Glosse zum Kaffeekapselwahnsinn oder wie Georg Clooney Ihnen die Frau ausspannt

Liegt Ihre Frau seit einiger Zeit sich wohlig räkelnd im Bett? Und seufzt dabei sehnsüchtig im Halbschlaf den Namen „George“, „George“? Na,...?! Ihre Lösung, um dem nächtlichen Seitensprung Ihrer besseren Hälfte ein Ende zu bereiten: Raus aus den Federn, rein in die nächste Shoppingmeile und Run auf einen dieser stylischen Kaffeeautomaten. Zur Orientierung: Steuern Sie den Laden mit dem attraktivsten weiblichen Personal an! Wenn Ihnen dann noch ein Mann im weißen Smoking die Tür öffnet, sind Sie absolut richtig.

Die Kunden-Verarsche beginnt beim Eintreten in den Laden
Wow! Hier ist alles stylisch, alles schön. Myriaden von bunten Kaffeekapseln mit malerischen Namen wie Volluto, Capriccio und Ristretto leuchten Ihnen entgegen. Und „Mann“ möchte sie natürlich alle besitzen, sich darin baden im Kaffee-Vollrausch. Begehrt werden wie „der gute alte George“, „the Sexiest Man alive“.

KaffeekapselnTonnen von Kaffeekapseln wandern über die VerkaufsthekenDu Vollpfosten“, meldet sich Ihr beleidigtes Ego, „was mach’ ich hier eigentlich?“ Unisono doziert Ihr nachhaltiges Gewissen: „Ist es nicht so, dass diese millionenfach-verkauften Aluminium-Kapseln ein absoluter CO-Gau sind? Kaum ein anderes Material ist in der Herstellung so energieaufwändig! Denn um aus dem Ausgangsstoff Bauxit ein Kilogramm Aluminium zu gewinnen, werden 14 Kilowatt-stunden elektrische Energie benötigt. Bei der Stromerzeugung werden dabei in Deutschland durchschnittlich 8,4 Kilogramm Kohlendioxid frei. Und von wegen Recycling! Nur etwa 70 Prozent der Metallkapseln landen in der BRD im Gelben Sack. Ein bunter, metallener Müllberg so hoch wie der K2.“ Filmriss.

„Kann ich Ihnen helfen?“ Eine smarte Verkäuferin blinzelt Sie verführerisch an. So müssen Engel aussehen! „Mann“ reagiert klassisch konditioniert: Sie kaufen eine Maschine MAESTRIA Rosso mit verschiedenen Kapseln wie Fortissio Lungo  und Decaffeinato Lungo.  Beim Verlassen des Ladens werden Sie von einem Passanten angerempelt, was zur kurzzeitigen Unterbrechung o.a. Engel-Wirkung führt: „Hey, Du Öko-Konsument!“, schreit mein grünes Gewissen lautstark, „das große „N“, das überall im Laden zu sehen war, bedeutet aus Kundensicht „Du Niete“! In Nespresso-Maschinen passen nur Nespresso-Kapseln! Als Kunde ist man folglich dazu genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen! Ein Pfund Kaffee in Kapseln kostet umgerechnet 35 Euro!“

Gott John Malkovich gierig auf Kapseln
Ich bin nun hellwach. Bekomme Panik. Hier geht etwas nicht mit rechten Dingen zu. Ich beginne zu laufen, die Rolltreppe runter, Abkürzung durch den Erotik-Shop. Raus auf die Straße. Autoreifen quietschen. Jemand packt sie am Arm und zerrt Sie ins Innere des Wagens. „Nein, bitte nicht...!“ Es ist der Mann im weißen Anzug. Ihr Gedächtnis überlegt, woher es den Mann kennt...

Als Sie aus dem Wagen steigen, haben Sie Ihre Kaffeemaschine Schweizer Fabrikats unter dem Arm und eine einzige Kapsel mit Caramelito-Geschmack in der Hosentasche. Der Rest wurde Ihnen von Gott „John Malkovich“ abgeluchst.

SuperheldSo mancher Kaffeekapseltrinker fühlt sich als SuperheldWie ein begossener Pudel trotten Sie nach Hause. Beim Öffnen Ihrer Wohnungstür knallt hinter Ihnen ein Klavier auf die Straße. „Hallo, Schatz“, hauchen Sie Ihrer Frau ins Ohr, während Sie unter die Decke schlüpfen. Ihre zitternde Hand hält eine frisch-duftende Kaffeetasse in der Hand. Ihre Angebetete schnuppert: „Ohh George...“, flüstert sie, „wo warst Du?“ „Ich war nur kurz Zigaretten holen.“ Mit stolz geblähter Brust kuscheln Sie sich in Ihr Fair-Trade Baumwollkissen. „Ach ja...!“ Sie wissen nun ganz sicher, Werbung funktioniert bei anderen, aber nicht bei Ihnen selbst.

Florian Simon Eiler

Bilder: Pixabay

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Der Kommentar zum Kaffeekapselboom oder der Film dazu :-)