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Plastik wird angespült

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Mitte des Jahrhunderts könnte das Gewicht des Plastik das der Fische übersteigen
Mit dem Kinospot „Plastik-Peter“ im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2016*17 – Meere und Ozeane möchte das Bundesministerium für Bildung und Forschung Bewusstsein für die Plastikverschmutzung in den Weltmeeren schaffen. Mehrere Millionen Tonnen Plastikmüll landen dort jährlich und sind längst zu einer großen Gefahr für Pflanzen und Lebewesen geworden: Im Jahr 2050 könnte das Gewicht des Plastikmülls in den Ozeanen bereits das aller Meeresfische übersteigen.

Der Spot ist jetzt deutschlandweit in den Kinos zu sehen. „Frisch aus dem Meer“ preist „Plastik-Peter“ auf dem Fischmarkt seinen besonders langlebigen Fang an: Plastikmüll. Während Plastiktüten nur maximal 20 Jahre brauchen, bis sie zersetzt sind, überdauern handelsübliche PET-Flaschen ganze 450 Jahre in den Meeren.

 

Bundesregierung setzt sich für Lösungen ein
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung nimmt sich der systemischen Untersuchung des Plastikmülls an: von der Produktion, den Konsum, den Transport vom Land in die Flüsse bis zum Verbleib in unseren Weltmeeren. Mit der Förderrichtlinie „Plastik in der Umwelt“ fördert es Forschungs- und Entwicklungsvorhaben mit insgesamt 28 Millionen Euro. Im Wissenschaftsjahr Meere und Ozeane möchte das Bundesministerium außerdem – mit Projekten wie dem Film „Plastik-Peter“ – verstärkt die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren.

Der Müll, der im Spot zu sehen ist, wurde vor Beginn der Filmproduktion durch Naturschützer von Greenpeace und NABU am Elbstrand gesammelt. Der Film appelliert an die Zuschauerinnen und Zuschauer, den Gebrauch von Plastik im Alltag zu reduzieren und damit einen Teil zum Meeresschutz beizutragen.

Bürgerinnen und Bürger können sich umfassend informieren
Der Film „Plastik-Peter“ ist ab sofort im Kino und auf der Website des Wissenschaftsjahres unter http://www.wissenschaftsjahr.de/plastik zu sehen. Dort finden sich außerdem wichtige Hintergrundinformationen über die Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll sowie hilfreiche Tipps zum richtigen Umgang mit Plastikmüll im Alltag.

Logo MeereOzeaneWissenschaftsjahr 2016*17 – Meere und Ozeane
Die Meeresforschung ist Thema des Wissenschaftsjahres 2016*17. Zu 71 Prozent bedecken Ozeane und Meere unseren Planeten. Sie sind Klimamaschine, Nahrungsquelle, Wirtschaftsraum – und sie bieten für viele Pflanzen und Tiere Platz zum Leben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen die Ozeane seit Jahrhunderten; und doch sind sie noch immer geheimnisvoll und in weiten Teilen unerforscht. Im Wissenschaftsjahr 2016*17 – Meere und Ozeane geht es um die Ergründung der Gewässer, ihren Schutz und eine nachhaltige Nutzung. Die Wissenschaftsjahre sind eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit Wissenschaft im Dialog (WiD). Sie tragen als zentrales Instrument der Wissenschaftskommunikation Forschung in die Öffentlichkeit. Das Wissenschaftsjahr 2016*17 wird vom Konsortium Deutsche Meeresforschung (KDM) als fachlichem Partner begleitet.

Text: Christine Rutke Redaktionsbüro Wissenschaftsjahr 2016*17 - Meere und Ozeane Wissenschaftsjahr 2016*17 - Meere und Ozeane ,Bilder: pixabay

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Plastiktütenflut

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Plastiktüten und andere Produkte aus Kunststoff werden aus Ethylen hergestellt – genauer: aus Polyethylen. 140 Millionen Tonnen des kohlenstoffbasierten Chemierohstoffs werden jährlich weltweit produziert. Erdöl ist der Rohstoff dafür. Das Produktionsverfahren bei Temperaturen um 800°C ist energieintensiv und wenig nachhaltig. TU-Forscher wollen nun mit weiteren Partnern eine nachhaltige Alternative dazu entwickeln: die Produktion von Ethylen aus Sprudelwasser – also Kohlendioxid und Wasser – und regenerativem Strom.

PlastiktüteErdöl ist Rofstoff für PlastiktütenReinster Sauerstoff ist Nebenprodukte
Prof. Dr. Peter Strasser und sein Team von der TU Berlin, die sich mit der elektrochemischen Katalyse befassen, starten mit weiteren Partnern aus Hochschulen und Industrie das im Rahmen des BMBF-Programms „CO2Plus – Stoffliche Nutzung von CO2“ geförderte Verbundprojekt „eEthylen“. Eine neuartige, komplexe elektrochemische Technologie soll es ermöglichen, aus Kohlendioxid und Wasser Ethylen zu synthetisieren, dessen Nebenprodukt ausschließlich reinster Sauerstoff ist. So werden im Gegensatz zum herkömmlichen Verfahren keine umweltschädlichen Nebenprodukte freigesetzt. Die benötigte Energie wird elektrisch zugeführt und stammt aus erneuerbaren Quellen.

Eine große wissenschaftliche Herausforderung liegt im Design der Materialien für die Elektroden an beiden Enden der Elektrolysezelle. Die Nanostruktur des Materials muss das komplexe Netzwerk chemisch gekoppelter Einzelreaktionen des Gesamtprozesses so organisieren können, dass Kohlendioxid- und Wassermoleküle schnell, ohne Nebenprodukte und ohne großen Energieverlust zu Ethylen reagieren können.

Schnelle Umsetzung für die industrielle Anwendung
Die Erkenntnisse der Forschungen sollen dabei direkt in die industrielle Entwicklung einfließen und so helfen, technische Verfahren zu entwickeln und zu optimieren. Die Beteiligung von Großunternehmen ermöglicht eine schnelle Umsetzung in die industrielle Anwendung.  Als wissenschaftliche Partner sind außer der TU Berlin die Ruhr-Universität Bochum und das Helmholtz-Institut Erlangen-Nürnberg am Projekt beteiligt, als industrielle Koordinatoren die Unternehmen Evonik Resource Efficiency GmbH und Siemens AG. Das Gesamtfördervolumen des Verbunds beträgt 1,5 Millionen Euro. Knapp eine Viertelmillion Euro geht an die TU Berlin.

Text: Stefanie Terp Stabsstelle Presse, Öffentlichkeitsarbeit und Alumni Technische Universität Berlin,

Plastiktüten aus natürlichen StoffenMehr über die "grüne" Forschung gibt es hier.

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Neuer Greenpeace-Report fasst aktuellen Forschungsstand zur Belastung von Fisch, Krusten- und Schalentieren mit Plastikpartikeln zusammen

Hamburg – „Mikroplastik wirkt in der Umwelt wie ein Fremdkörper mit Giftfracht. Es enthält Schadstoffe, zum Beispiel Weichmacher und Flammschutzmittel. Gleichzeitig sammeln sich Schadstoffe aus der Umwelt an den Partikeln. Es droht die Gefahr, dass sich Mikroplastik in der Nahrungskette anreichert“, sagt Sandra Schöttner, Greenpeace-Meeresexpertin. Diese Annahme stützt der Report mit Ergebnissen aus den jüngsten Feld- und Laborstudien zur Aufnahme, Anreicherung und Auswirkungen von Mikroplastik und assoziierten Schadstoffen.

In der Nahrungskette haben Wissenschaftler Mikroplastik längst nachgewiesen: in kleinstem Zooplankton, aber auch in kommerziell genutzten Arten wie Thunfisch, Kabeljau, Makrele sowie Miesmuscheln und Nordseegarnelen. Dort können die winzigen Plastikpartikel samt Schadstoffen sowohl physisch als auch chemisch zum Problem werden. Sie rufen beispielsweise Entzündungsreaktionen im Darmtrakt hervor, beeinflussen die Nahrungsaufnahme oder das Fortpflanzungsverhalten der Tiere. „Bisher gibt es keine Erkenntnisse, inwieweit die Plastikpartikel auch ins Gewebe gelangen. Vorsicht ist jedoch bei Muscheln oder Garnelen geboten, die etwa vollständig verzehrt werden“, so Schöttner. 

Erster Schritt: Industriell gefertigtes Mikroplastik verbieten
„Die Forschung zu Mikroplastik steckt noch immer in den Kinderschuhen – erst recht, was die möglichen Folgen für Mensch und Umwelt angeht“, so die Greenpeace-Expertin. Die unabhängige Umweltschutzorganisation fordert die Politik auf, das Vorsorgeprinzip anzuwenden, um das Risiko für Mensch und Umwelt gering zu halten. „Als ersten, einfachen Schritt sollte Umweltministerin Hendricks dem Beispiel Großbritanniens folgen und Mikroplastik in Verbrauchsgütern verbieten, die täglich ins Abwasser gelangen – das betrifft insbesondere Kosmetik-, Wasch- und Reinigungsmittel.“ In Peelings, Shampoos und Scheuermilch dienen die Plastikkügelchen zum Beispiel als Schleif- oder Bindemittel. Die Industrie entzieht sich einem gesetzlichen Standard bisher durch individuelle Ausstiegspläne. Greenpeace hatte im Sommer die 30 größten Kosmetikhersteller weltweit auf Qualität und Stand ihrer freiwilligen Selbstverpflichtung befragt. Keine einzige erfüllte die Greenpeace-Kriterien.

Als Mikroplastik werden Plastikpartikel mit einem Durchmesser von weniger als fünf  Millimetern bezeichnet. Sie entstehen entweder durch den Zerfall größeren Mülls oder werden bereits in kleiner Größe industriell hergestellt. Sie können teils ungehindert die Klärwerke passieren. Jährlich gelangen bis zu 13 Millionen Tonnen Plastikmüll allein von Land in unsere Ozeane. Er wird biologisch nicht abgebaut, sondern zerfällt in immer kleinere Teilchen. Derzeit gibt keine verlässliche Angabe über die genaue Menge von Mikroplastik in den Ozeanen. Funde in entlegenen Gebieten wie Arktis und Antarktis belegen jedoch, dass die Verschmutzung sehr weitreichend ist.
Quelle: Text: Greenpeace Deutschland

Report: Plastik in Fisch und Meeresfrüchten
Report
Schätzungen zufolge macht Plastik 60 bis 80 Prozent des Mülls im Meer aus. Die Gefahr: Mit Schadstoffen belastetes Mikroplastik wird von Meeresbewohnern verschluckt und landet in der Nahrungskette.

Meeresorganismen nehmen Mikroplastik auf verschiedene Arten auf: Muscheln und Austern filtern ihre Nahrung aus dem Wasser; Krabben atmen durch ihre Kiemen und ernähren sich über ihre Mundöffnung; auch Fische nehmen Nahrung über ihre Mundöffnung auf. Wie Verbraucher zum Beispiel Mikroplastik in Kosmetikartikeln erkennen und vermeiden können, zeigt eine kleine Einkaufshilfe von Greenpeace.

Mehr zum Thema Mikroplastik finden Sie hier!

Plastik in Kosmetik

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Vier von fünf Deutschen wollen kein Plastik in Kosmetik

Hamburg – Die breite Mehrheit der Deutschen (83 Prozent) erwartet von den Kosmetikherstellern, dass sie auf Kunststoffe in fester, flüssiger oder anderer Form in ihren Produkten verzichten. Knapp Dreiviertel befürworten sogar ein generelles Verbot von Plastik in Pflegeprodukten. Dies ergab eine repräsentative Umfrage, die das Emnid-Institut im Auftrag von Greenpeace zwischen dem 26.11. und 30.11.2016 durchgeführt hat. Damit schließt die unabhängige Umweltorganisation eine Wissenslücke der Bundesregierung. Diese antwortete auf eine Kleine Anfrage der Grünen, es lägen „keine Erkenntnisse“  zur Verbraucherakzeptanz von Mikroplastik in Kosmetik vor. „Die Menschen wollen kein Mikroplastik in Tuben und Tiegeln“, sagt Thilo Maack, Meeresexperte von Greenpeace. „Plastik belastet die Meere und hat in Kosmetik nichts verloren. Umweltministerin Hendricks muss für ein umfassendes Verbot sorgen.“

Mikroplastik in KosmetikIn vielen Kosmetikprodukten ist PlastikDie meisten konventionellen Kosmetika enthalten feste, flüssige oder wachsartige Kunststoffe. Diese gelangen über den Abfluss ungefiltert ins Abwasser und weiter in Flüsse und Meere. Da Plastik biologisch nicht abbaubar ist, zerfällt es in immer kleinere Teilchen. Im Wasser binden sich an die Partikel Schadstoffe in teils hoher Konzentration, die über die Nahrungskette auch auf unseren Tellern landen. Bislang ist nur zertifizierte Bio-Kosmetik frei von Mikroplastik.

Verbraucher wollen Transparenz - und saubere Produkte
Drei Viertel der Befragten würde Kosmetikprodukte nicht kaufen, wenn sie wüssten, dass diese Plastik oder flüssige Kunststoffe enthalten. Doch ebenso viele (75 Prozent) wissen nach eigenen Angaben nicht, wie man dies erkennt. „Kein Wunder, denn als  Verbraucher müsste man Chemieexperte sein, um im Kleingedruckten die Kunststoffe herauszulesen“, sagt Maack. Gut vier Fünftel der Verbraucher (84 Prozent) wünschen sich eine eindeutige Produktkennzeichnung. Drei Viertel der Befragten (74 Prozent) sprechen sich sogar dafür aus, dass die Hersteller gesetzlich verpflichtet werden, auf Kunststoffe zu verzichten. „Bislang legen sich die Hersteller ihre freiwillige Selbstverpflichtung so aus, wie es ihnen am besten passt. Wir brauchen ein Gesetz, um Plastik aus Kosmetika zu verbannen“, sagt Maack.

Der sogenannte Kosmetikdialog, ein Industriedeal zwischen Umweltministerium und den Herstellern, regelt einen Teilausstieg aus Mikroplastik. Doch der Plan ist aus Greenpeace-Sicht lediglich eine Minimallösung. So umfasst er beispielsweise lediglich feste Plastikteilchen und ignoriert damit das Problem flüssiger und wachsartiger Kunststoffe, über deren Umweltverhalten es größtenteils noch keine Erkenntnisse gibt. (Weitere Kritikpunkte von Greenpeace.)
Quelle: Text und Cover: Greenpeace Deutschland/Bilder: Pixabay

MikroplastikDie Umfrageergebnisse im Detail:
Was Verbraucher vom Einsatz fester und flüssiger Kunststoffe in Kosmetik und Pflegeprodukten halten

Infos zu "grüner Mode" und Kosmetik finden Sie hier!

 

In deutschen Gewässer findet man Plastikpartikel

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In 53 Gewässerproben haben Greenpeace-Aktivisten bei Tests Plastikpartikel gefunden 

Hamburg – Zwischen Mai und August dieses Jahres waren die Umweltschützer mit den Aktionsschiff ‚Beluga II‘ unter dem Motto #Wellemachen für Meere ohne Plastikmüll auf Expeditionstour. Im Fokus der Tour lagen Rhein, Main, Donau, Elbe, Weser und einige Kanäle, aber auch das Wattenmeer. Laboranalysen zeigen nun: Alle Proben enthalten Plastikpartikel. „Die Verschmutzung mit Mikroplastik ist nicht nur im Meer ein Problem, sondern fängt schon in den Flüssen direkt vor unserer Haustür an“, sagt Sandra Schöttner, Meeresexpertin von Greenpeace. Aus den Flüssen gelangen die winzigen Plastikpartikel  ins Meer – auch solche aus Kosmetik- und Reinigungsmitteln. „Umweltministerin Barbara Hendricks muss sich endlich für ein Verbot von Mikroplastik in Produkten stark machen, die täglich über Abwässer in die Umwelt gelangen“, so Schöttner. „Das wäre ein einfacher Schritt mit Signalwirkung.“

Spuren unseres Konsums
Die Mehrheit der 0,3 bis fünf Millimeter kleinen Plastikpartikel besteht aus Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) – die gängigsten Kunststoffe für Verpackungen aller Art. Ebenfalls nachweisbar sind Styropor (PS-E), Polyamid/Nylon (PA), Polyester (PEsT, inklusive PET), Styrol Acrylnitril Copolymerisat (SAN) und Acrylnitril Butadien Styrol (ABS), das beispielsweise für Elektronikgehäuse oder Spielzeug verwendet wird. Bei den Plastikpartikeln handelt es sich überwiegend um Bruchstücke, Folienfetzen und weitere Fragmente, wie sie beim Zerfall oder Verschleiß größerer Plastikteile entstehen. Aber auch zylindrische Pellets aus der Kunststoff-Vorproduktion finden sich in den Proben – und Mikrokügelchen, wie sie in Kosmetik- und Körperpflegeprodukten eingesetzt werden.

Mikroplastik vermeidbar
Mikroplastik wurde bereits in Kabeljau, Makrele, Garnelen und Muscheln aus der Nord- und Ostsee nachgewiesen. Studien belegen, dass Plastikpartikel samt Schadstoffen in die Nahrungskette gelangen und dort angereichert werden. Doch noch immer fehlen Schritte für die Eindämmung des Plastikmüll-Problems in unseren Flüssen und Meeren – vor allem auch was Mikroplastik aus Kosmetik und Reinigern betrifft. „Die Bundesregierung muss mehr tun, als nur Maßnahmenkataloge zu erstellen und sich auf Selbstverpflichtungen der Wirtschaft zu verlassen“, sagt Schöttner. „Um den Eintrag von Mikroplastik in unsere Gewässer tatsächlich zu verhindern, braucht es konkrete gesetzliche Vorgaben.“
Quelle: Text: Greenpeace Deutschland/Bilder: Pixabay

PlastikmüllMehr zum Thema lesen Sie hier!

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Um den Eintrag von Mikroplastik in die Umwelt zu mindern, gibt es zahlreiche Aktionen und Versuche, den Plastikkonsum zu reduzieren. Doch was ist mit den Kleinstpartikeln, die nach wie vor in unseren Gewässern landen? Auf der WissensNacht Ruhr am 30. September 2016 präsentiert Fraunhofer UMSICHT bionische Lösungsansätze für ein Problem, das generationsübergreifend in der Gesellschaft diskutiert wird.   

Mikroplastik entsteht durch den Zerfall von Kunststoffprodukten und findet sich – industriell erzeugt – auch in Kosmetikprodukten wieder. Die winzigen synthetischen Partikel gelangen über unterschiedliche Wege in die Umwelt, auch der Eintrag in die Nahrungskette ist nicht ausgeschlossen. Im Rahmen ihrer Masterarbeit ist Leandra Hamann, Abteilung Nachhaltigkeits- und Ressourcenmanagement bei Fraunhofer UMSICHT, auf der Suche nach möglichen Lösungen für dieses Problem gewesen – und in der Bionik fündig geworden.

»Es gibt so viele Vorbilder in der Natur, wo ein im Laufe der Evolution perfekt entwickeltes Filtersystem für die Nahrungsaufnahme eingesetzt wird. Die Bionik kann ganz neue Wege bei der Filterung von Mikroplastik anstoßen«, erklärt Hamann. Vor diesem Hintergrund hat sie sich mit sogenannten Suspensionsfressern befasst. Zu diesen Lebewesen, die sich von im Meerwasser schwebenden Partikeln ernähren, zählen Schwämme, Wasserflöhe, Krill, aber auch Flamingo oder Finwal. In einer Fallstudie der Arbeit wurde ein passender bionischer Filter gesucht, um Mikroplastikfasern von synthetischen Textilien aus dem Waschmaschinenabfluss zu entfernen. Ein innovatives Vorbild ist zum Beispiel die Köcherfliegenlarve, die ein seidenes Netz in Bächen spannt, um Nahrungspartikel zu filtrieren.

Mikroplastik am Strand von Famara auf Lanzarote.   Fraunhofer UMSICHT/von GoesselnMikroplastik am Strand von Famara auf Lanzarote. Fraunhofer UMSICHT/von GoesselnInteraktiver Stand auf der WissensNacht Ruhr
Als Gewinnerin des Wettbewerbs ScienceLiveRuhr, gibt Hamann auf der WissensNacht Ruhr am 30. September 2016 unter dem Motto »Plastik im Meer – Können Tiere bei der Lösungsfindung helfen?« einen Einblick in ihre Forschung. Im Haus der Technik Essen, Raum 616, können interessierte Besucherinnen und Besucher von 16 bis 22 Uhr Plastikproben aus verschiedensten Umgebungen und Formen unter die Lupe nehmen. Datenblätter zu den Suspensionsfressern und deren Eigenschaften liefern die Grundlage für Diskussionen über Taktiken und Lösungsstrategien nach dem Prinzip »Vorbilder aus der Natur«. Die Informationen eignen sich nicht nur für Erwachsene, auch für Kinder hat Hamann spezielle Materialien erstellt. Und für den Nachhauseweg gibt es eine Anleitung zur Reduzierung des eigenen Mülls.

Gesellschaft und Forschung im Austausch
Wie sehr die Verschmutzung mit Plastik nicht nur die Welt der Forschung, sondern auch unsere Gesellschaft generationsübergreifend beschäftigt, zeigt sich auch an folgenden Beispielen. Bei ihren Recherchen zum Thema Mikroplastik sind Julia Hoffmann aus Düsseldorf und Anna Mar von Goesseln aus Berlin auf die Aktivitäten von Fraunhofer UMSICHT aufmerksam geworden. Es ergab sich ein Austausch zwischen den beiden engagierten Schülerinnen und Ralf Bertling, der als Mitglied der Arbeitsgruppe Mikroplastik bei Fraunhofer UMSICHT das Thema Mikroplastik wissenschaftlich bearbeitet.
Die 12-jährige Julia Hoffmann hat im Rahmen einer Recherche für ein Engagiert sich für die Reduzierung von Mikroplastik in der Umwelt: Julia Hoffmann.   © Foto Fraunhofer UMSICHT/HoffmannEngagiert sich für die Reduzierung von Mikroplastik in der Umwelt: Julia Hoffmann. © Foto Fraunhofer UMSICHT/Hoffmann Bild links: Anna Mar von Goesseln © Foto Fraunhofer UMSICHT/von Goesselnnaturwissenschaftliches Projekt mehr als 20 Firmen angeschrieben, die in ihren Produkten industriell hergestelltes Mikroplastik verwenden, um sich nach umweltfreundlicheren Alternativen zu den verwendeten Plastikpartikeln zu erkundigen. Auf der Suche nach einer möglichen Reduzierung von Kunststoffverpackungen und Plastiktüten hat sie auch bei Unternehmen aus dem Einzelhandel nachgefragt. Die Schülerin des Freien Christlichen Gymnasiums Düsseldorf möchte ihre Leidenschaft für Biologie und Umwelt später beruflich einbringen, am liebsten in der Wissenschaft. Ihr Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen Biologie und Umweltverschmutzung zu erforschen und der Gesellschaft zu vermitteln.


Anna Mar von Goesseln beobachtet die Belastung mit Mikroplastik an »ihrem« Strand.   © Foto Fraunhofer UMSICHT/von GoesselnAnna Mar von Goesseln (13 Jahre) ist auf der Insel Lanzarote aufgewachsen. Seit Jahren ist ihr die stark zunehmende Verschmutzung mit Plastikmüll am Strand von Famara aufgefallen. »Nicht nur größere Kunststoffabfälle befinden sich an den Strandabschnitten, sondern immer mehr Mikroplastik in unterschiedlichen Größen, Formen und Farben«, so Annas Beobachtungen. Als Beleg dafür hat sie, auch mit Hilfe ihrer Eltern, zeitlich versetzt Fotos von angeschwemmtem Plastik gemacht. Beeindruckend der Unterschied zwischen den Jahren 2002 und 2016. Auf dem aktuellen Bild sind Mikroplastik und sogar Ölklumpen zu erkennen, die es 2002 dort kaum gab. Anna hat Proben von Mikroplastik am Strand entnommen und als Anschauungsmaterial an Fraunhofer UMSICHT geschickt. Anna: »Die Plastikmüllfunde am Strand von Famara könnten Informationen über den nordatlantischen Müllstrudel liefern, in dessen Gebiet sich die Kanaren befinden.« Die Berliner Schülerin (Heinz-Berggruen-Gymnasium) setzte sich auch im Rahmen eines Wettbewerbs des Schülerforschungszentrums Berlin mit der Mikroplastik-Problematik an Stränden auseinander. Gemeinsam mit einem Klassenkameraden entstand der Prototyp eines Mikroplastik-Sortierroboters.

Beobachten und Proben sammeln
Julia Hoffmann wie auch Anna Mar von Goesseln haben ihre freiwillige Mitarbeit als Beobachter und Probensammler in Projekten, die sich der Bekämpfung von Plastikeinträgen in Wasser, Luft und Boden widmen, angeboten. Anna Mar kann darüber hinaus auf die Mithilfe von Surfer-Freunden und lokalen Lifeguards vor Ort auf Lanzarote setzen, die über die Mikroplastikbelastung am Strand berichten.    


Weitere Informationen:http://www.umsicht.fraunhofer.de/de/nachhaltigkeit/ag-nachhaltigkeit/umsicht-nim... Positionspapier Mikroplastik http://www.umsicht.fraunhofer.de/de/presse-medien/2016/konsortialstudie-mikropla... Konsortialstudie Mikroplastik http://initiative-mikroplastik.de Initiative Mikroplastik

Text: Dipl.-Chem. Iris Kumpmann Abteilung Public Relations Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT   Einleitungs- und Beitragsbild und Bild unten pixabay

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