Vito Nicastri ist ein Familienmensch und Geschäftsmann per excellence.

Bleiben wir zuerst beim Geschäftlichen. Der Süditaliener begann als einfacher Elektriker. Aber anstatt sich ständig mit Kurzschlüssen und Witwen herumzuschlagen, bei denen der Fernseher mal wieder ausgefallen war, wollte er sich um die ganz großen Dinger kümmern. Er merkte schnell, dass er ein Macher, ein „uomo energico “ ist. Von da ab plante er Windkraftanlagen, und das verdammt gut.
Mafia und die WindenergieSo mancher Italiener steckt viel Geld in die WindenergieWie ja der Italienkenner weiß, ist um die Stiefelspitze immer eine steife Brise zu finden.
Der gute Vito hatte schnell viel zu tun. Und jetzt kommt es zum Faszinosum. Je mehr er schuftete und von Zuhause weg war, umso mehr konnte er sich um seine Familie, die „famiglia“ kümmern.
“Mir gehts prächtig, die Sonne scheint mir aus dem Arsch!”. Wie oft der 57-Jährige auf dem Höhepunkt seines Schaffens diesen Satz von Don Vito Corleone, alias Marlon Brando, rezitiert hat, ist nicht bekannt. Genauso wenig bekannt ist, wie viel Sonnenstrahlen er momentan auf gewisse Körperteile abbekommt.
Der „Herr der Winde“ wie Nicastri gerne in seiner Heimat genannt wird, sitzt seit April 2013 in einem italienischen Gefängnis. Bis dahin hatte er für seinen „capo di tutti i capi“, Boss der Bosse, Matteo Messina Denaro, Chef der Cosa Nostra und nebenbei einer der gefürchtesten Verbrecher weltweit, munter in die Ökostrombranche investiert.
 
Vito, der Familienmensch, war für die Drecksarbeit zuständig: Er besorgte geeignete Ländereien, bürokratische Hürden und notwendigen Genehmigungen erledigte er mit dem Kofferprinzip. Mit vollem Geldkoffer rein in die Behörde und mit leerem wieder raus.
Eine fortunato-Methode ist auch das Überzeugen mit guten Argumenten: „Entweder kommt seine Unterschrift auf den Vertrag oder sein Gehirn." Der Sizilianer selbst kassierte 15 bis 20 Millionen Euro für ein mittleres Windpark-Projekt. Fahnder aus Palermo und von Europol schlagen Alarm: Die italienische Mafia investiere zunehmend in die Ökostrombranche. Das lohnt sich doppelt für die sizilianischen Clans. 
Zum einen gibt es EU-Zuschüsse und Steuervorteile, zum anderen dient das windige Geschäft der Geldwäsche.
Italien und die WindenergieIn Italien gibt es regelmäßig eine steife Brise Das Europäische Polizeiamt macht also Radau – sicherlich berechtigt. Brüder, Söhne, Tanten, Neffen und Mamas gibt es von der „Familie“ auf der ganzen Welt verstreut und Wind auch.
Bei uns zum Beispiel: gleich hinter Helgoland. 27 Windparks wurden bereits genehmigt, achtzig sind geplant. „Fantastico“ für ein kleines „Investimento“. Umweltministerin Barbara Hendricks, unser „Capo“ für Umwelt, hat sofort reagiert und einen kleinen mobilen Schrein in ihrem Büro aufbauen lassen. Ist sie in Berlin oder mal kurz hinter Helgoland, am Morgen und am Abend huldigt sie dem Windgott für eine beständig gute Brise. „Halte mir jede Flaute fern“, murmelt sie noch bevor sie wieder einen dieser Träume hat, indem ein Pferdekopf sie am Morgen im Bett begrüßt.
 
Bilder:pixabay
 
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