Was ist der Unterschied zwischen Ernesto Rafael Guevara de la Serna und Richard Reynolds? Na?!
Oder einfacher. Worin unterscheiden sich der verstorbene Che Guevara und der noch lebende Brite Reynolds? Punkt eins, der Divergenz: Che wurde von der US-Zeitschrift Time 1999 zu den 100 einflussreichsten Menschen des 20. Jahrhunderts gezählt. Reynolds hat noch ein bisschen Zeit für die Auszeichnung. Ist aber auf einem guten Weg.
Ernesto Rafael Guevara Punkt zwei: Che Guevara ließ sich meistens mit einer äußerst funktionstüchtigen Kalaschnikow ablichten. Der etwas blässlich wirkende Brite hat häufig einen verrosteten Spaten in der Rechten. Ansonsten sind die Männer fast schon so etwas wie Blutsbrüder. Beide sind, beziehungsweise waren, knallharte Guerilleros mit einer riesigen Gefolgschaft.
 
Während „Kommandante“ Che für ordentlich Aufmerksamkeit in der kubanischen Revolution sorgte, gräbt „Mr. Spaten“ mit den Seinen in der Nacht halb London um. Die „Guerilla-Gardening- Einheit“ von Reynolds ist eine der härtesten.Zur Dunkelheit treffen sich die vermummten Rebellen ausgerüstet mit Spaten, Eimern und Kisten und begrünen die Londoner City. In einer Zeit, in der die Stadtverantwortlichen schlafen, kann die grüne Kohorte kriminell gärtnern. So wird beispielsweise in einer Verkehrsinsel im Stadtteil Southall gegraben, gesät und gegossen, während vereinzelte Hubsalven von vorbeidonnernden Autos die Einheit immer wieder aufschrecken lassen. „Guerilleros, come on!“
 
Ein Seitenstreifen eines kleinen Gehwegs bekommt innerhalb von ein paar Minuten eine Lavendel-Setzlings-Kur verpasst, und ein paar Häuserblocks weiter wird eine ganze Armada Samen von Usambaraveilchen verstreut. Reynolds Berühmtheit auf dem europäischen Kontinent wächst und wächst.
Sobald seine „Pflanz-Partisanen“ wieder zugeschlagen haben, gibt es Nachahmer in anderen aufmüpfigen Ländern.
 
Zum heutigen gesellschaftlichen Öko-Bewusstsein gehört nun auch die abenteuerliche, teils illegale Gartenarbeit. Namen wie die Kampftruppe "Kampolerta" aus Wien, der holländische Künstler Helmut Smits und der Berliner Ben Wagin verleihen  der Rebellenarmee Attraktivität. „Es lebe die Revolution!“
 
guerilla SpatenEine Frage, die sich mancher „Botanik-Aktivist“ in der Jetzt-Zeit stellt: Was würde wohl der gute alte Che dazu sagen? Er würde seine rote Mütze ein bisschen nach oben ziehen, einmal gut durchatmen und anschließend im wunderschönsten Spanisch verlauten lassen: „Podran cortar todas las flores pero nunca terminaran con la primavera.“
 
(Anm. d. Red.: das Zitat ist wirklich Originalton Che) „Sie können alle Blumen abschneiden, den Frühling aber können sie nicht aufhalten.“
 
Fotos: pixabay
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