Sich an Weihnachten mal ordentlich die Oberkante zu geben, war auch schon mal einfacher. Der Trinkfreudige erinnert sich noch allzu gerne an die „gute alte Zeit“. Früher ist man gemütlich durch 1,30 Meter hohe Schneeverwehungen gestapft – schon allein das macht durstig – und hat sich dann am Stand der „Freiwilligen Feuerwehr Hinterdupfing“ gemütlich ein paar „heiße“ Tassen genehmigt. Die Menge hat ausgereicht, um schön angedudelt mit einiger Zielgenauigkeit nach Hause zu wanken. Doch damit ist nun Schluss.

Glaubt man der Studie des Ernährungsportals nu3.de, die über 60 Glühweine auf Weihnachtsmärkten in der Republik getestet hat, ist in den Bechern der Nation alles andere als Wein zu finden. Was man hingegen in ausreichender Menge entdeckt hat, ist Zucker. Spitzenreiter – wie bei vielen anderen Sachen - die Stadt Dresden. 301, hauptsächlich Zuckerkalorien, auf 200 Milliliter. Respekt, da werden selbst die von Coca-Cola neidisch. Mit so einer ordentlichen Energiezufuhr schafft man es leicht nach Berlin. Hier hat man auf einem Christkindlmarkt in einer Tasse 279 Kalorien verflüssigt. Jetzt ist natürlich klar, dass ein trinkfreudiger Franzose oder Schwede an der Holzhütte lehnt und sich wundert, wenn er nach der sechsten Tasse noch nichts spürt.
Doch das Fest der Liebe sorgt beim Glühwein-Genuss für noch mehr Ernüchterung: Öko-Test hat bei seinen hochprozentigen Analysen herausgefunden, dass in dem Gepantschten neben Unmengen an Zucker allerlei Aromen und überflüssige Konservierungsmittel zugesetzt sind. Als große Enttäuschung für die vorweihnachtliche Kehle erwiesen sich auch manche Bio-Produkte. So überschritt ein Bio-Glühwein den gesetzlichen Grenzwert für Kupfer und ist damit als nicht verkehrsfähig zu beurteilen.

Ohh, liebes Christkind, da sehnt man sich in die Zeit des Conditum Paradoxum zurück. Ein Becher hat ausgereicht, um einen römischen Legionär nackt durch den fast gefrorenen Rhein schwimmen zu lassen. Vielleicht stammt von so einer, hoffentlich glücklich abgeschlossenen Aktion, der Ausdruck „blau sein“.

Egal, wie man es dreht und wendet. An Weihnachten geht es leider immer mehr Profit und Umsatz. Apropos Umsatz. Damit überhaupt etwas leuchtet, wird wohl der Umsatz an roten Nasen nach oben schießen…

 Florian Simon Eiler

Fotos: pixabay,   big merci

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