Fünf Künstler, die sich für Umweltfragen einsetzen

Warum fällt es uns so schwer, uns mit dem Thema Klimaschutz so auseinanderzusetzen, dass auf Worte auch Taten folgen? Umweltschutzorganisationen predigen den Klimaschutz schon lange, doch sie finden meist nur unter den Menschen Gehör, die sich von vornherein schon für Umweltfragen interessieren. So dreht sich die Diskussion im Kreis. Wie führt man also die Öffentlichkeit am besten an Umweltfragen heran? An dieser Stelle kommt die Kunst ins Spiel.

Denn genau das kann die Kunst am besten: Sie heizt Diskussionen an, sie reflektiert und eröffnet neue Perspektiven. Sie spricht in einer sinnlichen, universell verständlichen Sprache. So rückt sie der Gesellschaft Themen ins Bewusstsein, wie es die Reden der Politik es niemals könnten.

Diese fünf Künstler und Künstlerinnen haben sich von Umweltfragen inspirieren lassen:

1. Verhüllung und Vergänglichkeit: Christo Vladimirov Javacheff und Jeanne-Claude
Für den Künstler Christo Javacheff darf wahre Kunst keinen Zweck haben. Seine Kunst soll öffentlich, kostenlos, unverkäuflich und vergänglich sein. Denn Kunst gehöre niemandem, sie sei frei und deswegen dürfe sie auch wieder verschwinden.

Das Künstlerpaar hat in seinem Leben 22 monumentale Installationen realisiert. Eine ihrer bekanntesten Arbeiten ist die Verhüllung des Reichstags im Jahr 1995. In nur zwei Wochen kamen circa fünf Millionen Besucher, um den verhüllten Reichstag zu sehen.

Die Galerie Gmurzynska präsentierte im vergangenen Jahr die Ausstellung „Christo and Jeanne-Claude: Works in Progress“. Diese zeigte den Umfang der realisierten und nicht realisierten Projekte des Künstlerpaars. Dazu gehören die Untersuchungen der Ausstellungsorte, die Konzeption des Projekts und deren Umsetzung. Denn das eigentlich Schwierige an diesen Kunstprojekten ist eben deren Umsetzung. Ein Beispiel: Die Installation „Floating Piers“ hatte das Paar schon in den 70ern konzipiert, konnte aber keine Genehmigung erhalten. Schließlich schaffte es das Projekt 2016 doch noch nach Norditalien. 16 Tage lang konnten die Besucher dann auf schwimmenden Pontons über Wasser laufen.

Die Kunst der beiden verwandelt den öffentlichen Raum selbst für kurze Zeit in ein Kunstwerk und verschwindet dann wieder – ein Aspekt, den viele Werke der Umweltkunst gemeinsam haben.

 2. Ein Klagelied für die Arktis: Ludovico Einaudi
Dem Gedanken, Kunst solle keinen Zweck erfüllen, würde der italienische Pianist und Komponist Ludovico Einaudi ("Ziemlich beste Freunde") vielleicht widersprechen. 2016 organisierte er gemeinsam mit Greenpeace eine eindrucksvolle Aktion. Der Pianist trat auf einer künstlichen Eisscholle auf. Diese  trieb auf dem Arktischen Ozean vor der Kulisse des Wahlenbergbreen-Gletschers vor der Küste Spitzbergen in Norwegen. Speziell für dieses Konzert hatte er „Elegy for the Arctic“, ein Klagelied für die Arktis, komponiert. Der Auftritt war ein Protest gegen die Zerstörung der Arktis.

 

3. Die ältesten Lebewesen der Erde: Rachel Sussman
Die Fotografin Rachel Sussman beschäftigt sich hingegen mit Motiven, denen die Vergänglichkeit nicht so schnell etwas anhaben kann. Über ein Jahrzehnt reiste sie durch die Welt und fotografierte die ältesten Lebewesen der Erde. Darunter sind beispielsweise der „Old Tikoo“, eine 9.558 Jahre alte Fichte in Schweden und antarktisches Moos, das über 5.000 Jahre alt ist.

Die Fotos sollen uns – so die Künstlerin – mit einer Zeit verbinden, die weit außerhalb unserer eigenen zeitlichen Komfortzone liegen. Auf jedem Kontinent fand Rachel Sussman uralte Organismen. So ist eine Bakterienkolonie im sibirischen Permafrost zwischen 400.000 und 600.000 Jahre alt und selbst bei diesen eisigen Temperaturen leben und gedeihen die Bakterien.

4. Street-Art für Klimaschutz: Nevercrew
Die Nevercrew sind die zwei in der Schweiz lebenden Künstler Christian Rebecchi und Pablo Togni. Mit ihren Street-Art-Werken machen sie auf Themen wie Klimawandel, Umweltverschmutzung und Ressourcenknappheit aufmerksam.
Ihre Werke weisen meist monumentale Dimensionen auf und sind auf Hauswänden und Mauern in Städten in aller Welt zu sehen. Eines ihrer Werke zeigt einen Eisbären, dessen Hinterbeine von Öl verschmutzt sind. Ein anderes zeigt eine rote, zerdrücke Plastikflasche, in der ein Eisbär gefangen ist.

5. Schmelzende Eisskulpturen: Néle Azevedo
Vergänglichkeit spielt auch in der Kunst der brasilianischen Bildhauerin Néle Azevedo eine zentrale Rolle. Sie fertigt kleine Eisskulpturen von Menschen an und präsentiert sie in Städten überall auf der Welt. So bekommen Betrachter einen unmittelbaren Eindruck des Klimawandels.

2009 wurden 1.000 Eisskulpturen auf der Freitreppe des Konzerthauses am Gendarmenmarkt in Berlin aufgestellt. Die Figuren schmolzen in 30 Minuten – eine wortlose Warnung vor der Erderwärmung.

Künstler haben verschiedene Herangehensweisen, doch eines hat gute Kunst gemeinsam: Sie moralisiert nicht. Sie zeigt die Dinge, wie sie sind, wie sie waren und wie sie einmal sein können, doch hebt dabei nicht den strengen Zeigefinger. Sie lässt das Werk für sich selbst sprechen. So kann, ganz frei von Moralpredigten, eine Diskussion zwischen Naturwissenschaft, Politik und der Gesellschaft entstehen.

Bilder: pixabay,   big merci

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