Unsere Patientin Erde braucht Menschen, die sich um sie kümmern. Die Verletzungen sind so mannigfaltig, dass man oft nicht weiß, wo man zuerst ansetzen soll. Krieg, Klimaerwärmung, Vergiftung, Vermüllung und Ressourcenknappheit. Die Liste scheint endlos. Und doch gibt es immer wieder Leute, die anpacken und sich für neue, beispielsweise „grüne“ Ideen begeistern lassen.

Logo Verein copyright: cradle to cradle e.V.Logo Verein copyright: cradle to cradle e.V.Die Idee von einem müllfreien Planeten
Solch eine Idee ist cradle to cradle (C2C), übersetzt „Von der Wiege zur Wiege“. Ein System, das eine Entmüllung unseres Planeten zum Ziel hat. „Am Ende darf kein Müll entstehen“, erklärt Nora Sophie Griefahn. Sie ist Mitbegründerin und Geschäftsführerin des gemeinnützigen cradle to cradleTim Janßen & Nora Sophie Griefahn; copyright cradle to cradle e.V.Tim Janßen & Nora Sophie Griefahn; copyright cradle to cradle e.V.von einem biologischen und dem weitaus anspruchsvolleren, dem technischen Wiederverwertungsweg. Zurecht. Zweitgenannter gestaltet sich als Mammutaufgabe. Beispiel Automobil: Unzählige Stoffe stecken in einem Pkw, der Kunstfaserbezug des Sitzes, die Elektronik, bis hin zu den verschiedenen Metallschrauben. Ist das Auto schrottreif, werden Unmengen von wertvollen Rohstoffen weggeworfen. Bei C2C sollte das Fortbewegungsmittel der Zukunft aus 100 Prozent recyclebaren Teilen konstruiert sein. Damit bleibt alles im Kreislauf. Nichts geht verloren und Müll gleich Null. Dasselbe Ziel wird im biologischen Kreislauf angestrebt. Jeder Abfall natürlichen Ursprungs wird kompostiert und in die Natur abgegeben, gleich einem funktionierenden Komposthaufen. Das Ergebnis ist eine kräftige Erde, die zur Düngung des Gartenbeetes dienen kann.

„Wir wollen den Diskurs zwischen Politikern, Wissenschaftlern und der Industrie fördern“, erklärt Tim Janßen, „Cradleianer“ von Anfang an und Wirtschaftswissenschaftler. Zu dem Thema cradle to cradle hat er an der Universität Lüneburg graduiert. Regelmäßig geht er auf den Campus, um C2C publik zu machen. Was auch gut funktioniert. Begeistert berichtet der Hochschuldozent von dem ersten Kongress 2014: „Die Veranstaltung war ein Riesenerfolg mit über 600 Teilnehmern und 80 ehrenamtlichen Helfern.“ Unter dem Motto „verstehen, umdenken und gestalten“ hätte man gespürt, dass das Thema viele bewegt. Ein erstes Highlight für den zwei Jahre zuvor gegründeten Verein.

Althandys100prozentige Wiederverwertung funktioniert
Dass die Entmüllung mitten in unserem hochtechnisierten Leben tatsächlich funktionieren kann, beweisen genügend Beispiele: T-Shirts, die so natürlich gefärbt und verarbeitet sind, dass sie problemlos auf dem Komposthaufen landen können. Bei dem Bau eines der größten Containerschiffe der Reederei „Maersk Line“ wurde jede einzelne Kajüte, der Bolzen, einfach alles, was das 400 Meter lange Schwergewicht zusammenhält, in einem Buch erfasst. Bei einer Abfrackung können somit die Stoffe optimal einer Wiederverwertung zugeführt werden.

Im eigenen Elfenbeinturm können wir die Welt nicht verändern, steht auf der Homepage des Vereins. Nora Sophie Griefahn geht noch weiter: „Alle sprechen immer davon, dass der Mensch einen negativen Fußabdruck auf dieser Welt hinterlässt. Er wird oft als Parasit dieser Erde bezeichnet.“ Der Verein C2C wolle vermitteln, dass das Individuum Mensch sehr wohl nützlich sein kann. Voraussetzung: Man bestreitet sein Leben mit positiv definierten Materialien, was bedeutet, wenn man sie nicht mehr gebrauchen kann, werden diese an die Rohstoffkreisläufe zurückgegeben, damit wieder etwas Neues entstehen kann.

Hinter der Idee steckt eine optimistisch, humanistische Grundhaltung, die vor allem von Studentengruppen in die Öffentlichkeit getragen wird.
Die nächste Aktion: der Kongress in Lüneburg am 23. & 24.09.2016.

Fotos ohne Bildunterschrift von pixabay - big merci

 

Florian Simon Eiler        

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