Schon bei einer Erwärmung um 2 °C über das vorindustrielle Niveau bis 2050 ist mit jährlichen Gesamtverlusten bei den weltweiten Fischfängen im Wert von 17 bis 41 Milliarden US-Dollar zu rechnen. Das geht aus dem letzten Sachstandsbericht des Weltklimarats (IPCC; Intergovernmental Panel on Climate Change) hervor.
Um diese und andere klimarelevante Erkenntnisse in allgemeinverständlicher Sprache einer breiten Öffentlichkeit in Deutschland zu vermitteln, haben das Thünen-Institut für Seefischerei eng mit der Cambridge University zusammengearbeitet. Auf „klimafakten.de“ sind jetzt die Aussagen des letzten IPCC-Sachstandsberichts in deutscher Sprache zusammengefasst.

Fazit:
Die raschen Veränderungen der chemischen, physikalischen und biologischen Bedingungen in den Ozeanen haben direkte Folgen für die Produktion von Fischerei und Aquakultur. Zudem verschärfen sie die Anfälligkeit des Sektors gegenüber nicht-klimatischen Belastungen wie Verschmutzung und Überfischung.

Angelruten-FischenDas Ergebnis sind Risiken für das gegenwärtige und das künftige Produktionsniveau, die Ernährungssicherheit und die Arbeitsplätze in der Fischereibranche. Außerdem könnte die illegale, unregulierte und undokumentierte Fischerei (IUU) zunehmen. Erwärmung und Versauerung der Meere stellen schwerwiegende Gefahren für Korallenriffe dar. Deren Schädigung wird sich sehr wahrscheinlich auf die Fischproduktion in den Tropen auswirken. Daneben erschwert es die Ozeanversauerung Meeresorganismen,Schalen und Skelette auszubilden, und sie stört wichtige Lebensfunktionen von Fischen, etwa den Orientierungssinn.

Eine weitere Gefahr stellen häufiger auftretende, schädliche Algenblüten dar, die die menschliche Gesundheit, die Aquakultur und die Fischerei beeinträchtigen könnten. Der in jüngerer Zeit zu beobachtende Rückgang des Sauerstoffgehalts in den Ozeanen, der durch die vom Land eingetragene Verschmutzung verschärft wird, bedroht Ökosysteme und Fischereiwirtschaft.

Ein gewisses Maß des Klimawandels ist mittlerweile unvermeidlich, weil die bereits in der Atmosphäre befindlichen Treibhausgase ihre Wirkung entfalten werden. Doch je weiter und schneller man den Klimawandel fortschreiten lässt, desto höher werden sich seine Folgen für Fischerei und Aquakultur aufbauen. Auf kurze Sicht wird es möglich sein, sich auf einige Folgen des Klimawandels einzustellen, etwa durch bessere Verwaltung, Bewirtschaftung und Überwachung der Fischbestände. Die Minderung nichtklimatischer Belastungen könnte dazu beitragen, die Auswirkungen des Klimawandels zu begrenzen. Weitere Möglichkeiten zur Anpassung sind die Verlagerung von Fanggebieten oder die Modifikation und Umsiedlung von Aquakulturbetrieben.

Das Potenzial für Emissionsminderungen in der Branche ist begrenzt, aber allgemeine Maßnahmen zum Ausstieg aus fossilen Energieträgern hätten auch Folgen für die Fischwirtschaft. Der Schutz von Mangrovenwäldern, Seegraswiesen und Salzwiesen wird dazu beitragen, die Fähigkeit der Ozeane zur CO2-Speicherung zu bewahren. Zugleich wird die Anfälligkeit für die Folgen des Klimawandels verringert.

”Klimawandel und Ozeanversauerung sind eine wachsende Bedrohung für dieMeeresressourcen, von denen wir abhangig sind. Dieser Bericht kommt zurrichtigen Zeit, um uns an die raschen Veranderungen in den Ozeanen und die Notwendigkeit zu erinnern, dass die gesamte Fischindustrie auf allen Ebenen aktiv werden muss.“
CHRIS BROWN, SENIOR DIRECTOR, SUSTAINABLE BUSINESS, ASDA WALMART