Seit jeher haben Menschen Fragen gestellt. Ziel war und ist es, eine persönliche Wissenslücke zu füllen. Auch erwähnenswert, dass manche Weiblein und Männlein die Fragerei gerne zur Selbstinszenierung nutzten und weniger zur Horizonterweiterung. In der Menschheitsgeschichte sind diese Verbalisierungen eher unbeachtet geblieben.

Es sind die nachdenklichen und einfachen Sätze, die es zu Weltruhm gebracht haben. Oft befragte sich der Fragende selbst. Eine Art Selbstinterview also. Was in gewissen geschichtlichen Epochen sicher von Vorteil war. „Ist die Erde, auf der wir leben, überhaupt eine Scheibe?“ Dieser Informationsdurst konnte, laut auf dem Florenzer Marktplatz ausgesprochen, für einige Unannehmlichkeiten des Fragenstellenden sorgen.
Ein paar Jahre später ließ sich ein Prinz aus Dänemark zu einem nicht minder opulenten Monolog hinreißen: „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage.“
Nach über 400 Jahren sicherte sich ein Journalist der „Rheinischen Post“ einen weiteren Platz im Olymp der Personen, die die Menschheitsgeschichte mit ihrer Neugier nachhaltig beeinflusst haben. Bisher wird über die exakte Formulierung der Frage noch heftig diskutiert und gestritten. Sie könnte ungefähr so gelautet haben: „Herr Gabriel, die Grünen haben sich in ihrem Wahlprogramm für ein Tempolimit von 120 auf deutschen Autobahnen ausgesprochen. Was denken Sie darüber?“

Die Geschichte hat uns bekanntermaßen folgendes gelehrt: Erstens wird jedes verbotene Fragespiel immer publik. Zweitens setzt es im Plebs ein Phänomen in Gang. Die ursprüngliche Frage gebiert in den Köpfen Tausender neue Fragen und Antworten.

Ob sich der Schreiber dieser Tatsache bewusst war, darf angenommen werden. Hat er doch gleich die Antworten des obersten Oppositionspolitikers schwarz auf weiß in die Öffentlichkeit getragen. Öl in eine sich hinflackernde Flamme gegossen. Der ADAC verwies sofort auf seinen in der deutschen Verfassung fiktiv verankerten Artikel „Freie Fahrt für freie Bürger!“ Im Geiste, besser gesagt in Albträumen, sieht seitdem die Automobilindustrie ihre PS-geilen Offroadwagen als Ladenhüter stehen. 120 Kilometer in der Stunde – die Schimäre daraus: vielfache Entlassungen in der KFZ-Branche! Und das gemeine Volk? Ist erst einmal aufgescheucht. Viele erbost, andere verunsichert. Volkssport „Raserei“ im Niedergang? So manches Blei gelangt jetzt nicht mehr in den Fuß, bleibt im Hals stecken. Demgegenüber ein Fragenkatalog. Wie viel Tonnen CO2 kann mit einer möglichen Beschränkung im Jahr eingespart werden? Wie viele Unfälle und Staus können damit vermieden werden? Warum klappt es in ganz Europa und bei uns nicht?

Ein sachliche Diskussion bleibt auf der Strecke. Der Typ mit der Scheibe empfand es sicherlich genauso. Galileo Galilei musste sich, wie es in der Renaissance bei solchem Fragespiel üblich war, vor der Inquisition verantworten und wurde dort - diesmal umgekehrt - richtig ausgequetscht. Für Ketzer galt die Todesstrafe. Ähnlich müssen sich der Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und Sigmar Gabriel gefühlt haben. Ersterer hat sich sofort von allen Überlegungen seines Parteifreundes distanziert. Letzterer hat vollständig widerrufen.

Am Boden kriechend entsagte auch Galileo Galilei dem Teufel. „Nein, die Erde ist nicht rund – sie ist eine Scheibe.“ Jahre später stellte sich heraus, dass seine Aufzeichnungen richtig waren und seine Rumfragerei die Menschheitsgeschichte entscheidend beeinflusst hat. Der Erde dreht sich bekanntermaßen als Kugel um die Sonne. Das weiß jedes Kind.

Vorschlag für die Einführung des Tempolimits auf deutschen Autobahnen. Der 20. März 2015! Datum der nächsten Sonnenfinsternis. Ist dem Umstand und der geschichtlichen Bedeutung würdig angemessen.

Fotos:pixabay,   Herzlichen Dank

Florian Simon Eiler

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