Der Kampf gegen den Lebensmittelmüll ist eröffnet. Kleine Läden verkaufen in den großen Citys sehr erfolgreich gezielt Brot und Backwaren von gestern. Namhafte Speiseeishersteller optimieren ihre Fertigungsmaschinen und können so den Ausschuss von Eis reduzieren. Foodsharing.de hat auf seiner Plattform über 46.000 aktive Benutzer, die beispielsweise übrig gebliebene Lebensmittel von der gestrigen Party verschenken oder tauschen. Ergebnis des digitalen Miteinanders: Bisher wurden mit Hilfe der Internetplattform über 39 Tonnen Lebensmittel gerettet.
LebensmittelmüllDie Sensibilität des Deutschen gegenüber dem Nahrungsmüll nimmt zu. Wenn der Verbraucher mit seinem Einkaufswagen auf Shoppingtour geht, zeigt er seit neuestem Interesse an Lebensmitten, bei denen in ein paar Tagen das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) abläuft und der Preis dementsprechend reduziert ist.
Nur so ist es zu erklären, dass immer mehr herabgesetzte Ware in den Supermarktregalen zu finden ist. War es bisher schlichtweg nur Glück, wenn eine Hausfrau beim wöchentlichen Einkauf über das in zwei Tagen „ablaufende“ Hackfleisch gestoßen ist, so könnte bald in Zukunft eine gezielte Navigation zu reduzierten, in Kürze ablaufenden Lebensmitteln stattfinden.
 
FoodLoop heißt die Lösung:
Eine neue App, von einem achtköpfigen Team aus motivierten Informatikern, Designern, Wirtschafts- und Medienwissenschaftlern entwickelt. „Unser Ziel ist es, zu einer signifikanten Reduzierung vermeidbarer Lebensmittelabfälle im Einzelhandel beizutragen und dem Verbraucher transparente Preise zu bieten, die Verluste der Einzelhändler zu reduzieren und vor allem eine nachhaltige Wertschöpfungskette zu fördern“, sagt Christoph Müller-Dechent, Gründer von FoodLoop.
FoodLoopTeamChristoph Müller-Dechent (zweiter von links) und sein Team.Mit der App stelle sein Team die erste Cloud basierte Online-Plattform bereit, um Produkte nahe dem Mindesthaltbarkeitsdatum automatisch und in Echtzeit über die angebundene Smartphone App zu vermarkten. „Mit Hilfe von FoodLoop kann der Konsument alle Angebote in seiner Umgebung sehen, durchstöbern oder nach konkreten Produkten und Märkten suchen. So wird eine vorzeitige Entsorgung von Frischwaren vermieden und Konsumenten bekommen einen Anreiz, Ressourcen zu sparen.“
Klingt ermutigend und auch die Technik überzeugt. Das Kölner Tüftler-Team hat zahlreiche Preise und Nominierungen eingeheimst. Anfang diesen Jahres gab es beim internationalen Innovationswettbewerb von FI-WARE in der Kategorie „Smart Business & Industries“ den ersten Platz. Ganz aktuell erhalten Müller-Dechent und seine Mannen das EXIST-Gründerstipendium.

Soviel Anerkennung motiviert.
An der verbraucherfreundlichen App wird gerade der letzte Feinschliff vorgenommen. Christoph Müller-Dechent: „Aktuell wird unser System in Bergfeld´s Biosupermärkten getestet. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit haben wir bereits eine Menge konstruktives Feedback von Testnutzern erhalten.“ Nach erfolgreicher Durchführung der Pilotphase werde man eine sogenannte. „Life Cycle Analyse“ mit belastbaren Zahlen zu potentiellen Umweltentlastungen und Kostenvorteilen veröffentlichen. Der „Public Launch“ in zwei Supermarktfilialen in Bonn sei für Oktober 2014 angesetzt.
Immer mehr Essen wird weggeworfenWas denken eigentlich die „Big Player“, also die Großen in Supermarktketten, über das neue Startup? Müller-Dechent ist direkt auf die betroffenen Einzelhändler und Entscheidungsträger der Lebensmittelindustrie zugegangen. „Das Ergebnis war, dass die täglich entsorgten Mengen an genießbaren Lebensmitteln sogar größer waren als erwartet und die Gesprächspartner daher großes Interesse an einer Lösung bekundeten.“  
Dennoch sei die Kommunikation mit Großkonzernen häufig sehr zäh und langwierig, vor allem in der Lebensmittelbranche besteht ein Ungleichgewicht der Marktmacht zugunsten der Einzelhandelsketten als sogenannte „gatekeeper“ der Branche. „Außerdem ist seitens des Einzelhandels oft kein ausreichender Anreiz vorhanden, Lebensmittelabfälle zu vermeiden. Verluste durch Bruch und Verderb werden alternativen Verwendungszwecken wie Biogasanlagen zugeführt und Inventurdifferenzen schlicht als Abschriften in der Bilanz erfasst.“