Eine Frage, die ich mir selbst immer wieder stelle: Sind nachhaltige Kapitalgeschäfte überhaupt möglich? Aktuell richtet sich „Volkes-Zorn“ an den Zinssatz des Dispo-Kredits der verschiedenen Geldhäuser. Die Negativ-Liste führt ein Institut aus Nordrhein-Westfalen mit 18,25 Prozent an. Wahnsinn, oder?!  Hier geht es rein um Abzocke! Sonst um nichts.

Natürlich hat ein Dispo weniger mit Sparen zu tun, viel mehr ist er ein Instrument, kurzzeitig einen finanziellen Engpass auszugleichen. 

Wenn wir uns etwas auf die Seite legen wollen, sind wir Deutschen strukturiert und diszipliniert. 
„Hundert Euro kann ich mir monatlich locker zur Seite legen und meine doch sehr kleine Rente aufbessern", so denken die meisten. Doch was passiert mit diesen hundert Euro Monat für Monat? Haben Sie sich das schon einmal gefragt? Wie arbeiten die Finanzinstitute und Versicherungen, denen sie regelmäßig ihr Geld anvertrauen? Immer mehr Menschen stellen sich diese Fragen. 
grüne AnlagenformenDer Sparer des 21. Jahrhunderts ist kritischer und richtigerweise auch misstrauischer geworden. Er will wissen, ob er an diesem Gezocke, diesem sehr undurchschaubaren Geflecht aus Investoren und Spekulanten, beteiligt ist. Das Geschäft gleicht einem perversen Pokerspiel.

Ethik, Moral, ökologische und sozial-gesellschaftliche Kriterien saßen und sitzen nicht am gemeinsamen Tisch. Die Spieler lassen sich kaum treffender beschreiben, wie sie unser Altbundeskanzler Helmut Schmidt charakterisiert hat: Es gibt drei Arten von Menschen. Die erste, das sind Sie und ich. Die zweite sind Verbrecher. Und dann gibt es noch eine Spezies. Das sind die Spekulanten.“

Bis vor zwei Jahren hatte auch ich bei einer großen deutschen Bank einen "monatlichen Sparer". Ein TV-Bericht hat mich aus meiner "satten" Zufriedenheit  herausgerissen. Genau meine Bank investierte Millionenbeträge in Rüstungsfirmen. Die Tatsache war anscheinend nicht neu, bloß ich hatte mich vorher nie dafür interessiert. Außerdem lassen sich Konzerne nicht so gerne in die Karten schauen, wie sie am Finanzmarkt Milliarden Jahr für Jahr verdienen. 

Rüstungsfirmen sind häufig Teil besonders erfolgreicher InvestmentfondsDer junge Mann im Fernsehen, der durch Streubomben seine Beine verloren hat, berührte mich tief. Denn ausgerechnet meine Bank kaufte seit Jahren und - wahrscheinlich tut sie es heute noch - Aktien des Unternehmens, welches diese todbringenden Waffen, trotz weltweiter Ächtung, sehr lukrativ produzierte. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir das alles egal gewesen. Der Fonds hatte seit Jahren hervorragende Renditen erwirtschaftet. Ich musste nicht lange überlegen: Nach ein paar Tagen kündigte ich meinen Vertrag.

Ein weiteres Beispiel: Immer wieder steht der Allianz-Versicherungskonzern und die Deutsche Bank am Pranger. Nach einer Studie der Entwicklungsorganisationen Oxfam und foodwatch e.V. spekulieren deutsche Banken und Versicherer massiv mit Termingeschäften auf Nahrungsmittel - allen voran und trotz Zusicherung damit aufzuhören die Deutsche Bank. Verlierer sind die armen Menschen in den Entwicklungsländern. Die Preise für Lebensmittel steigen. Noch mehr Menschen werden hungern. Darin keinen Zusammenhang zu sehen, ist einfach naiv. 

Vielen großen Finanzkonzernen ist es egal, wie sie ihren Profit erwirtschaften, Hauptsache sie erwirtschaften ihn. Wir Sparer ermöglichen den Konzernen, viel Geld zu machen. Sie kaufen mit unserem Geld für sich Anteile von Unternehmen, die ethische, soziale und ökologische Grundsätze nicht erfüllen oder ihnen nicht entsprechen oder gegen internationale Normen und Standards verstoßen, wie sie von OECD, ILO, UN und anderen definiert werden. Raffgier treibt immer neuere skurrile Blüten. Die letzte Euro-Krise liefert fast wöchentlich neue Beweise.
 

Was können wir Sparer tun?   

Bevor man sich für ein Geldanlage entscheidet, ist es unerlässlich, sich ausreichend zu informieren. Tagelang durchstöbern wir Websites, Foren und Blogs nach Verbraucher-Bewertungen über Kaffeemaschinen oder das neueste Smartphone. Wir vergleichen Preise in diversen Shops, um ja nicht das günstigste Angebot zu übersehen. 

grüne Anlagenformen werden immer beliebterWenn wir nachhaltig sparen wollen, brauchen wir Informationen. Wir müssen uns diese Informationen holen. Bei dem Makler oder bei den Institutionen selbst. Bekommen wir von einem Fonds oder einer privaten Rentenversicherung keine Offenlegung, aus was sich die Wertsteigerung ergibt, lässt man besser die Hände davon. 

Die Finanzwirtschaft hat den Trend erkannt und lanciert neue Produkte unter dem Deckmantel „grüne Anlageformen“ auf den Markt. Man will hier eine ehrliche und verantwortliche Unternehmenskultur verkaufen. Auch hier gilt: Genau hinschauen! 

Sehr bliebt sind Anlageformen in „nachhaltige“ Agrarkonzerne, welche sich dem Anbau von Palmöl verschrieben haben. Leider sind diese Firmen alles andere als nachhaltig. Sie zerstören ursprüngliche Regenwälder und fördern eine Monokultur, die mit Chemie auf maximale Ertragsleistung getrimmt wird.

Es gibt Verbände für nachhaltige Geldanlagen. Dort kann man sich informieren. Sie überzeugen durch Transparenz und einem strengen Verhaltenskodex der Mitglieder wie  das "Forum für nachhaltige Geldanlagen" (FNG). Seit 2001 ist es der Fachverband für Nachhaltige Geldanlagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zu seinen mehr als 140 Firmen-Mitgliedern zählen u. a. Banken, Kapitalanlagegesellschaften, Versicherungen, Ratingagenturen, Investmentgesellschaften, Vermögensverwalter, Finanzberater und NGOs (non- governmental organisation) sowie rund 20 interessierte Privatpersonen.

 

Trotzdem: Wer nachhaltig investieren will, darf nie blind vertrauen!

Florian Simon Eiler