann-Roitsch ist.

Boom in Frankreich
In unserem französischen Nachbarland ist es seit jeher angesagt, beim Hof um die Ecke einzukaufen. Daher ist Frankreich das Geburtsland des Netzwerks, das dort 2010 unter dem Namen "La Ruche Qui Dit Oui!" gegründet wurde. Übersetzt bedeutet dies "Der Bienenstock sagt ja". Durch eine innovative Internet-Plattform, kombiniert mit einem wöchentlichen Bauernmarkt, sollten bäuerliche Familienbetriebe mit Endverbraucherinnen und Endverbrauchern in direkten Kontakt kommen. Ein Jahr darauf ging im Toulouse die weltweit erste Asssembly an den Start.

Dies sollte der Beginn einer regelrechten Massenbewegung werden – bis jetzt sind in Frankreich über 700 Ruches (Assemblies) aktiv. Damit sind die Franzosen mit großem Abstand Spitzenreiter. Zum Vergleich: Großbritannien und Belgien liegen mit je rund 60 aktiven sowie im Aufbau befindlichen Assemblies gleichauf, gefolgt von Italien (49).

Ballungszentrum Berlin
"Bundesweit sind derzeit in fünf Bundesländern insgesamt 41 Food Assemblies in Betrieb oder in Planung. Die Zahl der in Deutschland registrierten Kunden beläuft sich auf rund 16.000. Mit 18 aktiven Assembly-Märkten hat sich der Berliner Großraum zu einem regelrechten Ballungszentrum entwickelt", erläutert Marla Kayacik.

Sie lädt alle Interessierte dazu ein, dem Netzwerk beizutreten und in einer benachbarten Food Assembly einzukaufen. Oder aber einen solchen Selfmade-Markt selbst zu eröffnen und möglichst zertifizierte Biobetriebe ins Boot zu holen. Auf der Homepage von Food Assembly Deutschland findet sich eine ausführliche Anleitung zur Teilnahme. Hier kann man auch per E-Mail die Gastgeberinnen und Gastgeber kontaktieren und ihnen Fragen stellen.

Weblinks Food Assembly Deutschland

Text: ökolandbau.de,  Einleitungs- und Beitragsbild und unten links: pixabay

Andernach_essbare StadtVielleicht auch interessant: Ernten dringend erlaubt. Wie in der Stadt Andernach Bürger ihr Gemüse selbst anbauen

 

 

Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv

Bunte, nicht zu intensiv genutzte Wiesen sehen nicht nur attraktiv aus, sie bieten auch einen wertvollen Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere. Doch vielerorts sind sie selten geworden. Um wieder mehr solcher Gras- und Kräuterwelten zu schaffen, muss man die entsprechenden Pflanzen normalerweise einsäen. Doch mit welchen Samen? Viele Wissenschaftler und Naturschützer plädieren für Saatgut aus der gleichen Region. UFZ (Helmholtz- Zentrum für Umweltforschung) -Ökologen haben nun zusammen mit Kollegen der Universitäten Tübingen und Münster sowie der TU München untersucht, wie sinnvoll dieser Ansatz ist. Demnach hat das Regio-Saatgut tatsächlich Vorteile, zeigen zwei Studien in der Fachzeitschrift „Journal of Applied Ecology“.         

WieseFoto: Das Wiesen-Labkraut (Galium album) ist an die regionalen Bedingungen angepasst.Wenn Förster irgendwo neue Bäume ansiedeln wollen, nehmen sie dafür schon lange kein x-beliebiges Saatgut mehr. Schließlich hat sich bei ihnen schon lange die Erkenntnis durchgesetzt, dass Rotbuche nicht gleich Rotbuche und Stieleiche nicht gleich Stieleiche ist. Vielmehr gibt es innerhalb jeder Art verschiedene Varianten, die sich an die ganz speziellen Herausforderungen ihres Lebensraums angepasst haben. Manche vertragen vielleicht mehr Trockenheit als ihre Artgenossen, andere sind Spezialisten für harsche Winter oder karge Böden.
Daher ist im Forstbereich genau festgelegt, aus welcher Region das für eine bestimmte Pflanzung verwendete Saatgut stammen muss. „Für Wiesenpflanzen gab es solche Regelungen bisher noch nicht“, sagt Biologe Dr. Walter Durka vom UFZ. Wer in seinem Garten eine Blumenwiese anlegen oder im Rahmen eines Naturschutzprojektes einen neuen Grünland-Lebensraum schaffen will, findet im Handel die verschiedensten Saatgutmischungen. Diese stammen zwar durchaus von heimischen Pflanzenarten, können aber theoretisch überall auf der Welt gewonnen worden sein. Allein in den Jahren 2007 und 2008 hat Deutschland 13.000 Tonnen Gras- und 280 Tonnen Kräuter-Samen importiert. „Im Ausland lässt sich dieses Saatgut zwar oft günstiger gewinnen als in Deutschland“, erklärt er, “dafür sind die Pflanzen dann aber vielleicht an die Bedingungen in Neuseeland angepasst und nicht an die in Bayern oder Brandenburg“.

Saatgut aus der Region

WieseRegionFoto: Die Acker-Witwenblume (Knautia arvensis) zeigt ausgeprägte genetische Unterschiede zwischen Nord- und SüdpopulationenViele Ökologen plädieren deshalb dafür, dass auch die Samen von Wiesenpflanzen aus der näheren Umgebung stammen sollten. Wissenschaftler der Universität Hannover haben dazu auch schon ein Konzept entwickelt, das anhand verschiedener geografischer Kriterien Deutschland in 22 Herkunftsgebiete einteilt, die zu acht sogenannten Produktionsräumen zusammengefasst sind. Etliche Firmen bieten bereits Saatgut an, bei dem sich genau zurückverfolgen lässt, aus welchem dieser Gebiete es stammt. Die Nachfrage danach dürfte künftig weiter steigen. Denn ab 2020 darf in Deutschland für die Rekultivierung von Wiesen in der freien Landschaft nur noch solches Regio-Saatgut verwendet werden.

Ist ein Regio-Saatgut-Konzept sinnvoll? Um diese Frage fundiert beantworten zu können, fehlte es bis vor kurzem schlicht an Daten. Niemand wusste, wie groß die genetischen Unterschiede zwischen Artgenossen aus unterschiedlichen Herkunftsgebieten tatsächlich sind. Geschweige denn, ob solche Abweichungen einen Einfluss auf das Gedeihen der Pflanzen haben. Genau diese Wissenslücke aber wollten die UFZ-Forscher schließen. Gemeinsam mit Kollegen der TU München sowie der Universitäten in Tübingen und Münster haben sie dazu sieben häufige Wiesenpflanzen untersucht, die aus acht der 22 deutschen Herkunftsgebiete stammten. „Bei allen Arten haben wir genetische Unterschiede zwischen den Regionen gefunden“, resümiert Walter Durka. Wie groß diese sind, hängt allerdings von der Biologie der jeweiligen Pflanze ab. Gräser, die vom Wind bestäubt werden und sich nicht selbst befruchten können, tauschen ihre Erbinformationen zum Beispiel über relativ große Entfernungen aus. Daher haben die Forscher beim weit verbreiteten Glatthafer die geringsten genetischen Unterschiede zwischen den Regionen gefunden. Ein ganz anderes Bild bot sich dagegen bei der Kuckucks-Lichtnelke. Diese Art lässt ihren Pollen von Insekten verteilen – mitunter sogar zwischen Blüten der gleichen Pflanze. Zudem ist sie deutlich seltener als der Glatthafer. „Das alles führt zu einem geringen Genfluss und damit zu großen genetischen Unterschieden zwischen den Populationen“, erklärt Walter Durka.
Bei einigen Arten wie etwa dem Weißen Labkraut haben die Forscher zudem einen deutlichen Trend festgestellt: Je größer die Entfernung und je unterschiedlicher das Klima zwischen zwei Herkunftsregionen ist, umso deutlicher fallen auch die genetischen Unterschiede aus. Laut Durka ein deutliches Indiz dafür, dass diese Pflanzen regional angepasst sind. Sie sollten also in der Nähe ihrer ursprünglichen Heimat besser zurechtkommen als in anderen Teilen Deutschlands.
Ob das tatsächlich so ist, hat das Team im Rahmen einer zweiten Studie getestet. Dazu haben die Forscher die sieben Arten aus den acht Regionen in Freising, Tübingen, Halle und Münster ausgesät und beobachtet, wie gut sie jeweils wuchsen und wann sie blühten. „Bei vielen der untersuchten Wiesenarten war es tatsächlich so, dass Pflanzen regionaler Herkunft besser wuchsen“, berichten Dr. Anna Bucharova und Prof. Oliver Bossdorf von der Universität Tübingen. So lieferten die regionalen Gewächse im Schnitt sieben Prozent mehr Biomasse und zehn Prozent mehr Blütenstände als Artgenossen, die aus anderen Gegenden stammten.


WieseReaktionen bei Wandel des Klimas

Auch die ungewöhnlich warmen Temperaturen im Versuchs-Sommer 2013 änderten daran nichts. Kritiker des Regio-Saatgut-Konzepts argumentieren oft, dass es in Zeiten des Klimawandels nicht zukunftstauglich sei: Angesichts der steigenden Temperaturen könnten sich Pflanzen aus dem Süden womöglich besser behaupten als solche aus der Region, so das Argument. Dafür aber haben die Forscher keine Indizien gefunden: Obwohl die Temperaturen in den Versuchsgärten im Jahr 2013 um 1,5 bis zwei Grad über dem langjährigen Mittel lagen, hatten die Gewächse aus wärmeren Regionen keinen Vorteil. Möglicherweise liegt das daran, dass nicht nur die Temperatur über besseres oder schlechteres Wachstum entscheidet.
Auch die Tageslänge oder die Zusammensetzung der Mikroben-Gemeinschaften am jeweiligen Standort können zum Beispiel eine wichtige Rolle spielen. Und wenn die regionalen Gewächse an solche Faktoren besser angepasst sind, können sie ihren Vorteil offenbar auch in warmen Jahren ausspielen.
Doch nicht nur die Pflanze selbst profitiert von ihrer regionalen Anpassung. Die Forscher haben nämlich festgestellt, dass die einzelnen Varianten auch zu unterschiedlichen Zeiten blühen. Bei Wiesen-Flockenblumen verschiedener Herkunft lagen bis zu 17 Tage zwischen den Blühterminen, beim Weißen Labkraut sogar bis zu 23 Tage. „Das ist aus ökologischer Sicht sehr viel“, sagt Anna Bucharova. Schließlich haben sich zahlreiche Tierarten von den Bestäubern über die Bewohner der Blütenköpfe bis zu den Samenfressern auf den regional üblichen Zeitplan eingerichtet. „Es kann durchaus sein, dass diese ganze Lebensgemeinschaft in Schwierigkeiten kommt, wenn gebietsfremde Pflanzen zur falschen Zeit blühen“, befürchtet die Wissenschaftlerin. Noch ein Grund mehr, bei Saatgut auf Regionalität zu setzen. 

Text: Susanne Huf Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung -  UFZ,  Bilder nicht beschriftet: pixabay

 

BewirtschaftungssystemeVielleicht auch interessant: Uralte Bewirtschaftungsmethoden als Klimaretter

Die essbare Stadt Andernach

Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv

Die Stadt Andernach liegt am Rhein. Und sie ist alt.1988 die Feier zum 2000jährigen Bestehen. Schon die Römer wussten hier guten Handel zu betreiben. 2010 erregt das Städtchen in der Eifel erneut Aufsehen. Das Fernsehen, Zeitungen und vor allem die Netzgemeinde kührten sie zur „essbaren Stadt“. Was war passiert?

BohnenIn der "essbaren" Stadt Andernach kann jeder Bürger Bohnen auf den öffentlichen Plätzen erntenErika Kändler steht vor der alten Schlossmauer und schneidet mit einem Messer einem Kohlrabi ab. Frisch und in Bio-Qualität. Sie erntet in einem Garten, der ihr nicht gehört, sondern der Stadt. Die Stadtoberen legen großen Wert darauf, dass sich ihre Bürger darin bedienen.  "Das finde ich sagenhaft!", sagt die Frau in  einem Interview in der ARD und strahlt dabei. "Wo früher nur Efeu wuchs, da wächst jetzt was Essbares. Und vor allen Dingen: Wir dürfen das ernten. Da steht kein Schild Betreten der Rasenflächeverboten, sondern hier ist Pflücken erlaubt!"

Alles begann vor vier Jahren
Die Gartenbauingenieurin Heike Boomgaarden und Lutz Kosack, Geo-Ökologe der Stadt Andernach wagten sich an die öffentlichen Grünanlagen. Die entsprachen damals dem gängigen Anspruch der Stadtverwaltung. Gepflegte Rasenflächen und die klassischen Wechselbeete, die mehrmals im Jahr neu bepflanzt wurden. Damaliges Ziel der beiden. Zu einem: Die City aufzuwerten. Mit Biodiversität, also dem Anbau von möglichst vielen Obst- und Gemüsesorten. Je älter, umso besser. Essen, an dem die  landwirtschaftliche Kommerzialisierung keine Verwendung mehr hat. Und zum anderen, mehr natürliche Ästhetik im urbanen Leben durch eine unkomplizierte Annäherung an die Landwirtschaft. Der Stadtbewohner sollte das Heranwachsende haptisch erfassen können und auch riechen.
„Für die Bepflanzung unserer ersten Anlagen haben wir fünf Langzeitarbeitslose gewinnen können.
Sie wurden von einem professionellen Gärtner angelernt.“ , erklärt Lutz Kosack. Es sei einige Überzeugungsarbeit gewesen, den Stadtrat von dem Vorhaben zu überzeugen.
Spätsommer 2010 war es dann soweit. Die erste Ernte. Vor dem Schloss bedienten sich Andernacher Bürger an den über 100 Tomatensorten. Ein voller Erfolg. Ressentiments gegenüber dem städtischen Gärtnern waren verflogen.
Kosack: „ Ein Argument war damals, dass fünf besoffene Jugendliche alles niedermähen könnten. Nichts ist passiert.“

GemüsebeetGemüsebeete liebevoll von der Andernacher Bevölkerung bepflanztZwölf Monate später pflücken die Städter unzählige Bohnensorten in ihre Körbe. Das darauffolgende Jahr war die Zwiebel Mittelpunkt der Erdarbeiten.
Das Stadtbild Andernachs hat sich bis heute ständig verändert. Auf dem verlassen Gelände einer alten Malzwerkfabrik, nahe am Rheinufer gedeiht eine Wildblumenwiese. Lutz Kosack und Heike Boomgaarden bringen die Kornblume und das Adonisröschen in den Lebensraum von 30000 Menschen. Graben Blumenbeete um. Statt der mehrfachen Bepflanzung im Jahr, säht man den Samen von heimischen Stauden wie Katzenminze und Taglilie. Diese Neugestaltung birgt riesiges Einsparpotential für die öffentliche Kasse. Ein Quadratmeter kostet mit der Staudenbegrünung 10 Euro. Eine herkömmliche, vierfache Wechselbepflanzung 70 Euro und mehr.
Das grüne Projekt der Rheinländer ist voll aufgegangen. Die essbare Stadt hat Vorbidfunktion. Der soziale Gesichtspunkt ist gewaltig. Lutz Kosack schwärmt von dem Zusammenhalt der Menschen. Wie sie letztendlich auch die Grünflächen beschützen. Von den fünf ein Euro-Jobbern bekommen jetzt zwei eine Festanstellung im Gartenbau. „Wir haben über 300 Anfragen von Städten aus dem In- und Ausland.“, erzählt der 50jährige. Aus der Schweiz, von Salzburg und Wien. Momentan Prominentester Interessent - München. Dort seien gleich mehrere Personen begierig, mehr zu erfahren.
Die nachhaltige Metropole ist noch lange nicht fertig. Klimawandel und die demografische Entwicklung schreiten voran. Der Geo-Ökologe will weiterhin konsequent bepflanzen. Damit erreicht man die nötige Kühlung der Wohnung und der Häuser. 
Erika Kändler hat für heute genug. Mehr kann sie nicht essen. Übermorgen wird sie wieder vorbeischauen und mit „grünem“ Tatendrang die Karotten ausbuddeln.
 
Fotos pixabay, big merci
urban gardeningVielleicht auch interessant: Glosse zum urban gardening: Von wegen Kuba - Krise  - Viel Spaß!

AKTUELLE NACHRICHTEN

Gesucht: Mogelpackung des Jahres

Samstag, 21. Januar 2017 05:15
Hamburg - Täglich ärgern sich viele Verbraucher, dass sie im Supermarkt durch versteckte Preiserhöhungen hinters Licht geführt werden. Fünf Produkte, mit denen Hersteller ihre Kunden im Jahr 2016 besonders getäuscht haben, sind nun für die Wah

Tipps für den Kauf von veganen Klamotten

Freitag, 20. Januar 2017 08:25
Ob Jacken aus Kork, Pyjamas aus Bambusfasern oder Brillen aus Holz – Immer mehr Modelabel steigen für ihre Kreationen auf pflanzliche Materialien um oder erweitern ihr Sortiment um Kleidungsstücke aus tierleidfreien Stoffen.Vegane Mode liegt im T

Greenshowroom & Ethical Fashion Show 2017: Bedeutung von Eco-Fashion erreicht neues Niveau

Donnerstag, 19. Januar 2017 15:32
Deutlicher Besucherzuwachs: Konventionelle Händler erkennen das Potenzial grüner ModeEin komplett ausgebuchter Postbahnhof, ein deutlicher Besucherzuwachs und etliche begeisternde Kollektionsneuheiten: Der Greenshowroom und die Ethical Fashion Show

 

 

de:terra-canis:shop:nassfutter:300x250
Anzeige

 

 

NEU in der MEDIATHEK

Lang Lang spielt gegen Elfenbeinhandel

Montag, 09. Januar 2017 06:24

Aktuell - schöne Nachricht. China will Elfenbeinhandel bis Ende 2017 komplett verbieten.

Lang Lang spielt gegen den Elfenbeinhandel.

 

 

Grüne Töne  - das neue Album von Neil Young „The Monsanto Years“- ein Album gegen den US- Konzern Monsanto

mehr Videos in unserer Mediathek:



 

ichtragenatur.de will für alle – Konsumenten wie Unternehmen – die Plattform sein, um sich zu sammeln und kennenzulernen, sich miteinander zu vernetzen und dann gemeinsam zu starten mit dem Ziel: mit unseren Ressourcen schonend umzugehen, für eine Umwelt, die allen Menschen das Leben erlaubt und – lebenswert macht.

 

 

REDAKTION

ichtragenatur - Das Magazin

Reitham 14
83627 Warngau
info@ichtragenatur.de
 

Feedback

Sie haben Fragen oder interessante Themen für die Redaktion?
Wir freuen uns über Ihre Nachricht.