Am vergangenen Donnerstag hat sich das irische Christkind in Sachsen ein blaues Auge geholt. Nein, mit dem blonden Kind ist alles in Ordnung. Doch passt diese Allegorie wunderbar zur Eröffnung des Textil-Discounters Primark kurz vor dem Weihnachts-Shopping-Wahnsinn in der Dresdner Innenstadt.
Dresden PrimarkZur Information: Primark ist der Branchenprimus bei billigen Klamotten. Mit mehr als 280 Filialen in Europa und über 50.000 Mitarbeitern wirft das Unternehmen, das seinen Stammsitz auf der „grünen“ Insel hat, die Jeans für neun Euro in die Schütte.

Uns allen ist inzwischen bekannt, und bitte keiner möge jetzt sagen, er habe noch nie davon gehört, wie dieser Preis zu Stande kommt. Verlierer sind dabei Menschen in der Textilarbeit am anderen Ende der Welt und die Umwelt.

Was war am Donnerstag passiert? Wie mehrere Medien meldeten, waren die Stadtverantwortlichen Dresdens davon ausgegangen, dass die Eröffnung der sechzehnten Filiale auf deutschem Boden ähnlich wie bei ihren älteren Schwestern ablaufen würde. Nämlich apokalyptisch. Mit tausenden von ungeduldig wartenden Menschen. Hauptsächlich Mädchen im Teenager-Alter. Bereit, jeden ersparten Euro rauszuhauen für ein T-Shirt für 2.50 Euro und anschließend über die Schnäppchen-Jagd ein „Haul“-Video ("Beute"-Video) bei facebook zu posten.
Erstaunlich: Zur Store-Eröffnung kamen von den weit über 20.000 erwarteten Konsumenten nur wenige.

Primark JeansSchadenfreude ist hier nicht angebracht. Vielmehr soll uns dieses Ereignis wieder einmal vor Augen führen, wie pervers inzwischen unser Konsumverhalten ist: In dieser Woche hat Primark in Dresden seine Pforten geöffnet, zeitgleich kam die Meldung des Sportartikelherstellers Puma, seine Textilproduktion bis 2020 komplett zu entgiften. Auf immensen Druck von Greenpeace hat das Unternehmen einen glaubhaften Fahrplan vorgelegt. Einen Kotau vor den Aktivisten der Umweltschutzorganisation.

Heute startet die Europäische Woche der Abfallvermeidung. Natürlich landet ein Shirt, das ein paar Euro kostet, bald im Müll. Bei den Shopping-Mädels lautet die Devise: shoppen-wegwerfen. Doch auf eine Personengruppe mit dem Finger zu zeigen, ist leicht und falsch zugleich.
Wir alle sind in der Pflicht. Solange Papa dem Götzen „Geiz ist geil“ frönt und Mama einen ausgelassenen Einkaufsbummel durch die Mode-Discounter plant, wird sich kaum etwas ändern.

Der Konsument ist und bleibt die Macht Nummer eins. Und gerade Weihnachten 2014 sollten wir daran denken, dass Millionen Menschen auf der Flucht froh wären, wenn sie ein einziges brauchbares Kleidungsstück für den eiskalten Winter hätten.