More than honeyDie gewöhnliche Honigbiene ist bekanntlich ein Freund der Menschen. Stellt sie uns doch ihren Honig zur Verfügung und – was noch viel bedeutsamer ist – mittels Bestäubung der Pflanzenwelt verhilft sie uns zu einer Menge Obst und Gemüse. Doch dieser Freund ist offenbar in Gefahr. Die Bienen sterben,  massenweise auf der ganzen Welt. Und niemand weiß genau, warum. Der Schweizer Filmemacher Markus Imhoof sucht in seiner einzigartigen Dokumentation "More Than Honey", die am 8. November 2012 bundesweit in den Kinos anlief, nach Antworten.
Unsere Redakteurin, Lin Fischer, hat zum Filmstart mit dem Filmemacher gesprochen.

Herr Imhoof, wenn ich Ihre Filmografie richtig gelesen habe, dann ist dies Ihr erster „Tierfilm“. Wieso fesselte Sie gerade das Thema „Biene“ so?
In einem meiner ersten Filme ging es um die Pferde beim Militär. Die Bienen faszinieren mich seit meiner Kindheit, mein Großvater war Imker - die Bienen waren also gleichsam unsere Haustiere - und meine Tochter mein Schwiegersohn sind Bienenforscher. Am meisten fasziniert mich an den Bienen ihre soziale Struktur im Volk.

Seit ein paar Jahren sterben die Bienen auf der ganzen Welt. Der Mensch braucht aber die Biene zum Bestäuben der Pflanzen, denn ohne ihre Arbeit drohen immense Ernteausfälle. Was steht dem Menschen bevor, falls das Bienensterben nicht aufgehalten werden kann?
Falls es keine Bienen mehr gäbe, wäre im Hamburger kein Salat, keine Zwiebel, kein Ketchup, kein Senf und Fleisch von Kühen, die nie Klee ge-fressen haben. Wir würden sehr traurig in traurige Teller gucken. Nur die Sättigungs-beilagen, z,B Reis und Getreide, werden vom Wind bestäubt.

Das Szenarium der Zukunft: Massenbienenhaltung à la Massenhühnerhaltung inklusive Bienen-Potenzmittel, um die Bienenvölker für den globalen Markt leistungsfähiger zu machen?
Die Massen-Bienenhaltung haben wir bereits in den USA, man sieht in meinem Film einen Imker, dass seine 15.000 Bienenvölker auf Lastwagen durch den ganzen Kontinent fährt. Dass das nicht gesund sein kann, sieht man von bloßem Auge.

Oder könnte der Mensch die Arbeit der Biene ersetzen?
In gewissen Regionen Chinas klettern bereits die Menschen auf die Bäume, um die Arbeit der Bienen zu leisten. So etwas wäre in Europa oder Amerika niemals denkbar, niemand könnte sich mir einen Apfel leisten.

Markus ImhoofIhr Film dauert 90 Minuten. Wie viel Arbeit steckt eigentlich dahinter?
Die Arbeit hat 5 Jahre gedauert, wir sind viermal um den Globus gereist und haben an 100 Tagen 205 Stunden Material gedreht und ein Jahr lang geschnitten.

In der Film-Vorschau sieht man bereits spektakuläre und äußerst beeindruckende Aufnahmen. Ihr Kameramann ist ein Meister seines Fachs. Hatten Sie beide besondere „Lockmittel“ oder arbeiteten Sie mit einer speziellen Technik, um Ihre tierischen Protagonisten vor die Kamera zu bekommen?
Neben dem hervorragenden Kameramann und sehr teurer, komplizierter Technik hatten wir einen Bienenflüsterer, der unsere Bienen betreut hat. Wir haben zum Teil mit Duftstoffen gearbeitet und haben auch Mini-Helikopter eingesetzt.

Sie versuchen in Ihrem Film, die Biene in all ihren Facetten – inklusive der Welt des Imkers - dem Zuschauer nahe zu bringen. Was wäre für Sie die schönste „Katharsis“ im Hinblick auf Ihre Kinobesucher?
Ich hoffe, dass die Zuschauer staunen und dass sie die Bienen lieb gewinnen, dass ihnen die Augen aufgehen für die komplexen Zusammenhänge in der Natur. Ich möchte, dass der Zuschauer sich die Frage stellt: Gehöre ich selber vielleicht auch zur Natur? 

Apropos Katharsis: Herr Imhoof, nach den gewonnenen Einblicken – essen Sie überhaupt noch Honig?
Die meisten Bienen machen mehr Honig, als sie selber fressen können und sie brauchen vor allem auch Pollen, das ist ihre Eiweissreserve. Für die intensive Arbeit, die der Imker für die Pflege der Bienen aufwendet, darf er schon auch etwas von dem Honig haben. Vielleicht sollte man ihnen aber etwas mehr davon lassen, denn Honig ist sicherlich gesünder als Zuckerwasser.

Herr Imhoof, danke für das Gespräch!

Zum Kommentar: „More than honey“ – So geht man nicht mit Freunden um

 

Der Trailer zum Film: