Der Schritt von Tschibo, zum Anfang des Jahres 2016 in seinen deutschen Filialen 20 Cent für die Plastiktüten zu verlangen, zeigt zweierlei Sachverhalte auf:
Erstens, und das ist der traurigere von beiden, die deutsche Umweltpolitik fristet traditionell ihr Dasein am Rockzipfel der Lobby-Gruppen aus der Industrie. Kaum stellt man im Ausland fest, dass VW alles andere als umweltfreundliche Autos herstellt, wird man auch im „grünen“ Ministerium aktiv. In Deutschland werden pro Jahr mehr als sechs Milliarden Plastiktüten verbraucht und Bundesumweltministerin Barbara Hendricks setzt auf „freiwillige Selbstverpflichtung“.

Zweitens, das ist der schönere Aspekt von beiden, die „Big Player“ haben sehr wohl Interesse, nachhaltig zu agieren. Tschibo fackelt nicht lange, bis vielleicht doch irgendwann eine Brüsseler Verordnung in die Zentrale nach Hamburg reinflattert. Nein, der Konzern stellt sich seiner Verantwortung und reagiert.

Für diesen Schritt verdient Tschibo im noch jungen Jahr 2016 großes Lob.

Fakt ist: Andere „Große“ werden folgen und zum Schluss wírd sich das im politischen Nirvana befindliche Umweltministerium auch noch dafür feiern lassen. Nach dem Motto: „Seht her, Selbstverpflichtung hat noch immer funktioniert.“
Übrigens: Irland hat als erstes EU-Land vor über zehn Jahren eine Gebühr von 15 Cent auf die 0,05 Millimeter dünnen Beutel verhängt. Die Iren verbrauchten schon ein paar Monate später 90 Prozent weniger. Heute beträgt der Preis 22 Cent. Vorbildlich.

Es darf in Zukunft nicht mehr sein, dass jeder Deutsche im Jahr 64 bis 70 Tüten exakt nur einmal benutzt und anschließend wegwirft. Dafür verbrauchen wir 260 Millionen Liter Erdöl.
Viele der Tüten gelangen in die Ozeane. Maritime Müllteppiche mit Unmengen von Plastik wachsen ständig. Der größte davon befindet sich im Pazifik und ist so groß wie Zentraleuropa. Aber nicht nur im Wasser verteilen sich die Polyethylen- und Polypropylenverbindungen, auch im Erdreich findet eine Zersetzung statt. Damit ist der Ernährungskreislauf eröffnet.

Tschibos Entscheidung ist ein Riesenschritt. Wir können uns jetzt entscheiden, ob wir mitschreiten wollen oder nicht.

Florian Simon Eiler

Fotos:pixabay

Zum Bericht: Geld für Plastiktüte - Tschibo macht´s