Jedes Jahr zum Nikolaustag gibt es von der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH) ordentlich etwas auf die weihnachtliche Mütze. Traditionell bewertet der Verein Kirchenoberhäupter nach deren Motorisierung. Ergebnis: Während die evangelische Kirche die Zeichen der Zeit erkannt hat und auf überwiegend C02-sparsame Dienstlimousinen umgestiegen ist, lassen es die Kollegen aus der katholischen Sektion weiterhin krachen und geben ordentlich Gummi.

Tacho Bei den Kirchenoberhäuptern hat mancher einen "Bleifuß"Die Schlitten, die sie dafür benutzen, treiben dem Heiligen Vater im weit entfernten Rom wahrscheinlich die Zornesröte ins Gesicht. Hat selbiger doch den Fuhrpark seines Vorgängers aufgelöst und sich sparsamere und wenig prunkvolle Gefährte zugelegt.

Was ist also los mit den Oberhirten der Katholiken? Zwischen all dem Shoppingwahn und völlig überfüllten Weihnachtsmärkten begeben wir uns auf Spurensuche und hoffen auf Antworten:

Option eins – das Tebartz-van Elst-Syndrom. Die Auswirkungen: Seit Bekanntwerden der Symptome hat der gemeine Pöbel nichts anderes mehr im Kopf, als zu schauen, in welchen Badewannen man als Bischof badet und ob die Kücheneinrichtung von IKEA oder doch von einem beauftragten Designer ist. Nur beim Auto kann der Klerus noch ordentlich klotzen, ohne gleich am nächsten Tag eine Meute von glühweingetränkten Reportern vor der Kirchenpforte zu begrüßen.

Option zwei – protzige Karossen sind einfach geil. Tja,…muss man einfach so stehen lassen. Überzeugendes Beispiel dafür: Bischof Franz-Josef Overbeck aus Essen. In Fachkreisen nennt man ihn auch „Der heilige Vettel“. Sein Dienstwagen, ein VW Phaeton, liegt mit 224 g CO2/km etwa 70 Prozent über dem geltenden EU-Klimaschutzgrenzwert. Nach massiver Kritik hat er sich dieses Jahr von dem "Schiff" verabschiedet und ist auf einen  Audi A6 umgestiegen mit einem offiziellen CO2-Ausstoß von 128 g/km, allerdings mit Dieselmotor.

Die dritte Möglichkeit - das Kleiderproblem. Haben Sie schon mal einen Kardinal Marx Rad fahren sehen? Wenn ihm beim Herunterpreschen des Freisinger Berges die Soutane ins Gesicht peitscht? Jede Frau in stylischer Abendrobe steigt doch auch lieber aus einem großen Daimler als von einem Drahtesel runter.   

Schlitten für die katholische KircheBescheidenheit bei der Fahrzeugwahl - bei den deutschen Kirchenoberhäuptern gibt es dabei noch eine Menge AufholbedarfPunkt vier: Die deutschen Hirten reagieren auf die miesen Umfrageergebnisse der Kirche mit einem ausgeklügelten Marketingkonzept. Deutschland ist doch Autoland, oder? Also warum nicht die mächtige Autolobby als stolzer Protzkarossenbesitzer ein bisschen umgarnen? Wer weiß, vielleicht ist das eine oder andere automobilbegeisterte Schäfchen dabei und findet mit Bleifuß mal den Weg in die Kirche.

Vielleicht ist auch die mobile Partnerschaft zwischen katholischer Kirche und der Autoindustrie in Deutschland einfach eine Zweckgemeinschaft. Motto: Gemeinsam sind wir stark. Beide Organisationen halten an alten eingefahrenen Bräuchen fest und sehen nicht im Geringsten ein, sich in eine neue Richtung zu bewegen. 

Bilder: pixabay,   big merci

Florian Simon Eiler

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