Dom Perignon war seinerzeit, und das wird ins 17. Jahrhundert datiert, ein Cellerar. Dieser Titel erlaubte ihm, innerhalb der Mauern der Benediktinerabtei Saint Pierre d’Hautvillers quasi wie ein Finanz- und Wirtschaftsvorstand in einem zu agieren.
Jetzt kann man ja den Benediktinern vieles unterstellen, gewiss aber nicht, dass sie in gastronomischen Belangen zimperlich waren und bei jedem frisch gebrauten Bier gleich unter heftigen Bekreuzigungen unter der nächsten Bank verschwanden, um dem Getränk des leibhaftig „Gehörnten“ beharrlich zu widerstehen.

PalmölDom Perignon wusste wie man Kohle machtUnd so machte auch Dom Perignon lange an einem Schaumwein rum, bis daraus eben, na was? - der Champagner entstand. Scheißgut und horrend teuer. Fast so wie ein „aurum liquidum“, welches seinen Verkäufer für immer in den Himmel der Sorglosen hochfahren lässt. Seitdem sind findige Geschäftsleute ständig auf der Suche nach einem neuen „aurum“.
Konkrete Beispiele: exklusives Olivenöl, Bio-Honig und Druckertinte, deren Preis den Blick eines jeden Hobbyfotografen lacrimös verschleiert.

Anders verhält es sich bei dem neuesten Produkt. Es soll das Aussehen eher verbessern. Als Zusatzstoff in Cremes, Duschgels und Putzmittel. Getarnt unter Namen wie Stearyl, Laurate, Lauroyl oder Pflanzenfett.
Wir sprechen über Palmöl. Ein Geschenk des Himmels! Ein Donum Caeli! Ein Stoff, bei dem alle Heiligen gemeinsam an der Erschaffung mitgewirkt haben müssen. Saubillig herzustellen. Die Industrie frohlockt. Festes Palmöl muss zur Weiterverarbeitung nicht chemisch aufbereitet werden und somit schnellt die Gewinnmarge mit einem kräftigen „Hosianna“ in die Höhe. „Biosprit E10“, Pizza, Schokovariationen in allen sündigen Formen und und und...
Doch das Beste kommt erst.

Es ist ein Naturprodukt. Wächst ständig nach. Ist somit nachhaltig, sauber, CO-neutral. Wie im Paradies. Endlich mal etwas, dass man mit gutem Gewissen in Unmengen verbrauchen kann.
Was würde wohl der weise Dom Perignon dazu sagen? Taceret (für Nichtlateiner: Er würde schweigen.). Vielmehr würde er in seiner imposanten Erscheinung – wie ihn die Überlieferung beschreibt – mit einer Riesenwut im großen Bauch in die Versammlung „Runder Tisch Palmöl“ platzen. Den Vizepräsident vom WWF, Jason Clay, in den Schwitzkasten nehmen und die anderen Typen von der Öl-Lobby ordentlich an seiner Faust riechen lassen und sie anschließend in Exerzitien schicken.
Dom PerignonSo mancher lässt mal gerne den Champagner-Korken knallenDer Grund für sein unkontemplatives Verhalten: Für die Plantagen sind in den vergangenen Jahren Zehntausende Hektar Regenwald zerstört worden, vor allem in Malaysia und Indonesien. Dadurch verlieren zahlreiche Tier- und Pflanzenarten ihre Lebensräume. Regen- und Torfwälder sind immens wichtig für das globale Klima, weil sie klimaschädlichen Kohlenstoff binden. Bei der Zerstörung derselbigen werden Unmengen COfreigesetzt. Von den Pestiziden gar nicht zu sprechen, die die Erntehelfer und natürlich auch die Böden schädigen.
 
Ohhh, Ihr Heuchler Ihr!“ Mit einem lauten Knall lässt der Cellerar die Klostertüre ins Schloss fallen, steckt seinen Generalschlüssel in jenes und dreht zweimal kräftig um. „So meine Herren! Orate et laborate! Bei Brot und Wasser haben Sie jetzt Zeit, darüber nachzudenken, wie man Ihre Versprechen auch in die Tat umsetzen kann!“
 
Bilder: pixabay
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