Eine farbige Frau sitzt auf dem Boden in der Mitte eines Dorfplatzes. Die Szene spielt in dem Dorf Kayao DÁpouri in Burkina Faso. Das Land ist eines der ärmsten Afrikas. Ein Film erzählt davon. Die Frau heißt Pauline Nana. Sie wirkt entspannt. Ein bisschen stolz. Sie sagt: "Die Umstellung auf Bio-Baumwolle war sehr mühsam und hat viel Arbeit erfordert, aber jetzt kann ich meine Familie davon ernähren!" Spontan klatschen die Dorfbewohner um sie herum Beifall. – Eine von vielen ähnlichen Szenen in dem Film über fair gehandelte Baumwolle.

Fair TradeVor drei Jahren feierte Fair Trade Deutschland den zwanzigsten Geburtstag. Die Anfänge des "fairen Handels" liegen in den USA im Jahr 1946. 1992 wurde in Deutschland  der gemeinnützige Verein TransFair e.V. gegründet. Die Organisation vergibt seit dieser Zeit das Fairtrade-Siegel für fair gehandelte Produkte.                                                          

Der Zusammenschluss der verschiedenen Länderinitiativen 1997 zu Fairtrade International (FLO) – eine Folge der immer größer werdenden Nachfrage nach zertifizierten Produkten. Als Dachverband erarbeitet er das Opus magnum für gerechten Handel  – weltweit gültige Standards. Fungiert auch als Berater und Unterstützer der Produzentenorganisationen in den Anbauländern. Für Güter, die diesen Standards entsprechen, gibt es das bekannte blau-gün-schwarze Fairtrade-Siegel.
 

Überraschungscoup - Edeka verkauf zertifizierte Produkte

2012 der Überraschungscoup. Edeka, der größte Lebensmittelhändler Deutschlands, nimmt fair zertifizierte Rosen und Bananen in sein und in das Sortiment seiner Discount-Tocher Netto mit auf. Auf einen Schlag 36 000 Verkausstellen. "Nachhaltigkeit ist integraler Bestandteil der Edeka-Unternehmensstrategie", erklärt Kerstin Hastedt, Pressereferentin bei Edeka. Ziel sei es, ökologische und gesellschaftliche Verantwortung sinnvoll mit den ökonomischen Interessen zu verbinden.

Anhand der Blumen sieht man, wie ernst es alle Beteiligten meinen. Der in Äthiopien ansässige Rosenproduzent Sher wird 2012 Fairtrade-zertifiziert. Grund genug für Edeka, eine langfristige Kooperation mit Sher einzugehen. Inklusive festgelegter Abnahmemengen.
Fair Trade SiegelFair Trade Siegel; FLO-CERT Die Zertifizierungsgesellschaft FLO-CERT GmbH mit Sitz in Bonn ist Dreh- und Angelpunkt. Sie gibt mit ihrem unabhängigen, transparenten und weltweit konsistenten Kontrollsystem die Normen für den fairen Handel vor. Ist die Norm erreicht – Zulassung. Später immer wieder Kontrollen vor Ort. "Auf der Blumenfarm Sher sind mehrere Tausend Arbeitende beschäftigt. Als Rosenpflückerin, Rosencutterin, in der Pflege und Aufzucht sowie bei der Verpackung", sagt Edith Gmeiner, Mitarbeiterin in der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei Fairtrade-Deutschland.
 

HandelFairtrade-Rosen brauchen keine Blumenbörse        

Ist die Rose einmal abgeschnitten, müsse es schnell gehen, denn die Blumen sollen möglichst frisch bei den Verbrauchern ankommen. Fairtrade-Blumen würden direkt gehandelt, gingen nicht über die Blumenbörse in Holland. Per Flugzeug würden sie über Nacht schnittfrisch nach Europa gebracht.

Im Markt angekommen werden die Rosen umverpackt, mit einem Erläuterungstext und einem Code versehen. "Über diesen Produktionscode, der unter www.fairtrade-deutschland.de eingegeben werden kann, kann der Kunde mehr über den Lieferanten, den Produktionsprozess seiner Rosen, einschließlich der Berücksichtigung von Sozial- und Umweltstandards erfahren", so Kerstin Hastedt von Edeka. Gerechter Handel mit absoluter Transparenz. Niemand hat etwas zu verbergen.

Man wird den Eindruck nicht los – Fairtrade steckt an und immer mehr Menschen geben dieser Idee ihre Stimme: Allein in Deutschland sind es über 150 Männer und Frauen. Bei Fairtrade werden sie Multiplikatoren genannt. " Die "Multis" unterstützen uns bei Kampagnen und den zahlreichen Aktionen wie der Fairen Woche oder dem Fairtrade-Frühstück", erzählt Edith Gmeiner. "Ihr ehrenamtliches Engagement sorgt dafür, dass das Bewusstsein für Fairen Handel bundesweit gestärkt wird."

Im Mittelpunkt der Arbeit von Fairtrade stehen jedoch die Menschen in den Anbauländern wie Pauline Nana und Bauer Pierre Bangou. Sein Leben hat sich nach eigenen Worten sehr verändert: "Ein Teil meines Erlöses fließt in gemeinschaftliche Sozialprojekte in unser Dorf", sagt er, während er einen Sack mit Baumwolle in eine Lagerhütte wuchtet.

Fakt ist, Fairtrade beinhaltet als einziges Sozial-Siegel eine verbindlich festgelegte Fairtrade-Prämie für Gemeinschaftsprojekte. Die Prämie fließt direkt von jedem Einkauf auf ein separates Prämienkonto der jeweiligen Produzentenorganisation. Im Dorf Kayao DÁpouri sind es Schulen, Brunnen und ein Krankenhaus. Das Besondere daran, über die Verwendung des Geldes wird völlig demokratisch entschieden.

Im Bundesgebiet indes ist der faire Handel ist nicht zu bremsen. Im vergangenen Jahr verzeichneten die Verkäufe Fairtrade-zertifizierter Produkte das stärkste absolute Wachstum seit Bestehen des Siegels: Insgesamt 827 Mio. Euro  gaben Verbraucher und Verbraucherinnen 2014 für Fairtrade-Waren aus, 173 Mio. mehr als im Vorjahr. Ein Plus von 26 Prozent. „Der deutsche Fairtrade-Markt entwickelt sich sehr dynamisch. Die absatzstärksten Produkte Kaffee, Bananen, Blumen und Kakao legen weiter kräftig zu“, so TransFair-Geschäftsführer Dieter Overath.

Die beiden Protagonisten im Film sind zwei von vielen. Sie pflücken Tee in den Bergen Indiens oder sind Kaffeebauern in der Dominikanischen Republik.

Wenn man genauer in ihre Augen sieht, erkennt man, dass die Menschen stolz sind auf ihre anerkannte Arbeit, und beim Zuschauer bleibt die Hoffnung auf ein bisschen mehr gerechtere Welt...