Fern ab des Massentourismus und einer regen internationalen Beobachtung mausert sich das kleine Königreich Bhutan im Himalaya zu einer nachhaltigen Vorbildregion. Hundert Prozent biologische Landwirtschaft und grüne Energiegewinnung sind beschlossen.

Die knapp 700.000 Einwohner des Landes sollen von den gesteigerten Erträgen aus der Landwirtschaft profitieren, so Bhutans Landwirtschaftsminister Pema Gyamtsho. ButhanNahrungsmittel und der „grüne Strom" werden jetzt schon an die Nachbarstaaten Indien und China gewinnbringend verkauft. Die Bhutaner möchten in zehn Jahren der erste Öko-Staat der Welt sein. Zu dem Aktionsplan gehören Verbot von Pestiziden und Pflanzenschutzmittel, massive Förderung der Biolandwirtschaft und weiterer Ausbau von Wasser -und Sonnenkraftwerken. Vorbildlich.

Zweites Beispiel: Die Nordfriesische Insel Pellworm. Hier setzt man seit Jahren voll und ganz auf die Kräfte der Natur. Etwa die Hälfte der Bürger sind an der regenerativen Produktion aktiv beteiligt. Beispielsweise als Eigner von Windrädern. Vor Jahren beschloss man ein eigenes Energiekonzept. Vorschläge wurden erdacht, entschieden und letztendlich umgesetzt.

Für die Pellwormer war und ist es das Ziel, möglichst viel der gewünschten Energie aus den eigenen Quellen zu beziehen und - sie haben es geschafft. Die 1.500 Einwohner sind energieautark!

Bei beiden Beispielen gibt es Parallelen. Zum einen wollen die Menschen in ihrem Umfeld gemeinschaftlich agieren. Und zum anderen, das ist noch entscheidender, wehren sie sich gegen ein Diktat der Fremdbestimmung. Diese Einmischung von außen hat sich inzwischen verselbstständigt und wir alle wissen nicht einmal, was dafür die genaue Ursache ist. Sind es die gefräßigen Märkte, die auf einem globalisierten Planeten nicht mehr unter Kontrolle zu halten sind? Ist es jeder einzelne, getrieben nach noch Mehr?

Kritiker werden sagen, dass man beide Fälle nicht miteinander vergleichen kann. Im buddhistisch geprägten Bhutan spielt Tradition und Religion eine entscheidende Rolle. Buddha lebte im Einklang mit der Natur. Wenn ein Bhutanischer Bauer einen Baum fällt, muss er zwei wieder pflanzen.

Entscheidend ist, dass sich eine Menge unterschiedlicher Leute in eine Verantwortung begeben und im Kollektiv Entscheidungen treffen.

Elinor Ostrom, die vor zwei Jahren verstorbene Nobelpreisträgerin, war Expertin für Ressourcenökonomie. Lange Zeit hat sie Schweizer Almbauern beobachtet und viel dabei gelernt. Wie staatliche Eingriffe und Verordnungen ein gesundes Ökosystem kaputt machen können. Gleichzeitig kann eine ehrlich funktionierende Bauerngemeinschaft nachhaltig leben.

Von Ostroms Arbeiten müssen wir lernen, wie man gemeinsam das Klima schützen kann und vor allem - mit Respekt für die lokalen Gegebenheiten und Institutionen. Buthan und Pellworm haben diesen Respekt.

 

Jeder von uns kann das auch.

Florian Simon Eiler