Mit der Fashion Week in Berlin rückt auch das Thema Nachhaltigkeit in den Blickpunkt. Modische Avantgarde und ökologisch erzeugte Kleidung schließen sich schon längst nicht mehr aus. Doch wie erkennt man, ob Hose oder Hemd ökologisch und fair erzeugt wurden? Die Verbraucherplattform EcoTopTen hat jetzt die Übersicht von Anbietern umweltfreundlich und sozialverträglich hergestellter Bekleidung aktualisiert. Erstmals finden Interessierte zudem einen Vergleich der handelsüblichen Nachhaltigkeitssiegel, der bei der richtigen Label-Wahl unterstützt. Sie geben Auskunft, ob die Kriterien einer ökologischen, schadstofffreien und menschenwürdigen Produktion erfüllt sind.

Nachhaltigkeitslabel im Vergleich: mehr als „nur“ bio
Anders als bei Biolebensmitteln sind bei Textilien Aussagen wie "bio", "öko" oder „organic“ nicht geschützt. Es gibt zudem eine Vielzahl von Labeln, die unterschiedliche Kriterien berücksichtigen. Für einen besseren Überblick über die wichtigsten Siegel vergleicht EcoTopTen diese erstmals in einer Übersicht. Diese bewertet, ob das jeweilige Label Kriterien für eine ökologische Produktion, Sozialstandards bei der Verarbeitung und Schadstofffreiheit der Kleidungsstücke berücksichtigt.

Logo„Entlang der gesamten textilen Kette – also vom Anbau der Baumwolle, über die Verarbeitung der Fasern bis hin zum Verkauf – vergleichen wir insgesamt 14 unterschiedliche Siegel“, erläutert Dr. Jenny Teufel, Wissenschaftlerin am Öko-Institut und Expertin für Nachhaltigkeitskennzeichnung von Textilien. „Nicht zuletzt geben wir eine Gesamtbewertung des jeweiligen Siegels ab. ++ oder + – so kann jeder entscheiden, welche Standards beim Einkauf erfüllt sein sollen.“
Vergleich von Siegeln mit fairen und / oder soziale Aspekten entlang der textilen Kette auf der Website EcoTopTen des Öko-Instituts 

Coole Shirts und öko? Kein Widerspruch!
Außerdem hat EcoTepTen die Liste der Anbieter von nachhaltig erzeugter Kleidung aktualisiert. Ob hippes Shirt oder bequeme Kletterhose – alle 86 gelisteten Unternehmen bieten ökologisch und fair produzierte Kleidung an. Auf einen Blick ist erkennbar, mit welchem Siegel die Produkte der Hersteller zertifiziert sind, welche Waren im Sortiment enthalten sind und ob diese online, im Ladengeschäft oder via Katalog bezogen werden können.
Übersicht von Anbietern umweltfreundlich und sozialverträglich hergestellter Bekleidung auf der Website EcoTopTen des Öko-Instituts 

Outdoor-Kleidung: jetzt auch mit Öko-Siegeln
OutdoorErstmals listet EcoTopTen auch Anbieter von nachhaltig erzeugter Outdoor-Kleidung. Denn gerade die Kunstfasern von Goretex und Co. werden häufig unter Zusatz umweltschädlicher Chemikalien hergestellt. In der Übersicht finden Outdoor-Fans Hersteller, die ihre Produkte mit dem bluesign® Standard kennzeichnen. Dieser stellt strenge Anforderungen an die Umweltverträglichkeit von Textilprodukten und adressiert neben dem Einsatz von umwelt- und gesundheitsgefährdenden Chemikalien auch den Ressourcen- und Energieverbrauch, sowie den Arbeitsschutz entlang des gesamten Lebensweges von Textilien. Im Rahmen ihrer Zertifizierung führt die Bluesign Technologies AG Vorort-Audits der Unternehmen durch.
Übersicht von in Deutschland bekannten Outdoor/Sport-Marken, die  bluesign® zertifizierte Endprodukte auszeichnen

Hintergrundinformationen Nachhaltigkeit in der Textilproduktion
Für ein T-Shirt aus konventionellem Baumwollanbau kommen rund 150 Gramm synthetischer Dünger und Pestizide auf dem Acker zum Einsatz. Auf diese Weise gelangt etwa ein Viertel aller weltweit eingesetzten Insektizide auf die Anbauflächen. Dies tötet Insekten, schädigt aber auch die sensiblen Ökosysteme von Flüssen, Seen sowie das Grundwasser. Auch auf die Menschen, die im Baumwollanbau arbeiten, sind die gesundheitlichen Auswirkungen verheerend: Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass jedes Jahr 28.000 Menschen weltweit an Pestizidvergiftungen sterben.

BaumwolleBeim Anbau von Biobaumwolle aus kontrolliert biologischen Anbau (kbA) wird vollständig auf den Einsatz von chemischen Düngemitteln und Pestiziden verzichtet. Auch bei nachhaltig erzeugten Kunstfasern wird auf den sonst üblichen, intensiven Einsatz von schädlichen Chemikalien verzichtet. Nicht zuletzt spielen (häufig nicht eingehaltene) soziale Kriterien eine große Rolle in der Textilproduktion: Nur etwa ein Prozent des erzielten Verkaufspreises erhält der Näher bzw. die Näherin. Die restlichen 99 Prozent entfallen in der Regel an Einzelhandel, Steuern, Markenunternehmen, Transport, Fabrikation und Material. Soziale Mindeststandards wie eine faire Bezahlung und Arbeitszeiten sind daher essentiell für nachhaltig erzeugte Textilien.
Quelle: Text: Ökoinstitut/Bilder: Pixabay

Lesen Sie dazu: Fairtrade entwickelt Textil-Standard