Drei junge Männer haben sich aufgemacht, um mit einer Idee die Gesellschaft dazu zu bewegen, gemeinsam „Gutes zu tun". So entstand „bgood", eine soziale Plattform, bei der man für geleistete „gute Taten" entsprechend „gut" belohnt wird. Inzwischen wurden Philipp Wasshuber, Christoph Hantschk und Alexander Hackel für ihr Projekt mit dem Social Impact Award ausgezeichnet (wir berichteten). Außerdem setzte sich das österreichische Startup im Wettbewerb Social Innovation Tournament gegen 342 europaweite Kontrahenten durch und wird bgood im Finale in Mailand zusammen mit 15 anderen europäischen Projekten präsentieren.
Unsere Redakteurin Linda Fischer wollte mehr über diese einzigartige Idee wissen und sprach mit Mitbegründer Philipp Wasshuber.

phillip bgoodGlückwunsch zu den Preisen. Haben Sie mit einer derartig positiven und vor allem europaweiten Resonanz gerechnet?
Auf Resonanz gehofft haben wir, aber damit gerechnet keinesfalls. Für uns sind die Preise ein wahnsinniger Motivationsschub. Als junges Start-up gehen wir durch Höhen und Tiefen. Jedes Ereignis, das uns Mut macht, an unserer Idee dran zu bleiben, ist wichtig.

bgood gründet auf der Idee, gemeinsam „Gutes zu tun". Wie kommen drei junge Männer dazu, eine „soziale" Plattform zu gründen? Gab es dafür einen speziellen Auslöser?
Freiwillige Arbeit oder ökologisches Verhalten war schon lange Teil unseres Lebens. Unsere Taten kamen uns aber im Vergleich zu den großen Problemen unserer Zeit, wie Klimawandel oder Armut, klein und unbedeutend vor. Wir haben daher nach einer Möglichkeit gesucht, uns selbst zu zeigen, dass viele kleine Handlungen zusammen Großes bewirken können. Dass dabei dann eine neuartige Social Community entsteht, war damals noch nicht absehbar.

Unsere Gesellschaft tendiert sehr in die Richtung„Ich" + „mehr" + „grenzenloses Wachstum". Findet in Ihrer jungen Generation ein Umdenken statt zu mehr „Miteinander"?
Auf einem endlichen Planeten kann es kein grenzenloses Wachstum geben. Wir können vor dieser Tatsache die Augen verschließen oder uns ihr stellen. Ich denke, dass es im eigenen Interesse der jungen Generation ist, Alternativen zum aktuellen System zu suchen und das „Miteinander" in den Vordergrund zu stellen. Wir müssen uns fragen, was macht uns glücklicher: gelingende soziale Beziehungen oder das neue Sportauto? Die Zeit, in der wir uns Statussymbole mit dem Geld kaufen, das wir nicht haben, um den Nachbarn zu beeindrucken, den wir nicht mögen, geht langsam zu Ende. Das, was wir sind, wird zählen und nicht was wir vorgeben zu sein.

bgoodWie funktioniert„bgood"? Und wie kann ich als interessierter User da mitmachen?
Auf unserer Website finden sich vielfältige Aufgaben, die von kleinen Alltagsveränderungen wie Abfallrecycling und Stromsparen bis hin zu Nachhilfeunterricht für Flüchtlingskinder reichen. Für jede erfüllte Aufgabe sammeln User good.coins, die auf sozialen und ökologischen Faktoren wie CO2, virtuellem Wasser und Zeit basieren. Somit wird soziales und ökologisches Engagement messbar. Die gesammelten good coins können gegen Belohnungen - wie Theaterkarten, Fitnessgutscheine oder Bio-Produkte - eingetauscht werden. Alle sind herzlich eingeladen, sich ganz einfach auf bgood.at zu registrieren, die Website auszuprobieren und uns Feedback zukommen zu lassen.

Gibt es einen bestimmten „bgood-User" (Alter, Beruf, etc.)?
Unsere User sind im Normalfall zwischen 18 und 35 Jahren alt, haben eine höhere Ausbildung oder streben diese gerade an. Derzeit sind circa zwei Drittel unserer User weiblich. Die Männer holen aber gerade stark auf.

Wählen Sie beteiligte Organisationen und Unternehmen nach besonderen Kriterien aus (sozial, nachhaltig, gesellschaftliches Engagement)?
Grundsätzlich wollen wir niemanden von vornherein ausschließen. Wir möchten es vielmehr unserer Community überlassen, von welchen Unternehmen sie sich belohnen lässt und wem sie ihr Vertrauen schenkt. Es würde unsere Kapazitäten sprengen, jedes beteiligte Unternehmen zu prüfen. Natürlich wünschen wir uns Unternehmen, die einen besonderen Wert auf Nachhaltigkeit und soziales Engagement legen und dies auch mit ihren Produkten zeigen. Wir sind aber auch bereit, Unternehmen auf ihrem Weg zu ökologischeren Produkten und sozialerem Verhalten zu begleiten. Wir wollen kein Nischenprodukt sein. Wir denken, dass die Zeit reif ist, Veränderung auch von etablierten Playern zu verlangen. Für Unternehmen, die sich dem Thema Umweltschutz und sozialem Engagement  bisher noch nicht so stark widmen, kann bgood ein tolles Tool sein.

Die Belohnung für die „guten Taten" erfolgt „Euro-los". Gilt das auch für Sie als „gute Jungunternehmer"?
Bisher haben wir mit bgood noch keinen Euro Gewinn gemacht. Ganz im Gegenteil: Wir haben viel harte Arbeit und Geld in eine Idee investiert, an die wir glauben. Natürlich wollen wir ein Projekt erschaffen, das sich selbst finanzieren kann, um nicht auf Spenden oder Förderungen angewiesen zu sein. Unser Antrieb ist aber nicht der mögliche finanzielle Erfolg, sondern die Veränderung, die wir mit bgood bewirken können. Wäre es nicht toll, wenn jeder Euro, der in Marketing fließt, auch sozialem und ökologischem Engagement zugute kommt?

bgood_Loge„bgood" startete Anfang des Jahres im Raum Wien. Gibt es in Zukunft auch ein „bgood-München"?
Wir haben in den letzten Monaten an einem System gearbeitet, dass es ermöglicht, bgood mit nur zwei Personen und geringen Kosten in einer neuen Stadt hochzuziehen. Wir bewegen uns damit momentan in Richtung Franchisemodell und sind hier auf der Suche nach Geschäftspartnern, die bgood in ihrer Heimatstadt umsetzen möchten. In wenigen Wochen wird bgood in Melbourne starten und wer weiß, vielleicht folgt ja schon bald München. Die Partner werden stets lokal ausgewählt, während die Community global zusammenwächst.

Herr Wasshuber, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute!

Das Gespräch führte Lin Fischer
Fotos:bgood und big merci an pixabay

Vielleicht auch interessant: Social Innovation made in Austria: Social Community bgood.at belohnt ihre User für soziales und umweltbewusstes