Aktionstag gegen Plastiktüten

Berlin – Zum heutigen Internationalen Plastiktütenfreien Tag fordert eine breite Koalition von Umweltorganisationen vor dem Hintergrund der neuen EU-Regelung zur Plastiktüte die Politik, Unternehmen und Verbraucher/innen zu Maßnahmen gegen die Plastiktütenflut auf. Unter dem Motto „Ohne Plastiktüte geht’s auch!“ zeigt das Aktionsbündnis auf einem Fest am Alexanderplatz die Probleme durch Plastiktüten sowie Lösungsvorschläge zu deren Vermeidung auf.

Die Fakten zur Einwegplastiktüte sind bekannt: 30.000 Plastiktüten pro Stunde gehen in Berlin über die Ladentheken, pro Tag sind das über 616.000. Bundesweit werden jährlich über 6,1 Milliarden verbraucht. Sie stellen nicht nur ein Problem für die Umwelt und den Klimaschutz dar, sondern verbrauchen auch Unmengen des begrenzt vorhandenen Rohöls.

Mit einer EU-Regelung werden nun neue Fakten geschaffen: Im April dieses Jahres verabschiedete das EU-Parlament eine Richtlinie, die verbindlich den Verbrauch von dünnen Einweg-Plastiktüten einschränkt. Sie verfolgt das Ziel, europaweit bis 2019 den Pro-Kopf-Verbrauch auf 90 Tüten zu reduzieren. Derzeit liegt der EU-Durchschnitt bei 198 Tüten pro Person und Jahr. Bis 2025 soll die Anzahl auf 40 Tüten pro Jahr verringert werden. Dabei dürfen die Länder wählen zwischen zielführenden Maßnahmen oder der Einführung einer Kostenpflicht für Plastiktüten ab Ende 2018.

Die neue EU-Plastiktütenrichtlinie zeigt, dass das Symbol der Wegwerfgesellschaft keine Zukunft mehr hat. Deshalb fordern Umweltorganisationen Politik, Unternehmen und Verbraucher/innen dazu auf, sofort zu handeln und schnelle Maßnahmen zur Plastiktütenvermeidung umzusetzen.

Die Deutsche Umwelthilfe hält freiwillige Maßnahmen des Handels zur Verringerung der deutschen Plastiktütenflut für nicht ausreichend. „Der Handel hat es in den letzten zehn Jahren durch freiwillige Maßnahmen nicht geschafft, den Verbrauch von Plastiktüten signifikant zu verringern. Gleichzeitig führen immer mehr Staaten, Regionen und Städte Abgaben oder Verbote ein. Die Erhebung einer Abgabe von mindestens 22 Cent wäre der richtige Weg, um Plastiktüten effizient zurückzudrängen. In Irland reduzierte sie den Tütenverbrauch von 328 auf nur noch 16 Stück pro Kopf und Jahr“, sagt die DUH-Expertin für Kreislaufwirtschaft Julia Barthel.

PlastiktütenMit Mehrwegtaschen spart man viele Einwegtaschen. Foto: DUH„Die Einweg-Plastiktüte verursacht nicht nur Berge von unnötigem Kunststoffmüll, sie ist auch Symbol für unsere umweltschädliche Wegwerf- und Konsumkultur. Der BUND spricht sich daher für eine deutlich spürbare Abgabe auf Einweg-Tüten, die Einführung bepfandeter Transportbehälter und Tüten-Tausch-Aktionen aus. Politik, Handel und Verbraucher sind gefordert, in unserem Alltag die Plastiktüte als normalen, oft kostenlosen Mitnahmeartikel durch vielfach verwendete Tragebeutel zu ersetzen. In umfangreichen Aufklärungskampagnen muss zum Beispiel über die Grenzen des Recyclings von Kunststoffen sowie Umfang und Gefahren des Eintrags von Plastik in die Umwelt und unsere Nahrung informiert werden“, so BUND-Abfallexperte Tobias Quast. „Die Verbannung der Einweg-Plastiktüte aus dem Einzelhandel und die konsequente Durchsetzung des Mehrwegprinzips wären ein starkes Vorbild und erster wichtiger Schritt für eine abfallarme und ressourcenschonende Wirtschafts- und Lebensweise insgesamt.“

„Es ist wichtig, dass jeder versteht, wie schädlich hoher Plastikverbrauch ist und wie sich das reduzieren lässt“, betont Jan Sachse, NAJU Vorstandsmitglied und Projektverantwortlicher. „Im bundesweiten NAJU-Projekt „Trashbusters“ regen wir Kinder und Jugendliche an, sich für eine Welt mit weniger Plastik stark zu machen.“

„Plastiktüten sind das klassische Symbol für die Vermüllung der Meere. Und doch bleibt der schnelle Griff zur Einwegtüte für viele noch immer normal. Ein Grund ist, dass die Politik das Problem zwar erkannt hat, sich aber vor konsequenten gesetzlichen Lösungen drückt,“ so Julia Albrecht, Koordinatorin von Greenpeace Berlin.

Plastikmüll„In jedem Quadratkilometer Meer schwimmen heute bis zu 46.000 Teile Plastikmüll: PET-Flaschen, Plastiktüten, Feuerzeuge und vieles mehr. Die Meerestiere verwechseln die Plastikteilchen mit Nahrung. So wandern deren Giftstoffe letztlich ins Fettgewebe. Schildkröten halten im Wasser treibende Tüten für Quallen und verenden qualvoll, wenn sie diese verschlucken“, erklärt Stephan Lutter, Meeresschutz-Experte beim WWF. Damit nicht nur umweltbewusste Verbraucher ihren Teil zum Schutz unserer Meere beitragen, bedarf es politischer Maßnahmen, die den Gebrauch von Einweg-Plastikprodukten eindämmen – etwa Steuern auf Plastiktüten. Außerdem brauchen wir strengere Vorschriften für ein umweltverträgliches Produkt- und Verpackungsdesign.“

„Spandau hat als erster Berliner Bezirk einen Spender eingeführt, um Marktbesucher/innen Second-Hand Tüten anzubieten, die von Bezirksbewohnern gesammelt wurden“, erklärt Dr. Corinna Vosse, Geschäftsführung von der KlimaWerkstatt Spandau. Als Skulptur gestaltet bietet der ‚Altstadt-Zander‘ nicht nur Tüten, da wo man sie braucht, sondern ist auch ein Blickfang für den Markt. Die KlimaWerkstatt Spandau sieht den Spender als Modell, das auch in anderen Bezirken eingeführt werden sollte. Denn gebrauchte Tüten sind CO2-neutral und erzeugen keinen zusätzlichen Abfall!“

Sylke Freudenthal, stellv. Vorstandsvorsitzende der Stiftung Naturschutz Berlin, erklärt: “Wir freuen uns, dass die von uns mit Mitteln des Förderfonds Trenntstadt angestoßene Initiative Berlin tüt was! und Förderprojekte wie Einweg kommt nicht in die Tüte! bei der diesjährigen Aktion zum plastiktütenfreien Tag eine Fortführung mit weiteren Partnern finden und hoffentlich viele Menschen für dieses wichtige Thema sensibilisiert.”

LIFE e.V.Die Erfahrungen von LIFE e. V. in Ihrer Zusammenarbeit mit vielen Berliner Geschäften, wo bisher noch immer kostenlos die Plastiktüten heraus geben werden, macht Hoffnung. „Hier gibt es ein Umdenken und eine wirkliche Bereitschaft der Unternehmer/innen zu neuen Maßnahmen, natürlich auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, denn Plastiktüten kosten,“ so Martina Bergk, Projektleiterin für Umwelt- und Klimaschutz bei LIFE e.V.


Aktionsbündnis Plastiktütenfreier Tag Berlin:

Das heutige Aktionsfest am Alexanderplatz wird organisiert von LIFE e.V. und unterstützt mit Infoständen und Aktionen vor Ort durch das Aktionsbündnis aus: BUND Berlin, BUNDjugend, Deutsche Umwelthilfe, Greenpeace Berlin, GRÜNE LIGA Berlin e.V., KlimaWerkstatt Spandau e.V., NABU, NAJU, VIS-NATURA München Stiftung, WWF Jugend, Yesil Cember.
Quelle: PM "Plastiktütenfreier Tag", Banner + Grafik: LIFE e.V., Bilder: DUH, Pixabay