November 2016 - Mehrere Medien berichten, dass der tatsächliche Spritverbrauch bei deutschen Karossen um ein Vielfaches höher ist als der angegebene Wert in den Verkaufsbroschüren. Neben dem Diesel-Skandal ist es die zweite Manipulation von Seiten der Hersteller, die die "German" -Autoindustrie 2016 erschüttert. Noch vor zwei Jahren wurde die Kritik von Umweltverbänden, Wissenschaftlern und Aktivisten zur Spritverbrauchsmessung belächelt. Heute ist flächendeckende Manipulation Realität.

Was haben Archimedes, Gottfried Wilhelm Leibnitz, der 14-jährige Wenzel Grüß, Grigori Perelman und ein Lobbyist der Automobilbranche gemeinsam! „Ohh Gott...“ wird der eine oder andere sagen. „Wieder so eine Wissensfrage!“ Stimmt. Es geht um Wissen. Einerseits. Andererseits vereint diese Menschen eine tiefe Leidenschaft für Zahlen. Sind ständig fixiert auf diese mathematischen Objekte. Manche flirten sogar mit ihnen, andere träumen nachts von Algorithmen und Wurzeln.
Genies, die nur ab und zu vom Himmel fallen und uns mit ihrer Genialität in Erstaunen versetzen. Aufklärer Leibnitz zum Beispiel baute vor 300 Jahren die erste Rechenmaschine, Wenzel Grüß schleudert uns nach 33 Sekunden Kopfrechnen die vierte Wurzel aus 2.472.973.441 vor unser verblüfftes Hirn.

Und das kluge Kerlchen von den Autobauern?
MotorDas lässt jedes Autoherz höher schlagen Rechengenies in der Autoindustrie
Es stellt neue mathematische Gesetzmäßigkeiten in der Öko- und Nachhaltigkeitstheorie auf, dass jeder normal geborene Erdenbürger beim Zuhören die Luft anhält. Muss er auch: Bei dem Zahlenspiel geht es auch um Luft und noch dazu um dreckige. Vorgestellt wurde die geniale SUV (Anm. d. Red. Sport Utility Vehicle abgekürzt SUV , so etwas wie Sport- und Nutzfahrzeug)- Formel jüngst im Autosalon in Paris. Allen voran von der deutschen Delegation. Der Term könnte so lauten: Ein deutsches Riesenschlitten hoch drei geteilt durch x größer und massiger als jeder normale PKW - Kohlendioxid pro gefahrenem Kilometer ist gleich 2011.

Häää...??? Wieder mal sitzen wir da, kritzeln die Zahlen auf unseren durchnässten Bierdeckel und verstehen kein einziges Wort. Können Daimler, BMW, Volkswagen und Audi  mit ihrem  bahnbrechenden Rechenansatz nur unseren ganzen verstandesmäßigen Respekt zollen. Vielleicht ist das der große Wurf?! Der Ansatz für den neuen Wirtschaftsnobelpreis? Wer weiß?

Mathematische Tiefflieger wie unsereins erhalten Nachhilfe von Transparency International Deutschland e.V. Die haben in ihrem unlängst veröffentlichten Bericht „Lobbying in Deutschland“ darauf hingewiesen, dass die Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung (Pkw-EnVKV), nicht von der Politik, sondern gleich von Leuten gemacht wurden, die sich nicht nur mit Pferdestärken sondern auch mit Zahlen auskennen. Wichtig war für die Auto-Tüftler vor allem, dass bei der Errechnung des Energieverbrauchs, das das Gewicht eines Auto mit in die Rechnung hineinfließen muss. Wäre das nicht geschehen, wären die SUVs wahre CO2-Schleudern. Haut man in die Rechnung mal schnell 1,5 Tonnen mit rein, ist der fahrbare Untersatz noch klimaschonender als ein veganer Fahrradfahrer. Genial.

Zahlenakrobatik außer Rand und Band
Der Pöbel mit Rechenschwäche vermutet dahinter eine klare Verarsche des motorisierten Volkes zu Gunsten Erbauer deutscher Nobelkarossen. Die haben vermutlich in den letzten Jahren auch viel addiert und multipliziert. Bei der Größe und dem Preis. Aber sorry, wer nicht rechnen kann, sollte lieber seinen Mund halten, vielmehr sein Gehirn schonen. Das war in der Schule schon so.

Vor dem PS-starken Rechenexempel wären die Gewinner die italienischen und französischen Kleinwagenhersteller gewesen. Beide haben viel gerechnet. Und zwar auch richtig. Zielgerichtet haben sie die Entwicklung von emissionsarmen PKWs mit tollen Klimaanlagen vorangetrieben.

Doch anscheinend war deren Rechenschieber falsch skaliert. Die Verordnung kam. Umweltverbände und selbst der ADAC kritisierten das Mithineinrechnen der Masse des Fahrzeuges in die Rechenformel. Ex- Wirtschaftsminister und die seinen fanden den Formelansatz sensationell und fertig war die neue umweltfreundliche Verordnung.

Bei so viel Zahlenakrobatik braucht manches heiß gelaufene Politiker- und Autofahrergehirn eine wahre Multiplikation an Abkühlung.

Florian Simon Eiler,   Bilder: pixabay,   big merci

greenwashing HauptbildMehr "grüne" Glossen in unserer Rubrik. Viel Spaß!