Hamburg, September 2016. Ein Leben ohne Internet ist heute kaum mehr denkbar – weder in der Wirtschaft noch im Privaten. Wir googeln, was wir wissen wollen, streamen, was wir sehen wollen, und verbrauchen dabei unbewusst sehr viel Energie. Das wirft Schatten auf die Errungenschaften des Internets, die mit voranschreitender Digitalisierung künftig noch bedeutend wachsen werden. Facebook, Dropbox, YouTube und Netflix gehören heute zum Alltag, das Internet der Dinge und Cloud Computing sind auf dem Vormarsch. Die hierfür erforderliche Infrastruktur bilden riesige Datencenter auf der ganzen Welt – und die verbrauchen Energie. Mit Abstand größte Stromfresser und Kostenfaktoren: die Kühlung und Befeuchtung der Anlagen.

Europäisches Facebook Rechenzentrum    Foto: Condair Group AGEuropäisches Facebook Rechenzentrum Foto: Condair Group AGZahlen, die für sich sprechen. Etwa 5 bis 10 Prozent des Stromverbrauchs weltweit gehen auf das Internet zurück, schätzt das Fraunhofer-Institut. Ein Bedarf, für dessen Deckung 25 Atomkraftwerke benötigt würden. Die Internationale Energieagentur (IEA) ging 2014 von weltweit 14 Milliarden Geräten aus, die miteinander verbunden sind. Für 2020 rechnet die IEA mit 50 Milliarden vernetzten Devices. Zum einen sind es Endgeräte wie Laptops und Smartphones, die mit Strom betrieben werden. Der mit Abstand größte Energiebedarf entsteht jedoch in den Rechenzentren, in denen Unternehmen gewaltige Datenmengen auf ihren Servern speichern. Und genau davon wird es in Zukunft immer mehr und immer größere geben.

Zeit, zu handeln: Green IT
Es ist also höchste Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, wie für das immer mehr digital ausgerichtete Leben weniger Energie verbraucht werden kann. Das Stichwort lautet Green IT. Der Begriff fasst alle Maßnahmen zusammen, die dazu beitragen, den Energiebedarf in den Informationstechnologien zu reduzieren. Der bei Weitem größte Hebel sind hierbei die Rechenzentren. Bis zu 50 Prozent der für deren Betrieb benötigten Energie werden für die  Kühlung und Befeuchtung der Serveranlagen aufgewendet. Besonders im Hinblick darauf gibt es gewaltiges Einsparpotenzial. Facebook ist in einem seiner Datencenter im Norden Schwedens mit gutem Beispiel vorangegangen.

Schweizer Technologie kühlt Facebook-Datencenter mit 380 Liter Wasser pro Minute
Im Jahr 2013 hat Facebook eines der effizientesten und nachhaltigsten Datenzentren der Welt im nordschwedischen Luleå in Betrieb genommen. Das Besondere: Die Server auf der 84.000 Quadratmeter großen Fläche werden mit kalter Frischluft gekühlt und mit einer besonders effizienten Technologie befeuchtet. Das Schweizer Unternehmen Condair, Weltmarktführer für Luftbefeuchtung und Verdunstungskühlung, hat alle drei Gebäude mit Dampfluftbefeuchtern ausgestattet, um die Feuchtigkeit in den Datenräumen aufrechtzuerhalten. Ohne Befeuchtung würde die Luftfeuchtigkeit auf 2 Prozent sinken. Die Folge wären enorme elektrostatische Probleme und damit der Kollaps des Datencenters.

Das Prinzip dahinter ist einfach: Sobald die kalte Außenluft in das Gebäude gelangt, wird sie mit heißer Luft aus den Datenräumen vermischt. Dadurch steigt die Temperatur, während die Luftfeuchtigkeit sinkt. Deshalb fügen 78 Sprüh- und Dampfluftbefeuchter dem Luftstrom bis zu 22.800 Liter Wasser pro Stunde hinzu – rund 163 gefüllte Badewannen. So entstehen die ideale Luftfeuchtigkeit und hinreichende Temperaturen zwischen 18 und 29 Grad Celsius für die Datenräume. Trotz der enormen Wassermengen, die die Luftbefeuchter in die Atmosphäre bringen, verbrauchen sie insgesamt nur 90 kWh Strom pro Stunde. Die dabei erzielten Energieeinsparungen sind enorm. Den benötigten Strom bezieht Facebook ausschließlich aus regenerativen Quellen. 
All das zeigt: Der digitale Lebensstil fordert seinen Tribut. Die ausufernden Folgen der fortschreitenden Vernetzung werden aufgrund ihrer Tragweite nach Lösungen verlangen – zum Vorteil von weitsichtigen und nachhaltig orientierten Unternehmen, die bereits heute innovative Technologien parat haben, um dem Energiehunger und den Millionen Tonnen an „Internet-CO2“ wirkungsvoll begegnen zu können.

Text: Manuel Speiseder, Condair Group AG, Leiter Marketing und Kommunikation, Einleitungs- und Beitragsbild und Bild unten: pixabay

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