Zwischen realem Spritverbrauch in Europa und den Angaben der Hersteller klafft eine immer größere Lücke. Nach einer Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT) ist sie mittlerweile auf 38 Prozent angewachsen: Die tatsächlichen CO2-Emissionen liegen 38 Prozent über den amtlichen Werten.     

tankenNach ICCT-Angaben beruht die Hälfte aller bisher erreichten CO2-Einsparungen auf Verfahren, mit denen sich die CO2-Emissionen herunterrechnen lassen. Greg Archer von der Organisation "Transport und Umwelt" nennt gegenüber "ZDFzoom" eine Reihe von Manipulationsmöglichkeiten während des offiziellen Prüfverfahrens, etwa an Reifen, Außentemperatur oder Batterie: "Sie können diese während der Messung abklemmen. Während des Tests wird sie nicht aufgeladen, das heißt, sie verbraucht weniger Sprit."   
 
Trickserei statt E-Autos 

Die "ZDFzoom"-Dokumentation zeigt dies als einen Beleg dafür, dass die Autobauer in Europa von ihrem Geschäftsmodell mit den großen und CO2-intensiven Premium-Karossen nicht abrücken wollen. Auch wenn in dieser Woche die Bundesregierung das Gesetz zur Elektromobilität verabschiedet hat: Anstatt den Wandel zu CO2-freien E-Autos zu forcieren, scheinen eher Tricks bei der CO2-Messung angesagt, um die CO2-Grenzwerte nicht zu überschreiten.    
Doch eine Lösung ist in Sicht: Bei den Vereinten Nationen wurde ein neues Testverfahren, der WLTP-Prüfzyklus, beschlossen, der exakt ermittelt, was Autos wirklich an CO2 ausstoßen. Die Europäische Kommission hat Arbeitsgruppen gebildet, die den neuen Test in EU-Recht überführen soll. 
Dem ZDF liegt eine Teilnehmerliste der Arbeitsgruppe vor, die sich mit den Auswirkungen des neuen Testverfahrens auf die CO2-Werte beschäftigt. In der Arbeitsgruppe dabei: Dutzende Lobbyisten und nur ein einziger unabhängiger Vertreter einer Nichtregierungsorganisation.   
 
VDA wiegelt ab 

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) verwies am Sonntag auf die anerkannten Testverfahren und erinnerte zudem an die Unterschiede zwischen Kraftstoffverbrauch unter Laborbedingungen und dem Verbrauch im realen Straßenverkehr. Zudem könne der tatsächliche Verbrauch sowohl über als auch unter dem Normverbrauch liegen. Für die Untersuchung hat der International Council of Clean Transportation (ICCT) nach eigenen Angaben die Daten für mehr als eine halbe Million Fahrzeuge untersucht. 
Quelle: ZDF, dpa