Frankfurt am Main - Kenia ist das Land, in dem die Rosen blühen. Fast 40 Prozent aller in Europa verkauften Rosen stammen aus Kenia. Besonders im Winter brummt das Geschäft. Auch vor dem Muttertag kommen die Arbeiter, die Hälfte von ihnen sind Frauen, kaum hinterher mit dem Schneiden, Bündeln und Verpacken. Neben Tourismus und Teeanbau ist die Blumenzucht der drittgrößte Wirtschaftszweig in Kenia. Insgesamt 90.000 Menschen arbeiten laut Züchtervereinigung Kenya Flower Council (KFC) in ganz Kenia für die Blumenindustrie.

CoverAllerdings wird auf den riesigen Blumenplantagen nicht an Pestiziden gespart. Rosensträuße sind erheblich mit Pestiziden verseucht. Zu diesem Ergebnis kommt ÖKO-TEST in der aktuellen Mai-Ausgabe. Bis zu 20 verschiedene Spritzgifte wies das Labor in einem Strauß nach, darunter solche, die hierzulande verboten sind. Diese Chemiekeulen haben vor allem gravierende gesundheitliche Folgen für die Arbeiter in den Farmen.

ÖKO-TEST hat 14 Rosensträuße auf Pestizidrückstände untersuchen lassen. Das Ergebnis ist größtenteils miserabel: Das Labor fand etwa mehr als 100 mg/kg Spritzgifte in einem Blumenstrauß. Leider ist das gesetzlich erlaubt, denn einen Grenzwert für Schnittblumen gibt es nicht.

Die Belastung setzt sich aus bis zu 20 verschiedenen Pestiziden zusammen. Zudem ist etwa jede dritte der nachgewiesenen Substanzen besonders bedenklich. Etliche stehen im Verdacht, Krebs zu erregen oder die Fortpflanzung zu beeinträchtigen. Außerdem gibt es solche, die akut toxisch sind, wenn sie eingeatmet oder verschluckt werden. Einige dürfen in Deutschland nicht verwendet werden, aber für Rosen aus Ostafrika gelten die Regeln der dortigen Länder.

RosenstraußDie meisten Minuspunkte verbuchten die Rosen von Aldi Nord auf ihrem Konto, unter anderem aufgrund des höchsten Gesamtgehaltes. Auch die Oranje Rosen "Marie-Claire" enthielten extrem hohe Mengen. Insgesamt nur geringe Rückstände waren in den Rosen von Penny und Kaufland. Am Ende erreicht der Kaufland Rosenstrauß 13 Stiele in Farben (HO) als einziger ein "gutes" Testergebnis Pestizide.

Leider wurden auch die Fairtrade zertifizierten Rosen im Test mit mindestens zwölf unterschiedlichen Pestiziden gespritzt. Der zertifizierte Flower Arts Edelrosenstrauß vom Discounter Netto hatte zudem sehr hohe Rückstandsmengen von insgesamt mehr als 50 mg/kg.

Die hohe Schadstoffbelastung ist vor allem für die Arbeiter auf den Farmen ein Problem. Das Pestizid-Aktionsnetzwerk PAN Germany schätzt, dass weltweit 40.000 Menschen an den Folgen der Giftspritzerei sterben.

ÖKO-TEST interessierte außerdem, welche Verantwortung die Anbieter übernehmen, wenn es um die gesundheitsgefährdenden Spritzgifte bei der Produktion geht. Enttäuschend ist, dass das nur bei vier der 14 Anbieter der Fall ist. Sind die Farmen mit dem Siegel Fairtrade oder MPS zertifiziert, wird der Pestizideinsatz zwar kontrolliert – in der Regel aber nur einmal im Jahr.

ÖKO-TEST rät daher, zum Muttertag Blumen aus dem heimischen Freilandanbau zu verschenken. Das ist auch mit Blick auf Energieeinsatz und Transportkosten die klimafreundlichere Wahl.
Quelle: Text, Cover und Berichtbild: ÖKO-TEST/Einl.bild: Pixabay

Das ÖKO-TEST-Magazin Mai 2017 gibt es seit dem 27. April 2017 im Zeitschriftenhandel.

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