Ein deutsches Kulturgut geht vor die Hunde, und keiner hat etwas davon bemerkt. Nein, es ist nicht Heino, der mit seiner Interpretation von Texten nationaler Kultbands dem deutschsprachigen Song den Rest gibt. Es geht um Golf.
Landauf, landab wird zwecks Zeitvertreib gerne mal der Schläger geschwungen. Das Naturell des Golfers ist eigentlich recht gemütlich. Nur für einen kurzen Moment sammelt er seine ganze Kraft und drischt diese dann sprichwörtlich auf einen kleinen weißen Ball ein. Begleitet von „Ahs“ und „Ohs“ – Voraussetzung, der Ball wurde richtig getroffen, – guckt das Sportvolk dem selbigen bei seinem Flug hinterher. Es wird geputtet, gechippt und Golfplätze sind von der Stromabgabe befreitDie FDP liebt den GolfsportDie FDP meint es mit den Golfern gutzwischen Loch neun und zehn lässt man sich gerne von seinem Caddy ein Glas Champagner zur Stärkung reichen. Apropos reichen. Auf dem Golfplatz ist man reich! Oft reicht man sich die Hand und der eine oder andere erreicht das Herz einer Frau. Altbundespräsident Walther Scheel, FDP, hat bekanntermaßen seine zweite Frau „Barbara“ auf dem „Grün“ kennengelernt. Hier erhält der Satz „unsere Liebe musste viele Schläge aushalten“ eine völlig neue Bedeutung.
Der Reformeifer der Liberalen in der Stromnetzentgeltverordnung im Jahre 2011 also eine reine Herzensangelegenheit. Golfplätze können sich seitdem über schöne Rabatte und teilweise sogar komplette Kostenbefreiung freuen. In der Golferzunft würde man von einem „Sweet spot“ sprechen. Ist dies der ideale Punkt am Schlägerkopf. Trifft man den Golfball dort, erzielt man maximale Weite bei minimalen Vibrationen. Trotzdem drängen sich für den Rabbit (Anfänger im Golfsport) folgende Fragen auf: „Verbrauchen Golfanlagen ähnlich viel Strom wie die Schwerindustrie? Und, oder: Steht es um die Branche so schlecht, dass man nach jedem Strohhalm greifen muss? Vorbei die Zeiten mit einem immer entspannten „Fußballkaiser“, der beim Abschlag den Eindruck erweckte, er könne den Ball bis in die Allianz Arena hineinbefördern. Für was Genfer Autosalon? Früher schlich man sich auf den Clubparkplatz und drückte seine Nase an den Scheiben von Maybachs, Ferraris und Lotusse platt.

GolfbälleEs kann davon ausgegangen werden, dass der Richter des Oberlandesgerichts Düsseldorf entweder schwerhörig ist und keinen einzigen Ton dieser Nänie wahrgenommen hat oder mit Golf wenig am Hut hat. Das Gericht kippte vor ein paar Tagen die Befreiung „großer Stromverbraucher“ von den Netzkosten.

Doch wo nichts mehr zu holen ist....

Insider berichten, dass sich seit dem Urteil das „Yips-Phänomen“ unter den Aktiven rasend schnell ausbreitet. Eine wohl psychisch bedingte Golfer-Krankheit, die zu Zittern beim Putten führt. Ohhh Gott... Wer hätte das gedacht?

Sympathischer erscheint dieses Bild: Der Golfer von morgen macht keine „Ahs“ und „Ohs“ mehr, vielmehr hört man ein „Args“ und einen kruden Flucher, wenn er mit seinem E-Bike die Auffahrt zum Vereinsheim „hochpedalt“. Das ist sein Beitrag zur Energiewende.

 

Florian Simon Eiler