Der Online-Shop Mr. & Mrs. Green feierte Anfang 2015 sein zweijähriges Bestehen. Das Hamburger Unternehmen für "grüne Mode" wurde von Britta Kirchhof und Ilka Nolde gegründet.

Ichtragenatur.de hat mit Frau Kirchhof über ihre Erfahrungen und Visionen im green fashion -Bereich gesprochen: 

Britta KirchhofBritta KirchhofFrau Kirchhof, wie ist die Entstehungsgeschichte von Mr. & Mrs. Green?
Mr. & Mrs. Green ist das Ergebnis von über einem Jahr Vorarbeit und Recherche und der Antwortfindung auf viele offen Fragen wie: Gibt es glaubwürdige Qualitätssiegel und welche Zertifizierungsinhalte sind wichtig? Welchen Herstellern/Lieferanten kann man vertrauen? Wie lautet unser Konzept, wie können wir unsere Vorstellungen umsetzen und wer kann es technisch realisieren?
Dabei kam unsere Motivation aus unserem eigenen Kaufverhalten. Wir haben schon vorher selbst „grüne Mode“ gekauft, aber so groß war das Angebot gar nicht, nicht einmal in der Großstadt Hamburg. Dazu kommt, dass das bestehende Angebot schon gar nicht immer aufrichtig war: Green-Washing durch cleveres Marketing großer Textilketten ist nicht ehrlich. Das wollten wir besser machen. Wir wollten und wollen ein ehrliches Angebot.

Im Januar 2013 war dann alles so, wie wir es haben wollten: Unser Traum wurde Wirklichkeit und wir feierten die Eröffnung von Mr. & Mrs. Green.

Sie betreiben seit mehr als zwei Jahren einen Online-Shop für grüne Mode. Wie groß ist die Akzeptanz bei den Kunden?
Ich denke, es gibt noch Unterschiede zwischen der inhaltlichen und der praktischen Akzeptanz. Ich erlebe keine inhaltlichen Vorbehalte gegen „grüne Mode“. Allerdings ist die Erwartungshaltung einiger Kunden überdurchschnittlich hoch. Ähnlich wie bei Bio-Gemüse gibt es vereinzelt die Vorstellung, die subjektive Qualität der Produkte müsse „viel besser“ sein als die konventioneller Produkte. Bei „grüner Mode“ liegen die Produktionsschwerpunkte aber beim Schutz unserer Umwelt und unserer Gewässer, bei existenzsichernden Löhnen und beim Arbeitsschutz für alle Arbeiter. Natürlich ist das viel besser! Am fertigen Produkt ist das aber nicht so leicht sichtbar und so ist, trotz inhaltlicher Zustimmung, nicht jeder gleich auch bereit, seine Kaufgewohnheiten zu überdenken. Das ist sehr schade.

Grün produzierte Mode ist auf dem Kleidermarkt noch immer ein Stiefkind vor allem wegen des Designs. Wo sehen Sie die Chancen für mehr Relevanz auf dem Markt?
Das sehe ich aber ganz anders! Wenn Sie zum Beispiel über die Ethical Fashion Show in Berlin gehen, sehen Sie extrem schöne Mode in allen Formen und Farben, die im Aussehen konventioneller Mode in nichts nachsteht. Die Mär vom „Schlabberlook“ hat sich in meinen Augen absolut überholt.

Rock aus BiobaumwolleWie gewährleistet Mr. & Mrs. Green, dass Ihre Kunden tatsächlich Eco-Mode kaufen?
Faire Produktionsbedingungen und ökologische Nachhaltigkeit können nicht ausschließlich Vertrauenssache sein. Stattdessen sollten sie transparent sein: Ein öko-faires Versprechen reicht uns nicht! Wir achten bei unserem Sortiment auf glaubwürdige Bio-Zertifizierungen und Sozialstandards wie IVN Best, GOTS, Naturland und Fairtrade. Unsere Marken stehen für ökologische Materialien und faire, wenn möglich, regionale Produktion.

Glauben Sie, dass Green-Fashion langfristig an Bedeutung gewinnen wird?
Ich wünsche es mir und bin überzeugt davon. Ich denke es ist ein persönlicher und gesellschaftlicher Entwicklungs- oder Reifeprozess hin zu mehr eigener Verantwortung. Allerdings wird öko-fairer Handel möglicherweise immer eine, wenn auch noch wachsende, Nische bleiben. Öko-fair, wie ich es definiere, kann ich mir im Mainstream kaum vorstellen.

Was ist der Input ihrer Kunden? Gibt es etwas, was den Damen und Herren besonders am Herzen liegt oder was sie sich wünschen?
Das ebenfalls wachsende Interesse an einem veganen Lebensstil und somit der Wunsch nach veganen Produkten verhallt in der konventionellen Textilindustrie ungehört. Nicht wenige Kunden wünschen sich aber, dass ihre Kleidung frei von Leder, Pelz, Seide, Daunen, Perlmutt, Horn und allen anderen Bestandteilen tierischen Ursprungs ist. Diesen Wünschen entsprechen wir gern: Als vegan bestätigte Artikel erhalten sie im Shop eine besondere Kennzeichnung, nachdem wir deren Status geklärt haben.

Hemd aus BiobaumwolleEin Zeichen von Mode ist die Schnelllebigkeit. Eigentlich ein Widerspruch zur Nachhaltigkeit. Sehen Sie sich als Trendsetter für einen „längerfristigen“ Look?
Wir setzen bewusst auf die „etwas“ schlichteren, klassischen Attribute, ohne modische Strömungen aus dem Blick zu verlieren. Wir bieten schöne, zeitlose Mode, die man auch nach einem Jahr munter mit wiederum neuen Sachen kombinieren kann. Nehmen wir zum Beispiel ein klassisches Etuikleid in einer Farbe wie dunkelblau. Das ist ein Kleid, das einfach nie aus der Mode kommt und sich wunderbar immer wieder neu kombinieren lässt. Auffällig vordergründige Trends hingegen sind sehr schnelllebig und verlieren rasch Ihre Wirkung.

Mal ganz ehrlich, schafft es Mr. & Mrs. Green das ganze Jahr über „grün“ gekleidet zu sein?
Schaffen würden wir es ganz sicher. Die öko-faire Textilproduktion ist mittlerweile erwachsen geworden und es gibt nichts mehr, was es nicht gibt: Alle Stile, in allen Farben, für alle Anlässe. Wie bereits gesagt, nicht im Mainstream, also nicht „an jeder Straßenecke“, aber es ist alles verfügbar. Tatsächlich tragen wir aber auch immer noch Reste unserer alten Sachen auf. Neuanschaffungen hingegen kaufen wir aber nur noch öko-fair.

Frau Kirchhof, danke für das Gespräch!

Das Interview führte Florian Simon Eiler

Fotos: Mr & Mrs Green

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