Die SONNENTOR Kräuterhandels GmbH wurde 1988 von Johannes Gutmann im Waldviertel gegründet. Ausgangsidee war, bäuerliche Bio-Spezialitäten zu sammeln und unter dem Logo der lachenden Sonne überregional und international zu vermarkten. Faire Bezahlung, der wertschätzende Umgang mit allen Partnern und der Schutz des natürlichen Kreislaufs des Lebens sind gelebte Firmenphilosophie. 2016 konnte das Unternehmen mit Sitz in Sprögnitz bei Zwettl den 300 Mitarbeiter in Österreich begrüßen, 90 in Tschechien. Nebenbei exportiert Sonnentor seine Produkte über 50 Länder rund um den Globus. Derzeit gehören mehr als 180 österreichische Bauern zur SONNENTOR Familie. Johannes Gutmann erhielt zahlreiche Auszeichnungen darunter Unternehmer des Jahres 2011 und den Klimaschutzpreis des ORF im selben Jahr. 2014 gab es den Green Franchise Award in Deutschland.

Johannes Gutmann © SONNENTOR Johannes Gutmann © SONNENTOR Herr Gutmann, was verstehen Sie unter dem Begriff „Nachhaltigkeit“?
Nachhaltig handelt wer Ökologie, Soziales und Ökonomie enkeltauglich umsetzt. Wir müssen drüber nachdenken, wie WIR mit einer Welt auskommen.

Ein vorbildlich grüner „Eurovision Song Contest 2015“ in Wien, Chocolatier und Mr. Nachhaltikgeit, Josef Zotter, und der Sonnentor-Pionier Johannes Gutmann. Man hat den Eindruck, dass in Österreich nachhaltigen Ideen und deren Vorbilder mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird als in Deutschland. Täuscht die Wahrnehmung?
Es braucht immer Leuchttürme, wo sich andere orientieren können. SONNENTOR hat es besonders mit der Gemeinwohlidee und der messbaren Nachhaltigkeit geschafft, noch glaubwürdiger und transparenter zu werden. Es gibt bereits viele UnternehmerInnen in Österreich und Deutschland, denen gelebte Nachhaltigkeit wichtig ist, besonders viele JungunternehmerInnen haben diese Systemkrisen erkannt und machen neue Geschäftsmodelle daraus die auf fruchtbaren Boden fallen. Wir sind sehr glücklich, auch in Deutschland und anderen Ländern so erfolgreich arbeiten zu dürfen, auch dort werden unsere Ideen und Lösungsansätze geschätzt und geliebt.

Ihre Geschäftsphilosophie – in einem Satz dargestellt.
Leben und leben lassen, um Wertschöpfung mit Wertschätzung langfristig zu ermöglichen.

Sie haben vor 28 Jahren als „Einzelkämpfer“ begonnen mit drei Bauern, die Ihnen ihre Ware lieferten. Peu-à-peu wurde Ihr Unternehmen größer. Heute haben Sie knapp Landwirte in Ö. unter Vertrag. Wie können Sie gewährleisten, dass bei einer so großen Anzahl an Lieferanten wirklich sämtliche Produkte „Sonnentor-zertifiziert“ sind?
SONNENTOR ist von der Idee zur Marke geworden. Wir be- und verarbeiten 100% Bio-Qualität und bemühen uns ständig um Verbesserungen und Weiterentwicklungen im Sinne der Glaubwürdigkeit.

Wenn Sie zurückblicken, was hat sich in Hinblick auf die Lebensmittelindustrie und die Wünsche der Verbraucher verändert?
Die Lebensmittelindustrie verfolgt 100% den Weg der Rationalisierung und Kosteneffizienz, oft ohne Rücksicht auf Soziales und Ökologie.

Herr Gutmann, Sie haben eine spezielle Form der Marktwirtschaft entwickelt. Was verstehen Sie unter „Gemeinwohl-Ökonomie“?
Wir verstehen darunter die messbare Nachhaltigkeit. Dazu gibt es ein Zertifizierungsschema der Gemeinwohlbewegung die auf fünf Säulen beruht und worin alle Auswirkungen des Unternehmens abgebildet sind.

Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag beim Sonnentor-Chef eigentlich aus?
Ich darf im Familienkreis mit meiner lieben Frau Edith und unseren drei Kindern frühstücken, bringe unsere ältere Tochter in den Betriebskindergarten, gehe anschließend in die SONNENTOR Zentrale, um alle ständig anfallenden Kleinigkeiten abzuarbeiten. Ich bin vor zwei Jahren aus dem Tagesgeschäft ausgeschieden und darf wieder Spinnen, Strategie hat keinen Platz im Tagesgeschäft. Ich stehe im Kontakt mit unseren Auslandstochterunternehmungen in Tschechien, Rumänien und Albanien. Ich bringe das Mittagessen, das alle unsere MitarbeiterInnen bekommen, auch nach Hause für meine liebe Frau Edith und Valentin und Severin (unsere zwei Zwillinge). Lea wird im Kindergarten verköstigt. Anschließend geht es wieder in die Zentrale und um 16.00 Uhr hole ich wieder Lea vom Kindergarten ab, um gemeinsam den Abend mit der Familie zu verbringen. 

Ringelblumenernte © SONNENTOR Ringelblumenernte © SONNENTOR Die Sonnentor-Produktpalette gelangt inzwischen in über 50 Länder. In den Zentren von großen Metropolen stehen Sonnentor-Geschäfte. Was für Ziele können Sie als erfolgreicher Unternehmer eigentlich noch haben?
Es gibt so viele Ideen und Möglichkeiten in der Weiterentwicklung. Das nächste Ziel ist die Umsetzung eines eigenen Bio-Bauernhofes im Dorf Sprögnitz entlang der ureigenen Bio-Idee mit geschlossener Kreislaufwirtschaft, Permakultur, Eigenversorgung, Pferdebearbeitung und der Entkoppelung vom agrar-industriellen Weg. Zusätzlich hat Deutschland und Österreich noch ein großes Potenzial an zusätzlichen Franchise-Standorten.    

In diesem Zusammenhang: Wie stehen Sie zu dem Freihandelsabkommen (TTIP) zwischen Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika?
Wir sehen diese Entwicklung äußerst kritisch und haben mit anderen KMUs eine eigene Informationsplattform unter www.kmu-gegen-ttip.com ins Leben gerufen. Uns KMUs wird von der Politik eingeredet, dass wir die großen Gewinner dieses Abkommens sein werden. Auf Grund von belegbaren Auswirkungen von bereits bestehenden internationalen Handelsabkommen wie von NAFTA (Kanada, USA und Mexiko) wo über zwei Millionen Arbeitsplätze speziell in kleinen Strukturen wie Kleingewerbe und Landwirtschaft vernichtet wurden, sehen wir dieses Abkommen sehr kritisch. Wir müssen sehr gewissenhaft abwägen und dann beurteilen, ob das Licht brennt oder nicht. Derzeit tappen wir absolut im DUNKELN!  

Herr Gutmann, danke für das Gespräch

Das Gespräch führte Florian Simon Eiler

Bilder von pixabay- danke

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