Die Auswertungen der Soja-Züchtungsinitiative "1000 Gärten - das Soja-Experiment" vom Bio-Tofuhersteller Taifun und der Uni Hohenheim zeigen erste positive Ergebnisse aus über 1300 Soja-Gärten.

–Ein Jahr ist es her, seit der Bio-Tofuhersteller Taifun gemeinsam mit der Uni Hohenheim "1000 Gärten – Das Soja-Experiment" startete (wir berichteten). Das Ziel der Initiative: die Züchtung neuer, klimatisch angepasster und für die Tofuherstellung geeigneter Sojasorten, um den Sojaanbau in Deutschland voranzutreiben. Eine hierzulande einzigartige Studie, an der sich über 2400 Hobbygärtner, Profigärtner und Landwirte beteiligten. Von den Bayerischen Alpen bis zur Waterkant haben sie im vergangenen Jahr fleißig gesät, gejätet und dokumentiert. Im Zeitraum September bis Oktober war schließlich Erntezeit:

Im Zeitraum September bis Oktober war Erntezeit   Foto: Life Food GmbH  Im Zeitraum September bis Oktober war Erntezeit Foto: Life Food GmbH 15000 Sojaproben aus deutschen Landen
Letztendlich haben 1300 Gärtner 15000 Sojaproben an die Uni Hohenheim geschickt. Die rege Teilnahme und das Engagement der Gärtner haben die Erwartungen von Taifun und der Uni Hohenheim bei Weitem übertroffen. Nun arbeiten die Wissenschaftler unter Hochdruck daran, die Daten auszuwerten. Auch wenn es noch etwas dauern wird bis endgültige Ergebnisse vorliegen – die ersten Resultate sind sehr positiv. So testet Taifun aktuell in der hauseigenen Labortofurei, ob sich die vielversprechenden Sojaproben auch für die Tofuherstellung eignen. Seit Oktober 2016 hat die Landessaatzuchtanstalt der Uni Hohenheim alle Hände voll zu tun. Denn zwischen September und Oktober färbten sich die grünen Sojahülsen erst gelb und dann braun – ein Zeichen für die Gärtner, dass die Sojabohnen reif sind und geerntet werden können. Insgesamt 1300 Pakete mit 15000 Sojaproben erhielt die Uni Hohenheim daraufhin.

Um die Proben analysieren zu können, mussten die Wissenschaftler die Sojabohnen zunächst von den Hülsen befreien. Im Anschluss prüften die Forscher die Sojabohnen auf wertvolle Inhaltsstoffe, wie Eiweiß- und Ölgehalt. Parallel dazu werteten sie die Daten aus, die die Gärtner zum Vegetationsverlauf gesammelt haben. So hatten die Gärtner beispielsweise die Blütenfarbe, Pflanzenhöhe und die Reifezeit der Sojabohnen dokumentiert. Mehr als 70 Prozent der Teilnehmer haben ihre Daten eingegeben und online an die Uni Hohenheim übertragen; die übrigen knapp 30 Prozent hörten aufgrund von Hagel, zu viel Regen, Schneckenfraß oder aus persönlichen Gründen vorzeitig mit dem Experiment auf.

Beste Voraussetzung für den Sojaanbau im Rheintal und im Osten Deutschlands
Mit dem Projekt "1000 Gärten" nutzten die Wissenschaftler die einmalige Chance, bundesweit über 1700 Kreuzungen an verschiedenen Standorten anzubauen. Jeder Gärtner erhielt 12 Saatguttütchen mit unterschiedlichen Sojastämmen.
"Um die Linien regelmäßig über ganz Deutschland zu verteilen, hatten wir das Land in fünf Regionen eingeteilt“, so Dr. Volker Hahn von der Landessaatzuchtanstalt der Uni Hohenheim. Dabei wurde jede Linie doppelt in jeder Region angebaut. "Eines der wichtigsten Studienziele ist für uns, frühreife Sojastämme zu identifizieren“, erklärt Hahn weiter. Die Wissenschaftler suchen also nach Pflanzen, die schneller reifen und somit auch für den Anbau in Regionen Deutschlands geeignet sind, in denen der Sommer kürzer und kühler ausfällt.

Die gute Nachricht: Bei der ersten Analyse konnten sogar mehrere frühreife Sojastämme identifiziert werden. "Diese werden wir dieses Frühjahr noch einmal anbauen, um den Ertrag der Sojapflanzen zu vergleichen“, so Hahn. Generell gilt bei den Sojapflanzen: Je wärmer die Temperaturen, desto früher sind die Sojabohnen reif. Nach ersten Auswertungen lässt sich erkennen, dass sich das Rheintal, aber auch östliche Regionen Deutschlands rund um Berlin, Leipzig und Magdeburg sowie das Donautal in Bayern aufgrund milder Temperaturen besonders gut für den Anbau der Sojastämme eignen.

Die Mitarbeiter von Taifun prüfen, ob sich die Sojabohnen zur Herstellung qualitativ hochwertigen Tofus eignen   Foto: Life Food GmbHDie Mitarbeiter von Taifun prüfen, ob sich die Sojabohnen zur Herstellung qualitativ hochwertigen Tofus eignen Foto: Life Food GmbHDas Zeug zum Tofu: Sojabohnen werden in Labortofurei getestet
Auch besonders eiweißreiche Sojabohnen wurden identifiziert: Einige der getesteten Sojalinien haben einen Proteingehalt von 43-45 Prozent. Damit liegen sie über den üblichen 40 Prozent und haben einen idealen Proteingehalt für die Tofuherstellung. Ob sich aus den vielversprechenden Linien mit hohem Eiweißgehalt tatsächlich schmackhafter Tofu herstellen lässt, prüft nun der Freiburger Bio-Tofuhersteller Taifun: In der hauseigenen Labortofurei werden die geernteten Sojabohnen zu Mini-Tofus verarbeitet. Taifun besitzt 30 Jahre Erfahrung in der Herstellung von Tofuprodukten – als Branchen-Pionier weiß das Unternehmen genau, auf welche sensorischen Eigenschaften zu achten ist, um qualitativ hochwertigen Tofu zu produzieren.

30 Jahre Tofukompetenz und ein Jubiläumstofu
Ende Februar bringt der Markenhersteller Taifun anlässlich seines 30-jährigen Jubiläums einen 300 g Jubiläumstofu natur in den Naturkostfachhandel. Das Besondere daran: Er wird ausschließlich aus deutschen Bio-Sojabohnen hergestellt. Bereits seit 1997 setzt sich Taifun für den Anbau von Sojapflanzen in Deutschland ein. Mit Hilfe der engagierten Gärtner, die an "1000 Gärten – das Sojaexperiment“ teilgenommen haben, konnte nun ein weiterer wichtiger Schritt gemacht werden.

Über Taifun
Die 1987 gegründete Life Food GmbH ist Vorreiter der vegetarischen und veganen Ernährung. Mit seinen Marken Taifun und Tukan bio&vegan ist das Freiburger Unternehmen Marktführer für biologische Tofu- und Tofuprodukte in Europa. Die Sojabohnen für das derzeit rund 40 Produkte umfassende Sortiment stammen aus ökologischem Landbau und werden seit 2017 ausschließlich aus Deutschland, Österreich und Frankreich bezogen. Mit den Landwirten pflegt Life Food langfristige und vertraglich abgesicherte Geschäftsbeziehungen. Das firmeneigene "Landwirtschaftliche Zentrum für Sojaanbau und Entwicklung“ (LZ Soja) arbeitet bereits seit sechs Jahren an der Entwicklung neuer Sojasorten. Seit 2013 beteiligt sich das LZ Soja zudem am Projekt "Soja-Netzwerk zur Ausweitung des Sojaanbaus in Deutschland“ im Rahmen der BMEL-Eiweißpflanzenstrategie.

Über die Landessaatzuchtanstalt an der Universität Hohenheim
Die Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim besteht seit 1905. Ihre Aufgaben orientieren sich an den Erfordernissen einer ressourcenschonenden, umwelt- und marktgerechten landwirtschaftlichen Pflanzenproduktion. Um den Soja-Anbau in kühlere Regionen auszuweiten und die Wirtschaftlichkeit zu verbessern, sind ertragreiche, kühletolerante Soja-Sorten notwendig. Die Arbeiten an der Landessaatzuchtanstalt konzentrieren sich auf die Züchtung proteinreicher Sorten und von Soja-Sorten für die Tofu-Produktion. Sollten Sie weitere Informationen oder Bildmaterial benötigen, können Sie mich gerne kontaktieren. Besuchen Sie auch: www.1000gärten.de

Text: Elisabeth Torge raabengrün - nachhaltig kommunizieren, Einleitungs- Beitragsbild und Bild unten: pixabay

GartenVielleicht auch interessant: Gartenlos ernten