Von unserem nördlichen Nachbarland können wir einiges lernen: Ein staatlicher Aktionsplan zum ökologischen Landbau bringt Schwung in den dänischen Biosektor. Davon profitiert auch die Gemeinschaftsverpflegung. Über 1700 Küchen nutzen inzwischen das Bio-Cuisine Logo zur Auslobung des Bioanteils in Speisen.   

Immer mehr Küchen in Dänemark nutzen das 2009 eingeführte "Bio-Cuisine Zeichen". Foto: Økologisk LandsforeningImmer mehr Küchen in Dänemark nutzen das 2009 eingeführte "Bio-Cuisine Zeichen". Foto: Økologisk LandsforeningDänemark will eine weltweite Führungsrolle im ökologischen Landbau übernehmen und den Anteil der biologisch bewirtschafteten Flächen von derzeitig rund 8 Prozent auf 20 Prozent im Jahr 2020 steigern. Dazu hatte die Vorgängerregierung bereits 2015 einen umfangreichen ökologischen Aktionsplan ("Okologiplan") beschlossen, der auch von der neuen konservativ-liberalen Regierung umgesetzt wird. Das mit Fördergeldern in Höhe von rund 53,6 Millionen Euro ausgestattete Programm kommt bei den Erzeugerinnen und Erzeugern an: Im laufenden Jahr haben sich bis Mitte Juni bereits mehr als 1000 Landwirtinnen und Landwirte um Unterstützung für den Ausbau des ökologischen Landbaus beworben. Mit dem politischen Impuls soll zudem den Einsatz von Bioprodukten in der AHV gefördert werden.

Küchen setzen verstärkt Bioprodukte ein
So hat sich das Verteidigungsministerium dazu verpflichtet und bereits damit begonnen, den Anteil von Biogerichten in seinen Kantinen deutlich zu erhöhen. Rund 1.100 Tonnen Lebensmittel werden dort jährlich serviert. Viele Schulen, Kindergärten, Tagespflegeeinrichtungen und Krankenhäuser folgen diesem Trend. "Vor allem im öffentlichen Sektor gibt es zunehmend Küchen, die Bioprodukte einsetzen", sagt Nicole Danielsen von der Deutsch-Dänischen Handelskammer in Kopenhagen. Und das hat einen einfachen Grund: Der Staat möchte, dass die Biofläche zunimmt und sich der Biosektor insgesamt weiterentwickelt. "Deshalb wollen die öffentlichen Einrichtungen in ihren eigenen Küchen mit gutem Beispiel vorangehen." Daneben gibt es immer mehr Firmen, die sich mit einem Bioangebot in ihrer Kantine profilieren möchten.

Die Küche des regionalen Krankenhauses in Randers (Jütland) verwendet Bioprodukte.Die Küche des regionalen Krankenhauses in Randers (Jütland) verwendet Bioprodukte.Bio-Cuisine Logo
Über 1.700 Küchen der Gemeinschaftsverpflegung nutzen aktuell das im Jahr 2009 in Dänemark eingeführte Bio-Cuisine Logo.
Es soll Caterer, Kantinen, Restaurants und andere Küchen dazu anregen, verstärkt biologische Produkte bei der Zubereitung der Speisen einzusetzen. Drei verschiedene Varianten des Logos informieren die Gäste über den Anteil der biologischen Zutaten.

Bio-Cuisine Logo

  • 30 – 60 % biologische Zutaten beim Logo in Bronze
  • 60 – 90 % beim Logo in Silber
  • 90 – 100 % beim Logo in Gold

Die dänische Fachbehörde für die Lebensmittelüberwachung vergibt das Logo. Das Verfahren ist unkompliziert, pragmatisch und für die Küchen kostenlos: Über eine Onlineregistrierung geben die Küchen ihre Daten zum Einsatz der Bioprodukte an – zusammen mit den Rechnungsbelegen für den Einkauf. Nach zwei bis vier Wochen erhalten sie einen Bescheid und können – bei erfolgreicher Prüfung – ihre Speisen mit dem Bio-Cuisine Logo ausloben. Vorgesehen sind zudem Stichprobenkontrollen, bei denen die Küchen alle Angaben vor Ort belegen müssen. Zudem erhalten die Küchen über den dänischen Verband für Ökolandbau ("Økologisk Landsforening") Unterstützung für ihre Marketingmaßnahmen.

Webseite zeigt den Weg zur Bioküche
Auf einer fortlaufend aktualisierten Webseite (siehe unten) kann man die Restaurants, Caterer, Kantinen, Cafés usw. finden, die ein Bio-Cuisine Logo verwenden. Ein Blick auf die Onlinekarte zeigt, wo die regionalen Schwerpunkte liegen: Natürlich im Großraum Kopenhagen und in größeren Städten wie Aarhus, Aalborg oder Silkeborg. Aber die Symbole für die verschiedenen Küchentypen finden sich verteilt über das ganze Land. Offensichtlich hat der Trend zu mehr Bio in der Außer-Haus-Verpflegung ganz Dänemark erfasst.  

Die Hotel- und Restaurantschule aus Viborg präsentiert sich mit dem dänischen Biologo auf einer Food-Messe in Kopenhagen. Foto: Økologisk LandsforeningDie Hotel- und Restaurantschule aus Viborg präsentiert sich mit dem dänischen Biologo auf einer Food-Messe in Kopenhagen. Foto: Økologisk LandsforeningErfolgsfaktoren
Neben der gezielten Förderung durch die Politik spielen auch die Megatrends in der dänischen Küchenlandschaft eine wichtige Rolle. "Bio, saisonal und innovativ" seien die typischen Attribute der "New Nordic Cuisine", so der Dänische Fachverband der Land- und Ernährungswirtschaft. Diese innovativen Küchen werden in den nächsten Jahren verstärkt auf Reinheit, Tierwohl und Nachhaltigkeit setzen. Mit eine Rolle für den Erfolg des dänischen Bio-Cuisine Logos spielt sicher auch, dass es auf den Erfahrungen des 2001 eingeführten Smiley-Systems aufbaut. Alle Lebensmittelbetriebe werden nach unangekündigten amtlichen Kontrollen mit Smileys in fünf "Mundwinkel-Kategorien" bewertet. Die Auslobung des Bioanteils erfolgte in Anlehnung an das in Dänemark erfolgreich eingeführte Smiley-System.

Die Verbraucherinnen und Verbraucher sind es gewohnt, auf solche Zeichen zu achten und darüber etwas über die Qualität der Lebensmittel zu erfahren. Kurz gesagt basiert der Erfolg von Bio in der dänischen Gemeinschaftsverpflegung auf drei Säulen: Der staatlichen Förderpolitik für den ökologischen Landbau, einer wachsenden Sensibilität auf Verbraucherseite und einem professionellen aber gleichzeitig einfach zu handhabenden System der Umsetzung. Marktexpertin Nicole Danielsen ist sich deshalb sicher: "Der Trend in Richtung Bio wird sich in den dänischen Küchen weiter fortsetzen."

Text und Bilder:ökolandbau.de, Einleitungs- und Beitragsbild und Bild unten: Pixabay

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