Es gibt manche Typen, die haben es einfach drauf. Sie werden aus einem einzigen Grund geboren, nämlich, wenn ihnen etwas auf den Keks geht, ordentlich für Rabatz zu sorgen und alles um sich herum ein bisschen aufzumischen. Die seriöse Geschichtsschreibung hat in dieser Hinsicht eine Menge zu bieten. Doch mit wem soll man den in der Jetztzeit lebenden Niederbayern Fabian Lehner vergleichen?

Mit Nero? Wohl kaum. Selbiger hat mit seinen flinken Fingern nicht nur virtuos die Lyra bedienen können, sondern auch im Umgang mit antiken Streichhölzern war der römische Imperator ganz vorne dabei. Klimper, klimper…“Rom brennt.“ Der 19-jährige Lehner ist da eher das Pendant dazu. In seinem Heimatort Simbach ist er in der Freiwilligen Feuerwehr und hat so manchem zündelnden Möchtegernkaiser das Handwerk gelegt.
Nächste Gegenüberstellung: Mit dem germanischen Anführer Arminius, im Volksmund auch Hermann genannt, der den Römern im Teutoburger Wald eines schwer auf die Mütze gegeben hat. Auch hier hinkt der Vergleich. Der Niederbayer ist äußerst handsam, von Gewalt keine Spur. In seinem 10 000-Einwohner-Städtchen ist er im Ortsverein der Sozialdemokraten engagiert.
Und was ist mit dem „abgedroschenen“ David gegen Goliath?

Die Post liefert ihr Werbemagazin in eingeschweißter FolieDie Post liefert ihr Werbemagazin in eingeschweißter FolieHundertausend Unterschriften gegen Plastikfolie
Wieder einmal muss man sagen, es passt: Natürlich ist Lehner David. Statt einer Steinschleuder hat er einen Computer. Goliath ist die super-auftrainierte Post. Beim Anblick deren Bizeps hat jeder Gegner erst einmal „die Hosen voll“ und beißt in die ausreichend frankierte Postwurfsendung. Apropos Postwurfsendung. Um so ein Zeug dreht sich nämlich der ganze „Fight“. Der bayerische David findet es alles andere als nachhaltig, dass die Werbezeitschrift „Einkauf aktuell“ von der Deutschen Post, die jeden Samstag in mehr als 20 Millionen Briefkästen landet, in eine Plastikfolie geschweißt wird. Laut Deutscher Umwelthilfe entstehen dadurch jährlich rund 3000 Tonnen Müll. Fabian Lehner überlegte nicht lange und startete gegen die „Müllerei“ im Internet eine Petition. Ergebnis: Bis heute über 191.000 Unterschriften (hier geht es zur Petition).

Anfang des Jahres 2015 kam es zum vorerst letzten „Showdown“ in München. Auf der einen Seite der Bayer, unterstützt von Umweltverbänden. Ihm gegenüber die omnipotente Vorstandschaft der Post.

Wer im Alten Testament gut belesen ist, weiß, wie der Kampf ausgegangen ist. Natürlich hat in der Gegenwart der listige „kleine“ David Goliath nicht mit einem einzigen Wurf niedergestreckt. Aber zumindest taumelt der gelbe Riese.

Die Deutsche Post will die Plastikverpackung für ihr Werbemagazin überdenken, heißt es von Seiten des Pressesprechers. „Wir werden eine Folie testen, die zu 50 Prozent aus Recyclingfolie besteht.“ Der Konzern überlege auch, ob man ganz auf die „saubere“ und „ordentliche“ Umhüllung verzichten könne.

Also Nero auf keinen Fall, Hermann – zu brutal. Irgendwann werden die Kinder wie hypnotisiert vor ihrem Smartphone sitzen und sich auf youtube das Video vom Fabian aus Simbach anschauen. Wie er auszog, um „nachhaltige“ Geschichte zu schreiben.

Florian Simon Eiler

Fotos: pixabay

Kaffeekapseln