Noch Ende 2015 musste man annehmen, dass die nachhaltige Politik der Hamburger Regierung um den Umweltsenator Jens Kerstan sich nach dem „Knockout“ des gescheitertenBürgerschaftsreferendums zur Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 nur schwer wieder berappeln könnte.

Doch weit gefehlt: Mitte Januar verkündet die Wirtschaftsbehörde der Hansestadt, den Einsatz des Pflanzenschutzmittels Glyphosat an öffentlichen Orten wie Straßen, Wegen und Friedhöfen einzustellen. Fast zeitgleich kommt eine Langzeitstudie des Umweltbundesamtes (UBA) zur Erkenntnis, dass das Pestizid im Urin bei 60 Prozent von Probanden nachgewiesen werden konnte. Seit Jahren, ja, man muss fast sagen auf der ganzen Welt, wird heftig darüber diskutiert, wie krebserregend das Pflanzenschutzmittel ist. Zur wundersamen Kritikbeseitigung hat der Hersteller, der US-Megakonzern Monsanto, der Erfinder des Entlaubungsmittels Agent Orange, seine Lobbyisten-Armada im Dauermodus.

Nun eine neue Nachricht: Die Publikation eines 150 Seiten starken „Leitfadens zur umweltverträglichen Beschaffung“ für die Stadt Hamburg. Er ist eine wirtschaftliche Bombe, die tausende Kilometer weit noch für Erschütterung sorgen wird. In Konzernzentralen werden einige vom Stuhl fallen und Politiker werden sich verwundert die Augen reiben.

Was steht in dem hochexplosiven Papier?
Die traditionelle Kaufmannsstadt an der Alster ordert pro Jahr für rund 250 Millionen Euro Waren, Güter und Leistungen. Der Einkauf soll künftig noch mehr nach ökologischen und nachhaltigen Gesichtspunkten erfolgen. Lebenszykluskosten, die Reparatur- und Recyclingfähigkeit, die Verpackung, die Klimabelastung und der Ressourcenverbrauch sollen zukünftig bei der Beschaffung von Waren eine entscheidende Rolle spielen. Außerdem enthält der neue Umweltleitfaden eine Negativliste mit Produkten, die die Verwaltung künftig nicht mehr kaufen und einsetzen darf. Dazu gehören beispielsweise: Kaffeemaschinen mit Alukapseln, Mineralwasser in Einwegflaschen, Einweggeschirr oder chlorhaltige Putzmittel.

Umweltsenator Jens Kerstan hat recht, wenn er erklärt: „Mit ihrer Einkaufsmacht von mehreren hundert Millionen Euro pro Jahr kann die Stadt mit dafür sorgen, dass umweltschädliche Produkte sich seltener verkaufen und nachhaltige Produkte am Markt noch mehr Akzeptanz bekommen.“

Der „grünen“ Republik bleibt nur eines zu tun: sich vor der mutigen Stadt an der Nordsee zu verneigen.

Florian Simon Eiler

Bilder: pixabay,   big merci

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