Aufgepasst liebe facebook-Kinder und Freunde des digitalen Gezwittscheres! Noch vor dreißig Jahren gab es Menschen, die ohne laptop und iphone gesellschaftlich etwas bewegt haben. Und das ist wörtlich zu nehmen. Sie haben ihren Körper physisch in Bewegung gesetzt. Also no home office, sondern richtig Action. Hätte es youtube in dieser Zeit gegeben, wären diese Filme sicherlich tausendmal geklickt worden. Und das Tolle daran ist, diese Beweger haben mit ihrer Energie andere Menschen für ihre „Idee" begeistern können. Quasi ein „Gefällt mir" - Drücken in den 80igern.

Und wie funktionierte das alles? Nehmen wir Ursula Sladek, die Umweltpreisträgerin 2013, als Beispiel. Fünffache Mutter und nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl mit einer „Riesen Wut" im Bauch. Sie ging in ihrer Heimatgemeinde, Schönau im Schwarzwald, von Haus zu Haus, um für ihre frisch gegründete „Bürgerinitiative Eltern für eine atomfreie Zukunft" zu werben. Nur nebenbei bemerkt: Heute würde man eine kostenlose Seite bei facebook eröffnen, ein Bild mit dem gelben Warndreieck „Achtung radioaktive Strahlung" uploaden und -  fertig ist die Protestseite. Klingt wesentlich einfacher und unaufgeregter.

Tja, Aufregung gab es vermutlich bei Ursula Sladek genügend. Klingelten in der damaligen Zeit nicht nur die Heiligen Drei Könige an der Wohnungstür der Schönauer. Baten darum, ihren Segen loszuwerden und ihre Initialen mit Kreide an den Türrahmen zu schreiben. (Anm. d. Red.: In der damaligen Zeit benutzte man ab und zu noch Kugelschreiber und Kreide, um eine Nachricht zu hinterlassen.) Ganze Horden von Staubsaugervertretern, Zeugen Jehovas und Postboten mit unbeliebten Umschlägen vom Finanzamt säumten die Gehsteige. Verbissen sich wie Bull-Terrier an der gutbürgerlichen Wohnungsklingel und erhofften so, den einen oder anderen persönlich anzutreffen. Dieses Gebaren ist vergleichbar mit Spam-Mails heute. Nur lästig und verursachen Scherereien.

Nur zu gut kann man sich vorstellen, wie die Lehrerin vor verschlossenen Wohnungstüren stand oder um ihr Leben rennen musste, wenn der vierbeinige Hasso sie mit dem Briefträger verwechselte. Aber die Aktivistin gab nie auf. Machte in den wirtshauseigenen chatrooms Infoveranstaltungen. Dort lernte man sich kennen, diskutierte bei einem Bier und stritt über Vor- und Nachteile einer neuen grünen Stromenergiegewinnung. Unter dem anarchischen Namen stromrebellen.de wuchs die kleine community schnell weiter und irgendwann hatte man so viele follower, dass1997 der erste deutsche Ökostromanbieter „Elektrizitätswerke Schönau" entstand.

Conclusio: Rein gefühlsmäßig gab es das Internet schon immer. Nur war die dafür benötigte Technik früher noch nicht vorhanden, und man musste sich mit anderen Mitteln helfen. Für Arabische Frühlinge und ökologische Revolutionen hat das Netz eine Menge an Positivem bewirkt. Unbestritten ist, dass Bewegungen ohne charismatische Vertreter aus Fleisch und Blut früher oder später crashen...

Florian Simon Eiler   

Lust auf mehr "grüne" Glossen? Hier klicken!