Weizen weckt Begehrlichkeiten. Während in den armen Ländern der Welt die Menschen ihn dringend zum Überleben brauchen, wetten in den Wohlstandsstaaten Hedgefonds auf steigende oder fallende Preise des Getreides. Schon lange verurteilen Umweltschutz- und Verbraucherorganisationen das Spekulieren mit Agrarrohstoffen. Ihrer Meinung nach ist das der Grund dafür, dass die Preise für Nahrungsmittel weltweit steigen, und dementsprechend der Hunger auf der Welt weiter zunimmt.

BörseMit Lebensmitteln lässt sich rentabel spekulierenDer Streit der Gegner und Befürworter schwelt seit Jahren. Fakt ist: Mit Nahrungsspekulation lässt sich eine ordentliche Gewinnmarge für Banken und Fonds einfahren. Wie die Zockerei abläuft, ist für den Laien kaum nachvollziehbar. An sogenannten Warenterminbörsen wie das Board of Trade in Chicago konzentriert sich der Markt. Dort sichern sich Weizenproduzenten und –händler gegen Preisschwankungen ab, indem sie Verträge über zukünftige Ernten abschließen. Die meisten Spekulanten besitzen kein einziges Gramm Mais, Soja oder Getreide. Trotzdem handeln sie mit Futures (Termingeschäfte, Anm. d. Red.). Je nachdem, ob der Preis bis dahin steigt oder fällt, gewinnt oder verliert der Spekulant Geld. Der tatsächliche Handel mit den Nahrungsmitteln wird dann später an den Spotmärkten abgewickelt.

WeizenWeizen wird an der Börse gehandeltNur widerwillig erklärten sich Anfang 2013 die Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken aufgrund des enormen öffentlichen Drucks bereit, aus den Spekulationen mit Agrargütern auszusteigen. Deutsche Bank und Allianz sind weiter gut im Geschäft.

Ende desselben Jahres blies „Foodwatch“-Deutschland zum Angriff und stellte in einer eigens in Auftrag gegeben neuen Studie http://www.foodwatch.org/uploads/media/2013-11-21_Bass_Finanzspekulation_und_Nahrungsmittelpreise_01.pdf den Zusammenhang von Lebensmittelspekulationen und Hungersnöten der Öffentlichkeit vor. Autor der Studie ist Hans-Heinrich Bass, Professor und Leiter des Instituts für Weltwirtschaft und Internationales Management an der Hochschule Bremen. Die wichtigste Aussage ist: 

Das Zocken mit Lebensmitteln beeiflusst den Preis von Lebensmitteln
Finanzspekulationen können sehr wohl den Preis von Lebensmitteln beeinflussen. „Es gibt den Beleg für die Unschädlichkeit der finanzwirtschaftlichen Agrarspekulation nicht“, erklärt „Foodwatch“-Chef  Thilo Bode in der Presseerklärung zur Studie. Er fordere die Unternehmen angesichts der wissenschaftlichen Hinweise in Bezug auf einen potenziellen Zusammenhang zwischen den Finanzprodukten und Hunger auf, unverzüglich aus den Finanzwetten mit Agrarrohstoffen auszusteigen.

Natürlich dürfte den Konzernen diese medialen Angriffe wenig geschmeckt haben. Einge von ihnen berufen sich auf eine ältere wissenschaftliche Arbeit, die den Aspekt von steigenden Preisen für Nahrungsmittel bei Spekulationsgeschäften nicht erkennen lässt. „Deutsche Bank und Allianz stützen sich auf wissenschaftlich nicht haltbare Argumente. Es ist dreist und perfide, das Festhalten an der Agrarspekulation damit zu begründen, dass ‚die‘ Wissenschaft angeblich Entwarnung gegeben habe“, so Bode.
Im April 2014 lud der Vorstand der Deutschen Bank zu einem Experten-Treffen hinter verschlossen Türen ein. Bei foodwatch.de liest man darüber:  "Nach dem Experten-Treffen im April 2014 hatte die Bank „konkrete Vorschläge“ zugesagt – doch passiert ist seitdem nichts."

Während hierzulande weiterhin gestritten wird, stirbt laut Medienberichten alle sechs Sekunden irgendwo auf der Welt ein Kind an Hunger. Gezockt wird an den Börsen der Welt weiter. Nahrung ist und bleibt ein geiles lukratives Geschäft. Denn gegessen wird immer.

Es trifft die Ärmsten der Armen. Steigen die Preise für Reis, können sich Familien nicht mehr ernähren. Dem gegenüber hat sich das Handelsvolumen mit Agrarrohstoffen in den letzten 14 Jahren verzehnfacht und liegt momentan bei über 340 Milliarden US-Dollar.

Florian Simon Eiler 

Fotos: pixabay

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