Nina Treu: Wir trafen die Poitikwissenschaftlerin bei einem Salongespräch von Kulturvision e.V.

 

„In einer endlichen Welt kann man nicht unendlich wachsen“

Degrowth Nina Treu Nina Treu Foto: Konzeptwerk Neue Ökonomie e.V. Draxlham/Oberbayern - Wo führt uns das stetige Wachstum der Wirtschaft hin und haben wir das ständige Streben nach „immer Mehr“ überhaupt noch unter Kontrolle? Öl, Gas und seltene Erden gehen zur Neige. Sind sie verbraucht und die Natur zerstört, was kommt dann? Nina Treu sucht nach Antworten. Sie ist Mitbegründerin des Konzeptwerks Neue Ökonomie und war Team- und Programmkoordinatorin bei der 4. Internationalen Degrowth-Konferenz*, 2014 in Leipzig.

„Ich finde, wir sollten in Deutschland etwas bewegen. Ich glaube, dass es wichtig ist, Alternativen zum jetzigen System anzustoßen. Man muss Politik und Wirtschaft wieder begreifen“, so ihr Credo. Aktuell kümmert sich die studierte Politikwissenschaftlerin vor allem um Akquise und interne Koordination im Konzeptwerk Neue Ökonomie.
Treu gründete vor vier Jahren mit Frauen und Männern aus den unterschiedlichsten akademischen Bereichen den Verein. Ihr Anliegen: „Selbst etwas zu machen - etwas zu bewegen.“ Geprägt hat die gebürtige Schlierseerin ihre Reise mit 16 Jahren in die USA. „Man hatte da so eine Idealvorstellung.“ Schnell merkte sie, dass sich in dem großen Land vieles nur ums Besitzen dreht. Der Gegenentwurf mit 19, der Aufenthalt in Bolivien bei einem Hilfsprojekt mit Kindern. „Die Menschen sind dort optimistischer, obwohl sie in materieller Armut leben.“                    

DegrowthInhaltlich konzentriert sich Konzeptwerk Neue Ökonomie in besonderem Maße auf die Kritik am Konzept des Wirtschaftswachstums, das sowohl unsere Wirtschaft als auch unsere mentalen Infrastrukturen stark prägt. „Wir machen uns stark für eine Wirtschafts- und Gesellschaftsform, die sich am Wohlbefinden der Menschen orientiert und dies innerhalb der ökologischen Grenzen des Planeten ermöglicht.“ Es solle keinen Masterplan geben. Ein großer Gegenentwurf funktioniere nicht.

Gute Beispiele, bei den Menschen aktiv werden und gegen den Wachstumswahn aufbegehren: Repair-Cafes, Umsonstläden, Transition-Town-Bewegung, in der Stadtbürger ihre City mit Umwelt- und Nachhaltigkeitsinitiativen bereichern. Geradezu von einem Boom müsse man bei der solidarischen Landwirtschaft sprechen. Leute beteiligen sich finanziell an der Bewirtschaftung eines Hofes. Als Gegenleistung bekommen sie, was fix vor Ort produziert wird. Regionales und saisonales Gemüse. Zu dem anderen großen Trend, dem Sharing, dem Teilen von Gütern hat sie eine kritische Meinung: „Wenn einer versucht, mit einer Idee ganz viel Geld zu verdienen, kann es nicht gut sein.“

Unter dem Begriff “Degrowth” (Anm. d. Red. „Postwachstum”, „Wachstumswende” oder “Entwachstum”) findet dieses Jahr eine Sommerschule zum Thema Klimagerechtigkeit im August im Rheinland statt.

*Bei einer Degrowth – Veranstaltung treffen sich Wissenschaftler, Verbände, Non-Profit-Organisationen und versuchen, neue Strategien gegen das überbordende Wirtschaftswachstum zu entwerfen.

Florian Simon Eiler 

Fotos: Danke an pixabay