Heute, am 03.11.2016, ist "Weltmännertag". Aus diesem Anlass bringen wir ein Beispiel, wie sich "Mann" mit allem, was er hat, für mehr Nachhaltigkeit einsetzt. Viel Spaß! 

Viele Menschen versuchen in ihrem Alltag nachhaltiger zu leben. Manche, na sagen wir, sehen das Ganze, ein bisschen zu verbissen.  

Auszug aus einem Tagebuch:
Inhaber der Seiten: Bekennender Markenfetischist, männlich, lebt mit seinem Kater Julius in einer deutschen Großstadt.
Viel Spaß!
 
Sonntag
Ziehe mir mit Julius eine DVD rein. Kult aus den 80ern. Terminator. Traumhaftes Bild auf meinem neuen 46 Zoll Flat. Arnold Schwarzenegger in seinen besten Zeiten. Schön aufgepumpt. Gefühlte fünf Worte bilden seinen Wortschatz. Julius zieht eine Mütze voll Schlaf in seinem Designerkörbchen von Colani vor. Ich finde Arnie einfach klasse.
 
Montag
Gerade habe ich im Radio gehört, dass der Ex-Gouverneur von Kalifornien, Schwarzenegger, bei einer Rede gesagt haben soll, Klimaschutz sei sexy. Arnie hat´s einfach drauf. Spontan bekenne ich mich zu der neuen Idee. Marschiere an vorderster Front einer neuen, quasi sexuellen Revolution entgegen.
Jeder Tag kann nachhaltig seinErste Handlung im neuen "nachhaltigen" Leben - FahrradfahrenErste Handlung: Lasse mir über ein Online-Versandhaus ein T-Shirt drucken mit dem Slogan: „Ich bin sexy, weil ich das Klima schütze.“ Sprinte in den Keller und schleppe mein verstaubtes Fahrrad nach oben. Julius glotzt ungläubig auf die quietschende Fahrradpumpe, während ich mehr Luft in meinen Bizeps als in meine Reifen presse. Gleich darauf geht es in die Redaktion.
 
Wow! Fahrradfahren macht richtig Spaß. Natürlich fahre ich abseits der Hauptstraße und natürlich verfahre ich mich.
Später meint mein Chef, was denn mit mir los sei, ich sei noch nie zu spät zur Arbeit erschienen. Ich, noch völlig außer Puste und verschwitzt, entgegne, dass alles in bester Ordnung sei und Klimaschutz das eine oder andere Opfer von uns abverlangen würde. Mein Chef ringt jetzt ebenfalls nach Luft.
Fühle mich wie neugeboren. Den restlichen Tag bin ich mehr damit beschäftigt, mir meinen persönlichen Aktionsplan auszudenken, als mich auf meine Arbeit zu konzentrieren.
 
Dienstag
Gestern Abend ist Marie mit einer selbstgemachten Ananastorte vorbeigekommen, „die ich doch so gerne mag". Jedenfalls bis gestern. Musste ihr erklären, dass Unmengen von CO2 in die Luft gepustet werden auf dem Weg vom Anbaugebiet der Ananas in Zentralamerika bis zu uns in das Supermarktregal.
Anschließend war sie ein bisschen beleidigt. Heute ist sie die Erste im Bad. Ich klopfe und frage, ob es nötig sei, dass während des Haarewaschens das Wasser weiterlaufen müsse. Maulen aus der Duschkabine. Gerade die Morgentoilette steht bei mir ganz oben auf meinem Aktionsplan. Hier gibt es genügend Einsparpotenzial. Beispiel Rasur. Momentan Vier-Tage-Bart. Überlegung: Rasierapparat frisst Energie. Deswegen nur noch einmal die Woche das Gerät einschalten. Bevor ich noch über meine Dusche nachdenken kann, fällt mir ein, dass ich los muss. Sollte heute vielleicht mal wieder pünktlich sein.
 
Mittwoch
Julius nachhaltige WocheJulius hat das vegetarische Futter "ordentlich gestrichen" sattJulius kaut etwas unmotiviert auf seinem neuen Katzenfutter rum. Gestern habe ich im Internet gelesen, dass die kleinen Tiger wahre CO2-Verursacher sind, rechnet man die Herstellung des Futters, den verursachten Müll und die Sauberhaltung des Katzenklos mit rein. Julius hat das Rumbeißen auf seinem ersten vegetarischen Futter unterbrochen und schaut mich vorwurfsvoll an. Wahrscheinlich kann er Gedanken lesen.
Schlüpfe mit meiner stahlharten Männerbrust in mein neues T-Shirt. Draußen regnet es. Fahre mit der Tram. Viele der Fahrgäste schauen auf mein Hemd und lächeln. Na also. Wirkt! Hier kommt „Hero Man of Climate“. Während ich noch in meinem selbst erfunden Comic schwelge, verpasse ich meine Haltestation. Chef meint, wenn ich so weitermache, sollte ich mir nicht über das Klima Gedanken machen, sondern eher über meinen Job, weil ich bald keinen mehr haben würde. Ich bin tiefenentspannt und weiß, wahre Helden müssen sich ab und zu Herausforderungen stellen.
Höhepunkt des Tages: Ich halte spontan in unserer Kantine ein Referat über den völlig geisteskranken Fleischkonsum der Industrienationen und die damit verbundenen Auswirkungen auf das gesamte Klima auf unserem Planeten. Tosender Beifall von einer Gruppe von Küchenhelfern aus Rumänien. Meine Kollegen wollen lieber das Thema unter sich ausdiskutieren.
 
Donnerstag
Seit gestern hält es Julius nicht mehr lange in der Wohnung aus. Spielt den Beleidigten und beachtet mich gar nicht mehr. Wahrscheinlich geht er hinaus, Mäuse jagen. Auch gut. Wird wenigsten die Regionalität gefördert. Bei dem Gedankenspiel kommt mir eine Idee. Ich gehe zu meinem Metzger und frage ihn, woher das Rindfleisch eigentlich komme. Am Anfang schaut er mich etwas fragend an. „Ach so, Sie sind es Herr Brommer. Ich hab Sie gar nicht erkannt wegen des Bartes.“ Das Fleisch komme von einem nahegelegenen Hof. Das ist mir zu wenig Info. Ich will wissen, wie viel Kilometer der Hof weg ist und wie das Rind mit Vornamen geheißen hat. Tja, das war´s dann. War mal mein Metzger. Als ich den Laden verlasse, ruft mir der Chef noch hinterher, ich solle lieber an Sojawürstchen rumlutschen.
Abends sitze ich bei Kerzenlicht und schaue alte Fotoalben an. Spart Energie und ist mal wieder richtig schön. Bin heute nicht so gut drauf. Auf meine Lieblingsserie „Sex and the City“ zu verzichten, ist echt hart. Julius glotzt demonstrativ den ganzen Abend in die Wohnzimmerecke.
 
Freitag
Heute Vormittag eine Rundmail verfasst mit dem Aufruf, dass jede Kollegin beziehungsweise jeder Kollege doch bitteschön über das Wochenende seinen Computer und das Licht ausschalten möge. Ja, Klima-Held zu sein, ist nicht immer einfach.
Nach der Arbeit treffe ich Marie im Park. Sie wolle mit mir reden. Wir kaufen am Kiosk noch zwei „Latte to go“. Meinen lasse ich in mein mitgebrachtes Senfglas füllen. Das habe ich mal bei einem Amerikaner im Fernsehen gesehen. Spart eine Menge Müll. Marie scharrt unruhig mit den Füßen. Sie kommt sofort zur Sache. Ich hätte mich die letzten Tage stark verändert. Ich sei nicht mehr normal vor lauter Klima schützen.
„Alex, du riechst nicht mehr ganz frisch. Du solltest mal wieder unter die Dusche und außerdem, was soll das mit dem Bart? Lässt Du Dir jetzt einen Vollbart wachsen? Du bist doch total abgedreht!“ Ich lache, habe gar nicht richtig zugehört und frage sie, ob sie wisse, wie viel CO2 man beim Sex erzeuge?
Das war´s dann. Sechzehn Monate futsch. Bevor sie geht, zeigt sie mir noch den Autofahrergruß.
 
 Samstag
Kuh nachhaltige WocheKommt die Milch von Elsa, Sigi oder Margit?Heute komme ich überhaupt nicht auf die Beine. Liege mit einem Kopf im Bett, als hätte ich einen Riesenkater. Julius ist diese Nacht nicht nach Hause gekommen. Klimaschützen ist doch nicht so sexy.
 Irgendetwas läuft falsch. Mein Kater mutiert langsam zur Wildkatze, meine zweibeinige Katze ist auch weg und mein Chef läuft einen persönlichen Feldzug gegen mich. Ich stehe auf, mache mir ein Müsli mit der Milch vom Bauern Gottfried, der ist Luftlinie zirka drei Kilometer von mir entfernt. Ob jetzt die Milch von Elsa, von Sigi oder Margit kommt, ist mir völlig egal. Ich habe heute schon genug Klima gerettet.
 
Bilder: pixabay
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