Die EU deckt ihren Landbedarf an land- und forstwirtschaftlichen Gütern zu einem großen Teil durch Produktion außerhalb ihres Territoriums. Dies erzeugt Druck auf die Ökosysteme in den exportierenden Ländern. Ein Forschungsteam am Institut für Soziale Ökologie berechnet diese Effekte und zeigt Handlungsbedarf auf.

„In den letzten Jahrzehnten ist der Anteil der importierten Agrargüter weiter gestiegen“, erklärt Thomas Kastner (Institut für Soziale Ökologie). Er forscht gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen daran, wie diese Effekte gemessen werden können und mit welchen Auswirkungen zu rechnen ist. 

Die ForscherInnen konnten aufzeigen, dass ungefähr jeder dritte Hektar Ackerland für EU-Konsum außerhalb der EU-Grenzen liegt. Im Gegensatz dazu wird nur einer von zehn Hektar des Ackerlands in der EU für Exporte genutzt. Während die Ackerflächen in der EU zurückgehen, stagniert der Bedarf insgesamt. 

Kastner erläutert, dass die Zahl der Länder, die die Europäische Union beliefern, steigt, wobei Europas Konsum vor allem wachsenden Druck auf Ökosysteme in Lateinamerika ausübt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Institut für Soziale Ökologie haben Indikatoren entwickelt, mit denen sich die Landnutzungseffekte des globalen sozialökonomischen Biomassestoffwechsels messen lassen. Einer dieser Indikatoren ist die so genannte eHANPP (embodied human appropriation of net primary production). „Anhand dieses Indikators sehen wir, dass sich der Druck, der durch den Konsum von land- und forstwirtschaftlichen Produkten innerhalb der EU auf Lateinamerika ausgeübt wird, innerhalb nur einer Dekade verdoppelt hat“, so Kastner. Gleichzeitig steige, so die ForscherInnen, die Auslagerung von Landnutzung auch EU-intern, dieser Effekt sei aber noch deutlich geringer als die interkontinentalen Effekte. 

Es reiche nicht, so das Fazit der ForscherInnen, nachhaltige Konzepte nur innerhalb von Staatsgrenzen zu denken, sondern der internationale Handel und dessen Effekte müssen ebenso beachtet werden. Die Europäische Union habe also als Konsumentin der Produkte, die in Übersee erzeugt werden, auch Mitverantwortung für das ökologische Gleichgewicht in den exportierenden Ländern. 
Quelle: Text: Dr. Romy Müller UNI Services, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt/Bilder: Pixabay

Ein Großteil der Forschungen zu dem Thema wird durch das EU-Projekt „VOLANTE - Visionen für nachhaltige Landnutzungsänderungen in Europa“ unterstützt. Dazu jüngst erschienen ist:

Kastner, T., Erb, K.-H. & Haberl, H. (2015). Global Human Appropriation of Net Primary Production for Biomass Consumption in the European Union, 1986–2007. Journal of Industrial Ecology, February 1, 2015, online first. doi:10.1111/jiec.12238

Kastner, T., Erb, K.-H. & Haberl, H. (2014). "Rapid growth in agricultural trade: effects on global area efficiency and the role of management." Environmental Research Letters 9.3: 034015.