Chemie im Fisch - diese Meldung verdirbt dem Einen oder Anderen den Appetit auf das Weihnachtsmenü. Die Perversion mit der wir heute unsere Gier nach den Meeresbewohner stillen, kennt keine Grenzen. Hier unsere Glosse zu dem Thema:

Irgendwann, vor ein paar Millionen Jahren, hatte der Ururopa des Homo Sapiens die Schnauze voll von der ewigen Plantscherei in dem feuchten Etwas und kroch an Land. Seitdem ist das Verhältnis zwischen Menschen und Fischen, na sagen wir, etwas angespannt. Während sich die Fische in ihrem Element häuslich einrichteten, hatten die Typen im Trockenen nichts Besseres zu tun, als sie heimtückisch in Netze zu locken und anschließend zu verspeisen, oder wie die unter Dauerlangweile leidenden Römer, als Zierfische in Aquarien zu halten.

FischViele Fischarten sind heute überfischtTja, als Fisch hat man es seitdem alles andere als leicht. Und zu allem Überdruss wird die ganze Stresserei noch mit dem Segen „von ganz oben“ genehmigt. Nachzulesen im Neuen Testament im Kapitel „Fischer Apostel Simon Petrus“. Der machte mit seinen Freunden den See Genezareth unsicher und angelte manchen kapitalen Brocken aus dem heiligen Gewässer.
Jetzt fürchten der Wels und die Brache weniger das gemütliche „Petri Heil“, das der hobbyfischende Controller am Wochenende seinem meditierenden Kollegen am Deggendorfer Ufer zuflüstert und dabei seinen Blinker in Stellung bringt.
 
Nein, was die Meeresbewohner wirklich Bange macht, sind die Fischereiflotten, die kreuz und quer ihre Ringwadennetze durch die Weltmeere ziehen. Ganze Fischschwärme können damit eliminiert werden. Delphine, die mit Vorliebe Thunfischschwärmen folgen, verenden qualvoll in den Netzen. Lästiger Beifang wird halbtot über die Reling zurück ins Wasser befördert. Ein Prozedere, das ganze Flottenverbände tagtäglich auf hoher See praktizieren. Der Appetit der Menschen auf Fisch steigt stetig. Werden bestimmte Arten überfischt, kann das erhebliche negative Auswirkungen auf das gesamte ökologische System in den Ozeanen haben.
 
HemingwayErnest Miller Hemingway schrieb den berühmten Roman "Der alte Mann und das Meer"Was waren das noch für Zeiten, als der Fischer Santiago, nur mit einer Angel bewaffnet, sich mit einem riesigen Marlin zwei Tage und zwei Nächte einen erbitterten Kampf lieferte. Ein ebenbürtiges Ringen des Menschen mit der Natur. Ernest Miller Hemingway erlangte mit der Geschichte literarischen Weltruhm und die trug damit bei, dass ihm 1954 der Nobelpreis verliehen wurde. Ein Preis, der noch heute die Kiemen der Schwertfische voller Stolz anschwellen lässt.
Wir wissen nicht, ob die Novelle des Pulitzer-Preisträgers das Bodenseer Team von followfish inspiriert hat.
 
Fakt ist: Das Unternehmen lässt Thunfische noch nach dem „pole & line – Verfahren“ fangen. Wie vor 900 Jahren fischen die Einheimischen vor den Malediven mit Bambusangeln. Diese Methode vermeidet Beifang und schützt die Bestände. Vor Ort findet die Verarbeitung statt.  Das ist für ein Tier, das mit einem Haken im Maul aus dem Wasser gezogen wird, wenig tröstlich. Doch geht es bei der Geschichte um mehr. Ethik, Vernunft und Verantwortung.
Santiago würde sagen, während er die Leine mit blutigen Händen hält: „Es ist gut mein Bruder. Bald haben wir beide es geschafft!“
Bilder:pixabay;    big merci
 

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