Nachhaltigkeit – ein Begriff, der in der Gegenwart medial stark überstrapaziert wird. Es ist „in“, nachhaltig zu leben. Viele von uns kaufen bewusster ein, produzieren weniger Müll und interessieren sich für ein treibstoffarmeres Gefährt. Müssten wir Nachhaltigkeit erklären, würden viele von uns wahrscheinlich erst googlen. Also, was steckt konkret hinter dem Wort, das der Berghauptmann Carl von Carlowitz vor 300 Jahren erstmalig erwähnt hat?

Von der Kunst Bäume zu pflanzen

Die österreichische Waldbotschafterin und Hans Kudlich-Preisträgerin Hermine Hackl hat versucht, darauf eine Antwort zu geben – und es ist ihr gelungen.

Sie sucht nicht den Weg über ökologische Katastrophen und den oft überstrapazierten C02-Fußabdruck eines jeden einzelnen von uns. Stattdessen geht sie auf die Menschen zu, die für sich auf völlig unprätentiöse Weise ihren ganz persönlichen, nachhaltigen Weg gefunden haben: Da ist der Fischmeister Franz Hechinger, der den Dingen ihre Zeit gibt. Ein Johannes Gutmann, Sonnentor-Chef und Unternehmer des Jahres 2011, der eine Gemeinwohl-Ökonomie ins Leben gerufen hat und eine Nicole Prop, die einen hochbezahlten Managerjob hinschmiss und mit der Projektleitung vonGreen Care, ein sozial-ökologisches Projekt, dafür sorgt, dass „Menschen aufblühen“.

Von der Kunst Bäume zu pflanzen Rezension ichtragenatur.deGenau das sind die Geschichten, die „verstehen machen“, was es bedeutet, in seinem „Bewegungsradius“ vorausschauend, nachhaltig zu agieren. Autorin Hackl, die seit Januar 2015 als Generalsekretärin für die Kooperationsplattform FHP (Forst Holz Papier) arbeitet und somit für die Koordination entlang der gesamten Wertschöpfungskette Wald/Holz in Österreich zuständig ist, trifft die Leute, „ratscht“ mit ihnen und bringt die Gespräche auf 175 Seiten zu Papier. Dabei stört nicht, dass viele österreichische Persönlichkeiten in der Bundesrepublik kaum bekannt sind. Gerade von der „Nichtangeberei“ lebt dieses Buch, wenn zum Beispiel Georg Starhemberg, Chef des Hauses Starhemberg, darüber spricht, dass „über Jahrhunderte ererbte Vermögen auch in Zukunft nicht nur nach rein marktwirtschaftlichen Gesetzen zu nützen“.

Das Buch „Von der Kunst Bäume zu pflanzen“ ist die Einführungslektüre für Leser, die mehr über das Mega- Wort Nachhaltigkeit erfahren wollen. Das Buch ist im Tyrolia Verlag erschienen. Leichte Verständlichkeit gepaart mit einzigartigen Lebensläufen machen die Publikation zu einem Geheimtipp in der „grünen“ Literatur. 

Florian Simon Eiler

Zum Interview mit Autorin Hermine Hackl
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