SG Naarden/Ndl. - Deutsche trinken jährlich Kaffee aus Milliarden Kaffeekapseln. Den meisten Kapselkonsumenten ist das Abfallproblem durchaus bewusst. Aber auf das stylische Kaffeevergnügen der Umwelt wegen zu verzichten, da muss wohl einiges passieren. Außerdem sehen die großen Hersteller auf dem Markt bislang kein Umweltproblem. Deutschland habe schließlich eine flächendeckende Mülltrennung, und die gebrauchten Kapseln könnten durch das Duale System getrennt und recycelt werden, argumentiert etwa Nespresso. So kaufen die Deutschen jedes Jahr mehr davon. Laut sueddeutsche.de (März 2016) sind es nun drei Milliarden kleine Portionen. Das entspricht ungefähr 5000 Tonnen Müll in Form von Aluminium und Plastik.

Die Kaffeefirma LaCoppa stellt sich diesem glitzerndem Umweltdesaster: Der Hersteller wirbt bei den Kapseln mit dem Erkennungsmerkmal „des grünen Rings“. Dieser soll dem Verbraucher signalisieren, dass die Kaffeekapseln zu 100% kompostierbar sind. Klingt perfekt!

LaCoppa, TeamMark Klep und Lena Johanning in ihrer kleinen "LaCoppa Bar" im Empfang des Büros in den Niederlanden. Foto: privatichtragenatur.de wollte von Mark Klep, General Manager von LaCoppa, und Lena Johanning, Freelance Sustainability Communication Manager, unter anderem wissen, wie viel tatsächlich von ihren Kapseln wiederverwertet wird.

Sie bezeichnen sich selbst als „innovative Kaffeefirma“. Seit wann gibt es LaCoppa? Und wie kam es zu der Idee, eine voll kompostierbare Kaffeekapsel herzustellen? 
Single-Served Systeme bestehen schon seit 1979. Doch seit 2011 wurde es zu einem Lifestyle-Phänomen mit einer daraus resultierenden großen Nachfrage und stetig wachsendem Marktvolumen. Dieser Trend als solches war logisch und gut, denn die Kaffeequalität hat sich deutlich verbessert. Jedoch ist die Umweltverschmutzung der Verpackung der große Nachteil dieses Trends.
Wir wollen einen Unterschied machen. Man kann richtig guten Kaffee trinken, der nachhaltig verpackt ist. Die Verwendung von fossilen Brennstoffen muss enden.

Das Müllaufkommen durch Plastik und Aluminium und dessen Folgen sind erschreckend. Wenn wir nichts ändern, finden wir zukünftig in den Ozeanen pro drei Tonnen Fisch, eine Tonne Plastik. Die Idee Bioplastik aus PLA (Poly Lactic Acid) als Alternative zu fossilem Plastik zu verwenden, ist nicht neu, jedoch unsere innovative Verarbeitung von PLA. Wir haben in den vergangenen vier Jahren die richtigen Bedingungen und technischen Anpassungen erarbeitet, um unser Produkt auf den Markt zu bringen.

Was sind die Materialbestandteile Ihrer „grünen“ Kapseln?
Unsere Kapseln bestehen aus erneuerbaren, pflanzlichen Rohstoffen. Daraus wird in einem Fermentierungsprozess Bioplastik hergestellt. Das von uns verwendete Bioplastik besteht aus Zuckerrohr und Zuckerrüben und nicht etwa aus Mais. Das war eine bewusste Wahl, denn diese Pflanzen stehen in keiner Konkurrenz zu primären Nahrungsmittelquellen. Außerdem sind diese GMO-frei (gentechnisch modifizierte Organismen, Anm.d.Red.) und Bonsucro zertifiziert.

Und nun zur Farbe der Kapseln. Mit welchen Pigmenten werden sie eingefärbt?
LaCoppaZuckerrohr ist die Basis für das Bioplastik. Foto: LaCoppaWir verwenden natürliche Farbpigmente. Damit die Kapseln so schön bunt sind, ist keine Chemie nötig, auch eine Tomate ist knallrot. Sie stellen also keinerlei Gefährdung für die Gesundheit oder für die Qualität des Kaffees dar.

Gibt es durch die besondere Verpackung Aroma-Einbußen?
Nein, wir garantieren vollstes Aroma in einem Schuss. In unseren Kapseln ist eine clevere Versiegelung eingebaut. So bleibt das Aroma drin und der Sauerstoff draußen. Auch diese besteht aus pflanzlichem Material und ist ebenfalls vollkommen kompostierbar. Im Gegensatz zu anderen Anbietern brauchen wir daher keine Aluminiumummantelungen. Denn LaCoppa soll nichts als guten Geschmack hinterlassen.

Wo werden die Kapseln produziert?
Unsere Kapseln werden in den Niederlanden produziert. Auch die Kaffee-Rösterei befindet sich dort. So wird der Kaffee sofort frisch in die Kapseln gefüllt.

Gibt es für den Verbraucher eine nachprüfbare, standardisierte Norm für die Kompostierbarkeit?
Ja, unsere Kapseln sind nach der europäischen Norm EN13432 zertifiziert. Nach dem Gebrauch können unsere Kapseln einfach in den organischen Biomüll geworfen werden. Am Ende des Kompostierungsprozesses, in einer industriellen Kompostieranlage, bleiben nur noch natürliche Produkte zurück: Wasser, Kohlenstoff und Kompost. Die industrielle Kompostierung dauert ungefähr 12 Wochen. Außerdem kann man unsere kompostierbaren Kapseln an dem grünen Ring erkennen. Nur Kapseln mit einem grünen Ring sind kompostierbar und pflanzenbasiert.

Sind die Kapseln kompatibel für alle gängigen Kaffeekapselmaschinen?
Ja, LaCoppa ist mit den marktführenden Nespresso®-Maschinen kompatibel.

Setzt sich die Recyclefähigkeit bei der Verpackung fort?
LogoAuch bei der Außenverpackung haben wir uns eine ressourceneffiziente und umweltfreundliche Lösung einfallen lassen. Die gesamte Pappe ist FSC zertifiziert und kann ganz normal mit Papier und Kartons recycelt werden. Außerdem spart unsere kleine Schachtel über 70 Prozent Pappe gegenüber üblichen Verpackungen.

Sind Ihre teurer als herkömmliche Kaffeekapseln?
Nein, preislich sind sie ungefähr auf einer Höhe mit herkömmlichen Kapseln.

Nach unserem Wissenstand werden LaCoppa-Kaffeekapseln exklusiv in den Müller-Drogeriemärkten vertrieben. Werden wir die kompostierbare Kapsel bald in allen großen Lebensmittelmärkten im Sortiment finden?
Müller war von Anfang an sehr begeistert von LaCoppa. Natürlich würden wir gerne in der Zukunft expandieren, doch zunächst führen wir unsere Zusammenarbeit mit Müller fort.

Ihr besonderer Aroma-Kick-Tipp für die Fußball-Europameisterschaft? 
(lachen) Ganz klar 1:0 für den Ristretto.

Frau Johanning, Herr Klep, vielen Dank für das tolle und informative Gespräch!

Das Gespräch führte Lin Fischer.

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